OffeneUrteileSuche
Entscheidung

IV ZR 306/20

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

ZivilrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2023:110123UIVZR306
10Zitate
8Normen
Originalquelle anzeigen

Zitationsnetzwerk

10 Entscheidungen · 8 Normen

VolltextNur Zitat
Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2023:110123UIVZR306.20.0 BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL IV ZR 306/20 Verkündet am: 11. Januar 2023 Heinekamp Amtsinspektor als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit - 2 - Der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Karczewski, die Richterinnen Harsdorf-Gebhardt, Dr. Brockmöller, Dr. Bußmann und den Richter Dr. Bommel im schriftlichen Verfahren mit Schriftsatzfrist bis zum 2. Dezember 2022 für Recht erkannt: Auf die Revision der Beklagten wird unter Zurückweisung des weitergehenden Rechtsmittels das Urteil des 9. Zivilse- nats des Oberlandesgerichts Köln vom 17. November 2020 im Kostenpunkt und insoweit aufgehoben, als die Beklagte zur Zahlung von mehr als 919,48 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 18. Juni 2019 sowie zur Freistellung des Klägers von Rechtsanwaltskosten in Höhe von mehr als 147,56 € verurteilt worden ist. Die Berufung des Klägers wird auch insoweit zurückgewie- sen. Die Kosten des Rechtsstreits erster Instanz tragen der Klä- ger zu 90 % und die Beklagte zu 10 % aus einem Streitwert von 9.524,09 €. Die Kosten des Rechtsstreits zweiter Instanz tragen der Kläger zu 88 % und die Beklagte zu 12 %. Die Kosten des Revisionsverfahrens tragen der Kläger zu 70 % und die Beklagte zu 30 %. - 3 - Der Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf 2.688,66 € festgesetzt. Von Rechts wegen Tatbestand: Die Parteien streiten über die Wirksamkeit von Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung des Klägers. Er unterhält in der Krankenversicherung bei der Beklagten unter an- derem den Tarif E und Z . Die Beklagte informierte ihn mit Schreiben vom November 2013 nebst Anlagen über eine Beitragserhö- hung im Tarif E zum 1. Januar 2014 um 18,16 € monatlich und mit Schreiben vom November 2014 nebst Anlagen über eine Beitragser- höhung im Tarif E zum 1. Januar 2015 um 62,63 € monatlich. Weitere Prämienanpassungen erfolgten im Tarif E zum 1. Januar 2017 und 1. Januar 2018 und im Tarif Z zum 1. Januar 2017. Der Kläger hält die Beitragserhöhungen für unrechtmäßig. Mit An- waltsschreiben vom 4. Mai 2019 forderte er die Beklagte zur Rückzahlung überzahlter Beiträge sowie daraus gezogener Nutzungen auf. Die Be- klagte wies die Forderungen mit Schreiben vom 18. Juni 2019 zurück. Mit seiner Klage hat der Kläger zunächst die Rückzahlung der auf die genannten Erhöhungen entfallenden Prämienanteile in Höhe von 9.524,09 € nebst Zinsen sowie die Freistellung von vorgerichtlichen An- waltskosten begehrt. Die Zahlungsklage hat er später in Höhe von 677,72 € zurückgenommen. 1 2 3 4 - 4 - Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Mit der Berufung hat der Kläger Rückzahlung von 7.916,12 € nebst Zinsen sowie unverändert Frei- stellung von den Rechtsanwaltskosten verlangt. Das Oberlandesgericht hat die Beklagte zur Zahlung von 2.790,46 € nebst Zinsen seit dem 18. Juni 2019 und zur Freistellung von Rechtsanwaltskosten in Höhe von 334,75 € verurteilt. Mit der Revision begehrt die Beklagte die Aufhebung des Berufungs- urteils und Klageabweisung, soweit sie zur Zahlung von mehr als 101,80 € nebst Zinsen sowie zur Freistellung des Klägers von vorgerichtlichen