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Urteil

A 2 K 5515/16

Verwaltungsgericht Sigmaringen, Entscheidung vom

Verwaltungsgerichtsbarkeit
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Entscheidungsgründe
Tenor Die Beklagte wird verpflichtet, den Klägern die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. Der Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2016 wird aufgehoben, soweit er dem entgegensteht. Die Beklagte trägt die Kosten des gerichtskostenfreien Verfahrens. Tatbestand 1 Die Kläger begehren die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. 2 Nach den klägerischen Angaben wurde der Kläger zu 1 am X.X.1988 in I., Syrien, und die Klägerin zu 2, seine Ehefrau, am XX.X.1989 in A., Syrien, geboren. Sie sind syrische Staatsangehörige arabischer Volkszugehörigkeit und sunnitischer Religionszugehörigkeit. Ihre Töchter, die Klägerinnen zu 3 und 4, wurden am X.X.2014 in I. und am XX.X.2016 in F. geboren. 3 Die Kläger gaben bei ihrer Erstanhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt), Außenstelle Meßstetten, am 4.8.2016 an, sie hätten Syrien Ende Juni 2015 verlassen und seien über die Türkei am 23.11.2015 nach Griechenland eingereist, von wo sie über Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich am 25.12.2015 nach Deutschland gekommen seien. Nach den Ausländerakten des Landratsamts Bodenseekreis erfolgte die Erstmeldung als Asylsuchende in Lebach am 31.12.2015 und die Stellung der später beschränkten Asylanträge am 4.8.2016 in Karlsruhe. 4 Bei seiner Anhörung am 4.10.2016 durch das Bundesamt in Meßstetten gab der Kläger zu 1 an, er habe Syrien Anfang Juni 2015 verlassen und sei am 26.12.2016 nach Deutschland eingereist. Wegen der Verhältnisse in Syrien habe er nicht studieren können. Von 2007 bis 2009 habe er bei der syrischen Armee seinen Wehrdienst als Panzerfahrer abgeleistet. Danach habe er als LKW-Fahrer gearbeitet, wobei der LKW seinem Vater gehört habe und sie Gemüse und Obst transportiert hätten. Diese Arbeit habe er 2011 verloren, weil die Kriegshandlungen immer schlimmer geworden seien. I. sei immer wieder von Regierungstruppen bombardiert worden. Er habe dann zeitweise in der Türkei gearbeitet, um den Lebensunterhalt für die Familie und das Geld für die Flucht zu verdienen. Nachdem er erfahren habe, dass eine Scud-Rakete der Regierung das Haus der Familie getroffen und zerstört habe, habe er Frau und Kind in die Türkei nachgeholt. Weil es dort für die Familie keine Perspektive gegeben habe, seien sie nach 5 Monaten Richtung Deutschland ausgereist. In Syrien drohe ihm bei Rückkehr die Inhaftierung. Sein kleiner Bruder sei bereits seit 2 Jahren inhaftiert, die Familie habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Er selbst sei schon mehrfach einberufen worden. Man habe ihn hierfür sogar in der Türkei kontaktiert, aber er habe sich bisher immer geweigert zur Armee der Regierung zu gehen. Er sei nicht für die Armee oder Polizei tätig gewesen und habe sich nicht politisch betätigt. In Deutschland wohnten bereits seine Brüder A., I. und A.. 5 Die Klägerin zu 2 gab bei der Anhörung an, sie habe bis zur Ausreise aus Syrien Anfang Juni 2015 in I. gewohnt. Sie sei nie für die Polizei oder Armee tätig gewesen und habe sich nie politisch betätigt. Ihr Vater sei Polizist gewesen, habe sich dem Polizeidienst 2011 entzogen und sei mit der Mutter der Klägerin zu 2 und deren kleineren Kindern in die Türkei geflohen. Die Klägerin zu 2 habe Abitur gemacht und danach bis zum 4. Semester Wirtschaft studiert, ohne Abschluss. Sie habe ihr Studium an der Universität H. aufgegeben, weil sie mit anderen an Checkpoints wiederholt erniedrigend behandelt worden sei. Es seien dabei viele Leute, Männer und Frauen, festgenommen worden. Aus Angst habe sie das Studium abgebrochen und danach in I. zwischen 2011 und 2012 zusammen mit einer