An- waltskosten verurteilt worden ist. Entscheidungsgründe: Die Revision hat teilweise Erfolg. I. Nach Ansicht des Berufungsgerichts erfüllten die Begründungen aus November 2013 und November 2014 nicht die nach § 203 Abs. 5 VVG zu stellenden Mindestanforderungen an die Mitteilung der maßgeblichen Gründe. Demgegenüber seien die Begründungen aus November 2016 und November 2017 in formeller Hinsicht nicht zu beanstanden. Von den im nicht verjährten Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 1. Juni 2019 zu viel ge- zahlten Erhöhungsbeträgen seien die ausgezahlten Bonuszahlungen (2016 = 50 €, 2017 = 25 € und 2018 = 527,72 €) in Abzug zu bringen. Der Kläger habe insoweit seine Klage zurückgenommen. Danach verbleibe ein Rückzahlungsanspruch in Höhe von 2.790,46 €. Die von der Beklagten er- 5 6 7 8 - 5 - hobenen Einwendungen gegen die Höhe des geltend gemachten Rück- zahlungsanspruchs griffen nicht durch. Ein Anspruch auf Freistellung von vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 334,75 € folge aus §§ 280 Abs. 1 Satz 1, 257 BGB. II. Das hält rechtlicher Nachprüfung nur zum Teil stand. 1. Das Berufungsgericht hat rechtsfehlerfrei entschieden, dass die von der Beklagten mitgeteilten Gründe für die Prämienerhöhungen im Tarif E zum 1. Januar 2014 und 1. Januar 2015 die Voraussetzungen einer nach § 203 Abs. 5 VVG erforderlichen Mitteilung (vgl. dazu Senats- urteil vom 16. Dezember 2020 - IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 26) nicht erfüllten. 2. Zu Unrecht hat das Berufungsgericht dagegen angenommen, dass der Kläger zur Zahlung der Prämienanteile, die betragsmäßig den zum 1. Januar 2014 und 1. Januar 2015 erfolgten Erhöhungen im Tarif E entsprechen, über den Zeitpunkt der nächsten wirksamen Prä- mienerhöhung in diesem Tarif zum 1. Januar 2017 hinaus nicht verpflichtet sei und daher auch die bis Juni 2019 gezahlten Prämienanteile zurückzu- erstatten seien. Ab der Prämienanpassung zum 1. Januar 2017, die nach der Entscheidung des Berufungsgerichts auch zu diesem Zeitpunkt wirk- sam wurde, bestand ein Anspruch der Beklagten auf Zahlung der Prämie in der durch diese letzte Anpassung festgesetzten Höhe. Eine spätere wirksame Prämienanpassung bildet fortan die Rechtsgrundlage für den Prämienanspruch in seiner Gesamthöhe (vgl. Senatsurteil vom 16. De- zember 2020 - IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 55). Der Kläger kann da- her nur die gezahlten und von der Verjährung nicht erfassten Erhöhungs- 9 10 11 - 6 - beträge für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2016 zu- rückverlangen. Aus diesen Beträgen in Höhe von 969,48 € ((18,16 € + 62,63 €) x 12 Monate) verbleibt abzüglich der 2016 erfolgten Bonuszah- lung von 50 € ein Rückzahlungsanspruch von 919,48 €. Dieser ist - wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat - ab Verzugsbeginn zu verzinsen. 3. Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass der Rückgewähranspruch des Klägers aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB die Erhöhungsbeträge, die er ohne wirksame Prämienanpassung gezahlt hat, der Höhe nach uneingeschränkt umfasst. a) Im Rahmen der bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung kommt eine Anrechnung des genossenen Versicherungsschutzes nicht in Be- tracht, wenn sich bei einem wirksamen Versicherungsvertrag als Rechts- grund der erbrachten Leistungen nur eine Prämienerhöhung als unwirk- sam erweist (vgl. Senatsurteil vom 16. Dezember 2020 - IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 46). Soweit