Cousine an einer Mittelschule ehrenamtlich als Lehrerin gearbeitet. Die Cousine sei entführt und von der Regierung 2 Jahre gefangen gehalten worden. Eine andere Cousine sei ebenfalls entführt worden. Die Familie nehme an, dass sie sich auch in der Hand der Regierung befinde. Wegen des Vaters der Klägerin zu 2 habe die Regierung auch einen ihrer Onkel festgenommen. Die Klägerin zu 2 haben dann geheiratet, weil sie einen Mann zur Unterstützung gebraucht habe. Sie sei 5 Monate in I. gewesen. Während dieser Zeit habe sich der Kläger zu 1 in der Türkei aufgehalten und dort gearbeitet. Dann habe eine Scud-Rakete die Stadt getroffen und das Haus der Familie zerstört. Ihre ältere Tochter sei von den erlebten Bombardierungen traumatisiert. Sie hätten Syrien daraufhin verlassen und sich 6 Monate in der Türkei aufgehalten. Die Situation sei dort bezüglich der Sicherheit, der Arbeit und des Studiums schlecht gewesen. Ihre Eltern und ihr Schwiegervater hätten dann finanziell bei der Ausreise geholfen. Für den Fall einer Rückkehr nach Syrien befürchte die Klägerin zu 2 eine Entführung und Inhaftierung wie bei ihren Cousinen. Die Klägerin zu 2 habe in Deutschland 3 Brüder und vier Onkel. 6 Mit Bescheid vom 28.10.2016, zugestellt am 4.11.2016, erkannte das Bundesamt den Klägern den subsidiären Schutzstatus zu und lehnte ihre Anträge im Übrigen ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Voraussetzungen für die Zuerkennung von Flüchtlingsschutz lägen nicht vor. Die Kläger seien nicht verfolgt ausgereist. Ihnen drohe bei Rückkehr keine Verfolgung wegen Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Sie würden vom syrischen Regime auch nicht als oppositionell angesehen. Sie gehörten weder einer besonders vulnerablen Gruppe an noch seien sie in besonderer Weise exponiert. Der Kläger zu 1 habe die drohende Einziehung zum Wehrdienst auch auf Nachfrage weder konkret noch substantiiert darlegen können. Geeignete Beweismittel seien nicht vorgelegt worden. 7 Die Kläger haben am 16.11.2016 die vorliegende Klage erhoben. Zur Begründung wird ausgeführt, die Kläger seien bei ihrer Anhörung durch das Bundesamt dazu angehalten worden, nicht ihre ganze Geschichte zu erzählen. Die hauptsächlichen Probleme der Kläger rührten daher, dass der Vater der Klägerin zu 2 von seinem Polizeidienst geflohen sei. Er sei deswegen in Syrien weiterhin zur Fahndung ausgeschrieben und lebe an der Grenze zur Türkei, wo er sich versteckt halte. Er sei Geheimnisträger gewesen und daher für die syrische Regierung relevant. Seine Probleme hätten dazu geführt, dass andere Mitglieder der Familie festgenommen wurden und zum Teil jetzt noch inhaftiert seien. Die Klägerin zu 2 habe Probleme bekommen, als die Studenten der Universität H. angewiesen worden seien, für Assad zu demonstrieren und sie sich geweigert habe. Diese Probleme hätten zum Abbruch des Studiums geführt. Die nichtstaatliche Schule in I., in der die Klägerin zu 2 danach unterrichtet habe, und die Häuser der Lehrer seien mehrfach bombardiert worden. Leute von der Al-Nusra-Front in I. hätten den Kläger zu 1 zwingen wollen, für sie zu kämpfen, was er aber verweigert habe. Er habe deswegen Probleme mit dieser Gruppierung gehabt. Als das Haus der Familie dann von einer Scud-Rakete getroffen worden sei, seien sie aus Syrien geflohen. Der Bundesamtsbescheid sei bezüglich der Versagung der Flüchtlingseigenschaft falsch. Zum einen bestehe eine asylrelevante Gefährdung bei Wiedereinreise nach Auslandsaufenthalt und Asylantragstellung. Zum anderen gehörten die Kläger den vom UNHCR definierten Risikogruppen an. 8 Die Kläger beantragen, 9 die Beklagte zu verpflichten, den Klägern die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 28. Oktober 2016 aufzuheben, soweit er dem entgegensteht. 10 Die Beklagte beantragt (schriftlich), 11 die Klagen abzuweisen. 12 Zur Begründung wird auf die Ausführungen im Bescheid verwiesen. 13 Den Klägern wurde mit Beschluss vom 17.2.2017 Prozesskostenhilfe bewilligt und ihr Bevollmächtigter beigeordnet. Sie wurden in der mündlichen Verhandlung mit der Hilfe eines Dolmetschers für die arabische Sprache angehört. Bezüglich ihrer Angaben wird auf den Inhalt der Anlage zur Sitzungsniederschrift verwiesen. 14 Dem Gericht liegen ein Ausdruck aus der elektronisch geführten Bundesamtsakte und die beigezogenen Ausländerakten des Landratsamts Bodenseekreis vor. Bezüglich weiterer Einzelheiten wird auf den Inhalt dieser Unterlagen verwiesen. Entscheidungsgründe 15 Das Gericht kann entscheiden, obwohl die Beklagte zur mündlichen Verhandlung nicht erschienen ist, nachdem in der ordnungsgemäßen Ladung darauf hingewiesen wurde, dass bei ihrem Ausbleiben auch ohne sie verhandelt und entschieden werden kann (§ 102 Abs. 2 VwGO). 16 Die zulässigen Klagen sind begründet. Den Klägern droht bei Wiedereinreise nach Syrien zum jetzigen Zeitpunkt politische Verfolgung. Sie sind wegen ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland und der Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicht syrischer Dienste verdächtig und müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Befragung bis zur völligen Abschöpfung unter Anwendung schwerer Folter rechnen. Die Kläger haben daher einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Der streitgegenständliche Bundesamtsbescheid vom 4.11.2016 ist rechtswidrig und aufzuheben, soweit er dem entgegensteht (vgl. § 113 Abs. 1 und 5 VwGO). 17 Die Rechtsgrundlage findet sich in den §§ 3 bis 3e AsylG. 18 Danach ist die Flüchtlingseigenschaft einem Ausländer zuzuerkennen, der Flüchtling ist (§ 3 Abs. 1 AsylG, § 60 Abs. 1 AufenthG), sofern er nicht die Voraussetzungen des § 60 Abs. 8 Satz 1 AufenthG erfüllt (§ 3 Abs. 4 AsylG). Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) - Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) - ist der Ausländer gemäß § 3 Abs. 1 AsylG, wenn er sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe außerhalb des Landes (Herkunftsland) befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will oder in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in das er nicht zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will. Dabei sind die in § 3 Abs. 2 und 3 AsylG aufgeführten Ausschlussgründe zu beachten. 19 Als Verfolgungshandlung gelten nach § 3a Abs. 1 AsylG Handlungen, die aufgrund ihrer Art oder Wiederholung so gravierend sind, dass sie eine schwerwiegende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte darstellen, insbesondere der Rechte, von denen nach Art. 15 Abs. 2 der Konvention vom 04. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685, 953) - EMRK - keine Abweichung zulässig ist (Nr. 1), oder in einer Kumulierung unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich einer Verletzung der Menschenrechte, bestehen, die so gravierend ist, dass eine Person davon in ähnlicher wie der in Nummer 1 beschriebenen Weise betroffen ist (Nr. 2). 20 Zwischen den in § 3 Abs. 1 i.V.m. § 3b AsylG genannten Verfolgungsgründen und den Verfolgungshandlungen oder dem Fehlen von Schutz vor solchen Handlungen muss eine Verknüpfung bestehen (§ 3a Abs. 3 AsylG). Die Verfolgung kann vom Staat sowie den weiteren in § 3c AsylG im Einzelnen aufgezählten Akteuren ausgehen. Nach § 3e Abs. 1 AsylG wird dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt, wenn er in einem Teil seines Herkunftslandes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3d AsylG hat und sicher und legal in diesen Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt. 21 Die Furcht vor Verfolgung ist begründet, wenn dem Ausländer die vorgenannten Gefahren aufgrund der in seinem Herkunftsland gegebenen Umstände in Anbetracht seiner individuellen Lage tatsächlich, d.h. mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris). Dieser aus dem Tatbestandsmerkmal „... aus der begründeten Furcht vor Verfolgung ...