die Revision geltend macht, die Beklagte sei durch die empfangenen Zahlungen in Höhe der kalkulierten Risikoprä- mien nicht bereichert, da diese der Erbringung von Versicherungsleistun- gen gedient hätten, trifft das nicht zu. Der weiterhin bestehende wirksame Versicherungsvertrag verpflichtete die Beklagte zur Erbringung von Versi- cherungsleistungen (vgl. Senatsurteil vom 16. Dezember 2020 aaO). Eine Entreicherung durch die Tilgung eigener Verbindlichkeiten kommt aber nur in Betracht, wenn der Bereicherungsschuldner deshalb freiwerdende Mit- tel ersatzlos verbraucht; unter diesen Umständen fehlt es an der Ursäch- lichkeit der rechtsgrundlosen Zahlung für den (zunächst) durch Tilgung der Verbindlichkeiten entstehenden Vermögensvorteil (vgl. BGH, Urteil vom 27. Oktober 2016 - IX ZR 160/14, WM 2016, 2319 Rn. 15 m.w.N.). Das 12 13 - 7 - behauptet die Beklagte jedoch nicht. Zudem stehen auch Billigkeitserwä- gungen der Pflicht zur Rückzahlung rechtsgrundlos empfangener Erhö- hungsbeträge, auch soweit sie betragsmäßig der kalkulierten Risikoprä- mie entsprechen, nicht entgegen, wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 21. September 2022 (IV ZR 2/21, VersR 2022, 1414 Rn. 23) entschie- den und im Einzelnen begründet hat. b) Die Beklagte kann sich auch nicht auf einen Wegfall der Berei- cherung berufen, soweit die gezahlten Erhöhungsbeträge der Höhe nach den kalkulierten Beträgen für die Bildung der tariflichen Alterungsrückstel- lung, für den Beitragszuschlag nach § 149 Abs. 1 VAG und den Zuschlä- gen nach §§ 7, 8 Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV) ent- sprechen. Entreicherung liegt vor, wenn der erlangte Vorteil nicht mehr im Ver- mögen des Empfängers enthalten ist und auch sonst kein auf die Zuwen- dung zurückzuführender Vermögensvorteil mehr vorhanden ist (BGH, Ur- teil vom 27. Oktober 2016 - IX ZR 160/14, WM 2016, 2319 Rn. 13). Ver- mögensnachteile des Bereicherungsschuldners sind dabei nur berücksich- tigungsfähig, wenn sie bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise adäquat - kausal auf der Bereicherung beruhen (vgl. Senatsurteil vom 11. November 2015 - IV ZR 513/14, VersR 2016, 33 Rn. 36). Die Berechnung der Alte- rungsrückstellung aufgrund gesetzlicher Vorgaben unabhängig von der Wirksamkeit der Prämienanpassungen nach geänderten Rechnungs- grundlagen kann aber kein Vermögensnachteil sein, der auf der Prämien- anpassung und der rückabzuwickelnden Prämienzahlung der Klägerin be- ruht (vgl. Senatsurteil vom 17. November 2021 - IV ZR 109/20, juris Rn. 27). 14 15 - 8 - Daran hält der Senat auch unter Berücksichtigung des Revisions- vorbringens fest. Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 21. Septem- ber 2022 (IV ZR 2/21, VersR 2022, 1414 Rn. 26 f.) entschieden und im Einzelnen begründet hat, wird der Versicherer im Verhältnis zum Versi- cherungsnehmer durch die Vorschriften zur Berechnung der Alterungs- rückstellung und weiterer Zuschläge und ihre Einstellung in die Bilanz nicht berechtigt, ohne Rechtsgrundlage erlangte Beträge, die nicht der Prämienschuld entsprechen, zu vereinnahmen und der Alterungs rückstel- lung - oder auch den Zuschlägen nach §§ 7, 8 KVAV - zuzuordnen. Auch mit Billigkeitserwägungen kann ein Bereicherungsanspruch des Klägers nicht eingeschränkt werden (vgl. Senatsurteil vom 21. September 2022 aaO Rn. 28). c) Falls die Beklagte aus den Zahlungen des Klägers ohne gesetzli- che Grundlage Beträge der Alterungsrückstellung zugeführt haben sollte, kommt es für die Entreicherung auf