“ des Art. 2 lit. d) der Richtlinie 2011/95/EU vom 13.12.2011 - QRL - abzuleitende Maßstab orientiert sich an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), der bei der Prüfung des Art. 3 EMRK auf die tatsächliche Gefahr abstellt („real risk“); dieser Maßstab ist kein anderer als der der beachtlichen Wahrscheinlichkeit (vgl. BVerwG, Urteil vom 20.02.2013 - 10 C 23.12 -, NVwZ 2013, 936). Er setzt voraus, dass bei einer zusammenfassenden Würdigung des gesamten zur Prüfung gestellten und relevanten Lebenssachverhalts die für eine Verfolgung sprechenden Umstände ein größeres Gewicht besitzen und deshalb gegenüber den dagegen sprechenden Tatsachen überwiegen. Dabei ist eine qualifizierende bzw. bewertende Betrachtungsweise im Sinne einer Gewichtung und Abwägung aller festgestellten Umstände und ihrer Bedeutung anzulegen. Entscheidend ist, ob aus der Sicht eines vernünftig denkenden und nicht übertrieben furchtsamen Menschen gerade in der Lage des konkreten Asylsuchenden nach Abwägung aller bekannten Umstände eine Rückkehr in den Heimatstaat als unzumutbar einzuschätzen ist. 22 Nach Art. 4 Abs. 4 QRL ist die Tatsache, dass ein Antragsteller bereits verfolgt wurde oder einen sonstigen ernsthaften Schaden erlitten hat bzw. von solcher Verfolgung oder einem solchen Schaden unmittelbar bedroht war, in diesem Zusammenhang ein ernsthafter Hinweis darauf, dass die Furcht des Antragstellers vor Verfolgung begründet ist bzw. dass er tatsächlich Gefahr läuft, ernsthaften Schaden zu erleiden, es sei denn, stichhaltige Gründe sprechen dagegen, dass der Antragsteller erneut von solcher Verfolgung oder einem solchen Schaden bedroht wird. Diese Regelung ist bei der gebotenen richtlinienkonformen Auslegung des Merkmals „begründete Furcht“ weiterhin zu beachten, auch wenn auf sie - anders als nach § 60 Abs. 1 Satz 5 AufenthG in der bis zum 30.11.2013 gültigen Fassung - in §§ 3 ff. AsylG oder § 60 AufenthG nicht ausdrücklich Bezug genommen wird. 23 Dabei kann eine Bedrohung i.S.d. § 3 AsylG nach § 28 Abs. 1a AsylG gleichermaßen auch auf Ereignissen beruhen, die eingetreten sind, nachdem der Ausländer das Herkunftsland verlassen hat, insbesondere auch auf einem Verhalten des Ausländers, das Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsland bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung ist. Art. 5 Abs. 2 der RL 2004/83/EG bzw. RL 2011/95/EU, der mit § 28 Abs. 1a AsylG in deutsches Recht umgesetzt wird, besagt, dass die begründete Furcht vor Verfolgung oder die tatsächliche Gefahr, einen ernsthaften Schaden zu erleiden, auf Aktivitäten des Antragstellers seit Verlassen des Herkunftslandes beruhen kann, insbesondere wenn die Aktivitäten, auf die er sich stützt, nachweislich Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsland bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind. Für subjektive Nachfluchttatbestände, die bereits während des Erstverfahrens verwirklicht worden sind, greift damit kein Filter. Für die Flüchtlingsanerkennung müssen diese - anders als bei der Asylanerkennung gemäß § 28 Abs. 1 AsylG - nicht einmal auf einer festen, bereits im Herkunftsland erkennbar betätigten Überzeugung beruhen. Erst in dem (erfolglosen) Abschluss des Erstverfahrens liegt eine entscheidende zeitliche Zäsur; für nach diesem Zeitpunkt selbst geschaffene Nachfluchtgründe wird ein Missbrauch der Inanspruchnahme des Flüchtlingsschutzes in der Regel vermutet (BVerwG, Urteil vom 18.12.2008 - 10 C 27.07 -, BVerwGE 133, 31). Im flüchtlingsrechtlichen Erstverfahren - wie hier - ist die Anerkennung subjektiver Nachfluchtgründe dagegen nicht begrenzt (BVerwG, Urteil vom 05.03.2009 - 10 C 51.07 -, BVerwGE 133, 221; Urteil vom 24.09.2009 - 10 C 25.08 -, BVerwGE 135, 49; vgl. zu alledem nur VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 03.11.2011 - A 8 S 1116/11 -, EzAR-NF 62, Nr. 26) 24 Wegen des sachtypischen Beweisnotstandes, in dem sich der Asylbewerber vielfach befindet, genügt es bei alledem, dass er die Gefahr politischer Verfolgung glaubhaft macht (BVerwG, Urteil vom 16.04.1985 - 9 C 109.84 -, NVwZ 1985, 658, 660). Dem Asylbewerber obliegt es dabei, unter Angaben genauer Einzelheiten einen in sich stimmigen Sachverhalt zu schildern (BVerwG, Urteil vom 24.03.1987 - 9 C 321.85 -, NVwZ 1987, 701 und Beschluss vom 26.10.1989 - 9 B 405.89 -, InfAuslR 1990, 38, 39). Das Gericht muss auch in Asylstreitigkeiten die volle Überzeugung von der Wahrheit des von einem Kläger behaupteten individuellen Schicksals erlangen, aus der er seine Furcht vor politischer Verfolgung herleitet (BVerwG, Beschluss vom 21.07.1989 - 9 B 239.89 -, juris). Solange ein politischer Charakter der Verfolgungsmaßnahmen nicht von vornherein auszuschließen ist, muss die fachgerichtliche Verneinung einer Bedrohung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG auf einer hinreichenden Grundlage beruhen (vgl. BVerfG, Beschluss vom 4.12.2012 - 2 BvR 2954/09 -, juris). 25 Maßgeblich für die Beurteilung ist die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung, also am 7.3.2017 (vgl. § 77 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 AsylG). 26 Nach diesen Grundsätzen und Maßstäben haben die Kläger einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Ihnen droht nach der bestandskräftigen Zuerkennung des subsidiären Schutzes auch nach Ansicht der Beklagten bei Wiedereinreise nach Syrien ein ernsthafter Schaden in Gestalt einer erniedrigenden Behandlung. Nach den Feststellungen des Gerichts würde ihnen im (hypothetischen) Fall der Rückkehr nach Syrien zum jetzigen Zeitpunkt mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit auch eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohen, die ihre diesbezügliche Verfolgungsfurcht begründet erscheinen lässt. 27 Das Gericht geht, mangels alternativer Möglichkeiten, für die (hypothetische) Rückkehr der Kläger nach Syrien von einer Wiedereinreise über den Flughafen Damaskus zum Entscheidungszeitpunkt aus. Eine solche Wiedereinreise nach Syrien hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Befragung durch syrische Sicherheitsdienste zur Folge. Diese würde mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Anwendung schwerer Folter erfolgen. Die Kläger würden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Angaben zum Asylantrag einräumen. Dies würde eine anschließende Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen nach sich ziehen. Wegen dieser Bedrohung wäre aus Sicht eines vernünftig denkenden und nicht übertrieben furchtsamen Menschen in der Situation der Kläger und nach Abwägung aller bekannten Umstände einer Rückkehr in den Heimatstaat eine solche Wiedereinreise als unzumutbar einzuschätzen. 28 Für die Beurteilung der bei Wiedereinreise konkret zu erwartenden staatlichen Übergriffe und deren Asylrelevanz kann nicht isoliert auf die zu erwartende Maßnahme abgestellt werden, sondern sind, gerade auch in Bezug auf die Zielrichtung der zu erwartenden Übergriffe, die Strukturen und die Politiken des Herkunftsstaates und seiner Einrichtungen in den Blick zu nehmen: 29 Vor dem Bürgerkrieg wurde die Arabische Republik Syrien etwa 4 Jahrzehnte von einem totalitären Regime beherrscht, das eine unbeschränkte Macht über seine Bürger ausübte und dabei keinerlei rechtsstaatliche, religiöse oder moralische definierte Grenzen akzeptierte (vgl. u.a. Lagebericht des Auswärtigen Amts vom 27.9.2010: Die Sicherheitsdienste des Landes sind weder parlamentarischen noch gerichtlichen Kontrollmechanismen unterworfen. Sie sind verantwortlich für willkürliche Verhaftungen, Folter und Isolationshaft. Es gibt weiterhin