die Möglichkeiten einer Rückbuchung oder späteren Verrechnung gegenüber des Klägers an. Eine Bereicherung ist nicht weggefallen, soweit der Bereicherte seine eigene Verfügung über den empfangenen Vermögensvorteil wieder rückgängig machen kann (Se- natsurteil vom 16. Dezember 2020 - IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 52). Dass dies nicht möglich wäre, hat die für den Wegfall der Bereicherung darlegungs- und beweisbelastete Beklagte in den Vorinstanzen nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht geltend gemacht. Aber auch das Revisionsvorbringen führt zu keiner anderen Bewertung. Entgegen der Ansicht der Revision ist die Rückzahlung von Leistungen des Versi- cherungsnehmers, die der Versicherer ohne Rechtsgrund empfangen, aber nach seiner Behauptung wie eine geschuldete Prämienzahlung zum Teil der Alterungsrückstellung zugeführt haben will, keine Auflösung ei ner Rückstellung im Sinne von § 249 Abs. 2 Satz 2 HGB und daher nicht von deren Voraussetzungen abhängig. Die Auflösung einer Rückstellung in 16 17 - 9 - diesem Sinne bedeutet vielmehr die Entfernung der ungewissen Verbind- lichkeiten als Passiva aus der Bilanz und damit einen wirtschaftlichen Vor- teil für das Unternehmen oder die Ausweisung als Verbindlichkeit, wenn die Ungewissheit über das Bestehen der Verpflichtung entfällt (vgl. Se- natsurteil vom 21. September 2022 - IV ZR 2/21, VersR 2022, 1414 Rn. 29 Beck Bilanz-Komm./Schubert, 13. Aufl. HGB § 249 Rn. 390). Ein solcher Fall liegt hier nicht vor. d) Rechtsfehlerfrei hat das Berufungsgericht die in der Klageerwi- derung hilfsweise erklärte Aufrechnung der Beklagten mit vom Kläger er- langten Vermögensvorteilen abgelehnt. Sind die Gegenforderungen schon nicht bestimmbar und damit nicht hinreichend individualisierbar, hat das die Unzulässigkeit der Hilfsaufrechnung zur Folge (vgl. BGH, Beschluss vom 13. September 2017 - VII ZR 36/17, BauR 2018, 145 Rn. 12). Das war hier der Fall, da die Beklagte keine Angaben zum Aufrechnungsbetrag oder dessen Zusammensetzung gemacht hat. Mit der erstmaligen Beziffe- rung der Aufrechnungsforderung in Gestalt der Beträge, die sie der Alte- rungsrückstellung zugeführt oder als Zuschläge nach §§ 7, 8 KVAV ver- bucht haben will, trägt die Beklagte mit der Revision neue Tatsachen vor, die gemäß § 559 Abs. 1 ZPO in dritter Instanz ausgeschlossen sind (vgl. auch Senatsurteil vom 21. September 2022 - IV ZR 2/21, VersR 2022, 1414 Rn. 30). 4. Bezüglich der Pflicht der Beklagten, den Kläger von den vorge- richtlichen Rechtsanwaltskosten freizustellen, hat die Revision insoweit Erfolg, als der Kläger lediglich die Freistellung von Kosten in Höhe von 147,56 € verlangen kann. 18 19 - 10 - a) Im Ergebnis zu Recht hat das Berufungsgericht allerdings einen Schadensersatzanspruch wegen vertraglicher Pflichtverletzung aus §§ 280, 257 BGB angenommen. Das Berufungsgericht hat die nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Begründung der Prämienanpassungen als Vert ragsverlet- zung der Beklagten angesehen. Ungeachtet dessen, ob dies bereits eine zum Schadensersatz verpflichtende Pflichtverletzung darstellt, liegt eine solche jedenfalls in der unberechtigten Geltendmachung der nicht ge- schuldeten Erhöhungsbeträge aus den unwirksamen Prämienanpassun- gen bei der Beitragsabrechnung der Beklagten (vgl. Senatsurteil vom 9. Februar 2022 - IV ZR 291/20, VersR 2022, 503 Rn. 26). Entgegen der Ansicht der Revision kann diesem Anspruch nicht entgegengehalten wer- den, dass der Gesetzgeber als Folge einer