Berichte von Folter, insbesondere in den Verhörzentralen der Sicherheitsdienste. Möglichkeiten einer effektiven strafrechtlichen Verfolgung krimineller Handlungen von Sicherheitskräften existieren nicht. Es gibt plausible Hinweise dafür, dass Personen, die sich über die Behandlung durch Sicherheitskräfte beschweren, Gefahr laufen, dafür strafrechtlich verfolgt zu werden.) Faktisch handelte es sich um eine Diktatur ohne Bindung an Gesetz und Recht (vgl. Länderinformationsblatt BFA, 3.3.2014, Stand 7.4.2014, Seite 10). Einen effektiven Schutz des Einzelnen vor willkürlichen Übergriffen des despotischen Regimes mit schwersten Schädigungen und dem Verlust von Leben oder Freiheit gab es in Syrien nicht. Innenpolitisch beruhte die staatliche Macht des syrischen Regimes mangels realer demokratischer oder religiöser Legitimation auf der Androhung und maßlosen Anwendung von Gewalt und damit ausgelöster Einschüchterung und Abschreckung (vgl. Süddeutsche Zeitung, „Assad-Regime ließ im Schlachthaus tausende Häftlinge hinrichten“, Artikel vom 7.2.2017 über Massenexekutionen im Umfang von bis zu 13.000 Gefangenen allein im Militärgefängnis Saydnaya; Deutschlandfunk, „Die Toten von Hama, Syrien und das System Assad“ Artikel vom 2.2.2012 über das Massaker vom Februar 1982 mit 20.000 Toten). Tatsächliche und vermeintliche Regimegegner wurden physisch vernichtet oder durch Folter und jahrelange Inhaftierung psychisch geschädigt und dadurch unschädlich gemacht. Um aus der Sicht der unkontrolliert agierenden syrischen Geheimdienste in den Verdacht einer regimefeindlichen Haltung zu geraten, waren keine Nachweise oder hinreichende Anhaltspunkte erforderlich. Teilweise genügten im privaten Raum geäußerte abfällige Bemerkungen oder harmlose Witze über das Regime oder den Machthaber, um als Regimefeind mit drakonischen Maßnahmen überzogen zu werden (vgl. Zeit Online, Pappe al-Assad, Artikel vom 26.11.2013; Süddeutsche Zeitung, Humor unter Assad: "Kommt ein Tourist nach Syrien ...", Artikel vom 27.5.2016; Gerhard Schweizer, Syrien verstehen, Geschichte, Gesellschaft und Religion, Seite 368 ff.). Die Politik der harten Hand unterdrückte jeden echten oder vermeintlichen Widerstand im Keim. Der Einsatz von Gewalt bei der Bekämpfung tatsächlicher oder vermeintlicher Regimegegner kannte in dem mit einem Netzwerk aus Spitzeln überzogenen Land keine Grenzen und wandte sich gleichermaßen gegen Männer, Frauen und Kinder (Deutschlandfunk, Atemlose Bestandsaufnahme der Gewalt in Syrien, Artikel vom 19.6.2012 zur Anwendung von Sippenhaft). Das syrische Regime war in den Jahrzehnten vor dem Bürgerkrieg faktisch eine Diktatur, die keine freie Meinungsäußerung duldete und jegliche tatsächliche oder vermeintliche Opposition durch Gewalt im Keim erstickte. Die Despotie führte zur gewaltsamen Niederschlagung friedlicher Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011 und löste den bis heute andauernden Bürgerkrieg aus. Bereits in der Zeit vor dem Beginn des Bürgerkriegs war die Praxis der syrischen Dienste bekannt und belegt, Rückkehrer nach Syrien „bis zur völligen Abschöpfung“ einer Befragung zu unterziehen, die im Falle auftretender Zweifel bezüglich Identität oder regimetreuer Haltung in einem Haftzentrum unter Folter intensiviert wurde (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 5.2.1987 - A 12 S 1096/83 -, juris; Beschluss vom 8.4.1992 - A 16 S 1765/91 -, juris; Urteil vom 15.7.1993 - A 16 S 282/93 -, juris; Urteil vom 19.5.1998 - A 2 S 28/98 -, juris). Diese menschenrechtswidrige Praxis wurde vom syrischen Regime während des Bürgerkriegs auch fortgesetzt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19.6.2013 - A 11 S 927/13 -, juris). 30 Im Verlauf des Bürgerkriegs behielt das syrische Regime innenpolitisch seine Politik der harten Hand bei. Die menschenrechtliche Situation verschlimmerte sich dadurch dramatisch. Das syrische Regime und die anderen Bürgerkriegsparteien gingen von Anfang an mit äußerster Brutalität gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner und gegen die Zivilbevölkerung vor, so dass bereits in den ersten 5 Jahren circa 470.000 Tote und die Vertreibung von 45 Prozent der Bevölkerung zu beklagen waren (Zeit Online, Artikel vom 11.2.2016, „Doppelt so viele Tote wie bisher angenommen“; Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Sechs Jahre Krieg in Syrien: (K)eine Lösung mit den Vereinten Nationen?). Mit zunehmender Einflussnahme und Beteiligung des Auslands (u.a. Saudi Arabien, Iran, Russland, USA, Türkei, BRD) nahm der Zustrom von Waffen zu und beteiligten sich immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner an den Kämpfen in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, rückte in den Hintergrund. Das Geschehen wurde dominiert durch den Kampf unterschiedlicher Staaten, Ethnien und religiösen Gruppierungen um politische Macht und Einfluss. Die direkte Beteiligung der Bündnispartner Assads - des Irans mit seinen Söldnern und der libanesischen Hisbollah-Miliz und Russlands - sowie die Bildung eines internationalen Bündnisses unter Führung der Vereinigten Staaten gegen die sunnitische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) machte aus dem Konflikt innerhalb Syriens einen regionalen Stellvertreterkrieg zwischen dem schiitischen Iran auf der einen und dem sunnitischen Saudi-Arabien mit seinen Verbündeten Türkei und Katar auf der anderen Seite. Durch die Beteiligung der USA und Russlands entstand zudem ein überregionaler Konflikt zwischen den beiden Großmächten mit geostrategischen Implikationen, der durch die Luftangriffe der Türkei auf Kurden in Syrien 2015 und schließlich den Einmarsch türkischer Bodentruppen im August 2016 verschärft wurde. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligte sich ab 2015 an dem Konflikt (vgl. Bundeswehrjournal, Artikel vom 16.12.2015, „Bundeswehr unterstützt erstmals Luftangriffe gegen den IS“). Daneben findet u.a. in Deutschland die Personalgewinnung in der Gestalt der Rekrutierung islamistischer Kämpfer und Attentäter sowie die Planung und Finanzierung von Maßnahmen gegen das syrische Regime statt (vgl. Deutsche Presseagentur, Artikel vom 16.9.2016, „Terrorismus/Über 120 Verfahren mit Syrien-Bezug bei der Bundesanwaltschaft“). 31 Wegen der dargestellten Strukturen und Politiken des syrischen Regimes und der politischen Bezüge auch zur Bundesrepublik Deutschland ist das Gericht davon überzeugt, dass die Sicherheits- und Geheimdienste des sich in einem existentiellen Abwehrkampf befindlichen syrischen Regimes derzeit jeden Rückkehrer aus Deutschland bis zum Beweis des Gegenteils als potentiellen Regimegegner und Gefährder ansehen. Die Lebensumstände syrischer Flüchtlinge in Deutschland sind den syrischen Diensten ebenso bekannt wie die drohenden existentiellen Probleme im Fall einer Rückkehr nach Syrien. Den Diensten ist bewusst, dass derzeit kein vernünftiger Flüchtling eine Wiedereinreise nach Syrien riskieren würde. Jeder zum jetzigen Zeitpunkt Wiedereinreisende ist bereits deswegen suspekt. Für die Annahme, dass es sich um einen potentiellen Regimegegner handelt, genügt es aus der Sicht syrischer Dienste, dass der zurückkehrende Flüchtling illegal aus Syrien ausgereist ist, dass er sich längere Zeit in Deutschland aufgehalten hat, dass er ohne einen plausiblen Grund in das bürgerkriegsgeschüttelte, ruinierte Land zurückkehrt und dass keine gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, was der Flüchtling in Europa konkret gemacht hat. 32 Die gegenteilige Annahme, nach der syrische Sicherheits- und Geheimdienste zum jetzigen Zeitpunkt zurückkehrende Flüchtlinge als harmlose Bürgerkriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge ansehen und als solche