unzureichenden Begründung in § 203 Abs. 5 VVG allein das Nichtwirksamwerden der Prämienanpas- sung vorgesehen habe. Eine Vertragspartei, die von der anderen Vertrags- partei etwas verlangt, das ihr nach dem Vertrag nicht geschuldet ist, ver- letzt ihre Pflicht zur Rücksichtnahme nach § 241 Abs. 2 BGB (Senatsurteil vom 9. Februar 2022 aaO m.w.N.). Wenn ein Partner eines gegenseitigen Vertrags aus diesem Vertrag Ansprüche gegen den anderen Partner ab- leitet, die ihm nicht zustehen, kommt daher ein Anspruch aus der Verlet- zung vertraglicher Pflichten aus § 280 Abs. 1 BGB in Betracht (vgl. Se- natsurteil vom 9. Februar 2022 aaO m.w.N.). b) Von dem Vorwurf des nach § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB vermuteten Verschuldens hat sich die Beklagte nicht entlastet. Soweit sich die Revi- sion darauf beruft, die Beklagte habe ihren Rechtsstandpunkt bis zu einer höchstrichterlichen Klärung der Begründungsanforderungen aus § 203 Abs. 5 VVG für plausibel halten dürfen, beruft sie sich auf einen Rechtsirr- 20 21 22 - 11 - tum, der im Allgemeinen nicht entschuldigt (vgl. Senatsurteil vom 9. Feb- ruar 2022 aaO Rn. 27 m.w.N.). Insoweit werden an die Sorgfaltspflicht strenge Anforderungen gestellt; es reicht nicht aus, dass sie sich ihre Mei- nung nach sorgfältiger Prüfung und sachgemäßer Beratung gebildet hat; entschuldigt wäre sie erst, wenn mit der Möglichkeit des Unterliegens im Rechtsstreit nicht zu rechnen war (vgl. Senatsurteil vom 9. Februar 2022 aaO). Davon ist hier nicht auszugehen. Der Versicherer hat die Gestaltung seiner Mitteilungen zu Prämienanpassungen selbst in der Hand und kann auch angesichts der Auslegungsbedürftigkeit einer Vorschrift, zu der noch keine höchstrichterliche Entscheidung ergangen ist, im Zweifel eine rechtssichere Formulierung wählen (Senatsurteil vom 16. Dezember 2020 - IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 37). c) Entgegen der Ansicht der Revision ist der Anspruch nicht wegen eines Mitverschuldens des Klägers nach § 254 Abs. 1 BGB ausgeschlos- sen. Vorinstanzlich sind keine Tatsachen festgestellt oder behauptet wor- den, aus denen zu schließen wäre, dass die außergerichtliche Geltendma- chung der Ansprüche vor Klageerhebung aus der ex-ante-Sicht des Klä- gers aussichtslos gewesen wäre. Ob der Kläger aufgrund einer Kenntnis seiner Rechtsanwälte aus vergleichbaren Mandaten bereits Anfang Mai 2019 wusste oder hätte wissen müssen, dass auch in seinem Fall eine Zahlungsaufforderung an die Beklagte erfolglos bliebe, ergibt sich auch aus dem Revisionsvortrag nicht und wäre im Übrigen als neue Tatsache gemäß § 559 Abs. 1 ZPO in dritter Instanz ausgeschlossen. d) Der Anspruch ist aber nur in Höhe von 147,56 € begründet. Der zugrunde zu legende Gegenstandswert entspricht dem begründeten Rü ck- forderungsanspruch von 919,48 €. Bei Ansatz einer 1,3 Geschäftsgebühr errechnet sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz in der bis zum 23 24 - 12 - 31. Dezember 2020 geltenden Fassung ein Betrag von 147,56 € (80 € Ge- bühr x 1,3 + 20 € Pauschale + 23,56 € Umsatzsteuer). III. Die Abänderung der Streitwertfestsetzung für das erstinstanzli- che Verfahren beruht auf § 63 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 GKG und berücksichtigt die für die Wertberechnung maßgeblichen instanzeinleitenden Anträge, § 40 GKG. Prof. Dr. Karczewski Harsdorf-Gebhardt Dr. Brockmöller Dr. Bußmann Dr. Bommel Vorinstanzen: LG Köln, Entscheidung vom 11.12.2019 - 23 O 179/19 - OLG Köln, Entscheidung vom 17.11.2020 - 9 U 35/20 - 25