unbehelligt einreisen lassen, überzeugt das Gericht dagegen nicht. Die Einschätzung blendet die historischen Entwicklungen der letzten 40 Jahre, die Strukturen und Politiken des syrischen Regimes und die aktuelle Lage, in der dieses Regime mit allen Mitteln um seine Existenz ringt, völlig aus. Die Annahme, die Befragung unter Anwendung von Folter sei zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, es sei aber nicht zu klären, ob sie der politischen Unterdrückung oder lediglich der Identitätsklärung und Kriminalitätsbekämpfung diene, erscheint ebenfalls abwegig. Bei Berücksichtigung der Strukturen, Politiken und Einrichtungen des in seiner Existenz bedrohten totalitären syrischen Regimes und seiner seit Jahrzehnten angewandten menschenrechtswidrigen Praktiken stellen die bei Wiedereinreise im jetzigen Zeitpunkt zu erwartenden Befragungen mit schwerster Folter und anschließender Inhaftierung ohne Verfahren keine politisch neutralen polizeilichen Aufklärungsmaßnahmen dar. 33 Soweit in der obergerichtlichen Rechtsprechung vertreten wird, dass die syrischen Sicherheitskräfte bei zurückkehrenden erfolglosen Asylbewerbern selektiv vorgingen und erst zusätzliche signifikante gefahrerhöhende Merkmale oder Umstände die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer Verfolgung begründeten (so Bay. VGH, Urteil vom 12.12.2016 - 21 B 16.30338 -, juris), vermag die Kammer dem nicht zu folgen. Aus dem Umstand, dass in den – u. a. im Urteil des Bay. VGH a.a.O., Rn. 73 ff. dargestellten – dokumentierten Fällen von Inhaftierungen und Misshandlungen Abgeschobener über einen Auslandsaufenthalt und ggf. die Asylantragstellung im Ausland hinaus Besonderheiten vorlagen (Aufenthalte in Haftanstalten des Geheimdienstes vor Ausreise, Teilnahme an einer Kundgebung in Deutschland, herausgehobene Position in einer Nichtregierungsorganisation, Abschiebung wegen Straffälligkeit in Deutschland, ungeklärte Staatsangehörigkeit, exilpolitische Aktivitäten, Mitführen von Bargeld), lässt sich nicht ableiten, dass es derartiger Merkmale oder Besonderheiten bedürfte, um bei einer Wiedereinreise der Gefahr unter Folter durchgeführter Vernehmungen ausgesetzt zu sein. Dieser Schluss verbietet sich schon deshalb, weil nach den verfügbaren Erkenntnismitteln keine Informationen darüber vorliegen, was mit Abgeschobenen geschieht bzw. geschähe, bei denen derartige „Besonderheiten“ fehlen. Den aktuellsten Auskünften des Auswärtigen Amtes vom 07.11.2016 an das OVG Schleswig-Holstein und vom 02.01.2017 an das VG Düsseldorf ist zu entnehmen, es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass unverfolgt ausgereiste Rückkehrer allein aufgrund eines vorausgegangenen Auslandsaufenthaltes Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt seien. Anders könne es aussehen, wenn das Regime davon ausgehe, dass sich die betreffende Person oppositionell betätigt habe. Eine Aussagekraft oder gar ein Beweiswert in dem Sinne, dass das in diesen Berichten konstatierte Nichtvorliegen von Erkenntnissen für das Nichtvorliegen einer allgemeinen Rückkehrerverfolgung spräche, kommt diesen Auskünften nicht zu (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 24.01.2017 - A 4 K 5434/16 -, juris). Der Auskunft des Deutschen Orient-Instituts an den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg vom 22.02.2017 lässt sich entnehmen, es sei „schwierig“ bzw. „unmöglich“, bezüglich des Ausmaßes der Rückkehrerbefragungen in qualitativer oder quantitativer Hinsicht Aussagen zu treffen. Es lägen jedoch keine Berichte vor, die flächendeckende Befragungen explizit verneinten. Die Datenlage sei insoweit „nicht belastbar“. Schließlich folgt Derartiges auch nicht daraus, dass in den vom UNHCR definierten Risikogruppen (vgl. International Protection Considerations with Regard to People Fleeing the Syrian Arab Republic, Update IV, November 2015; abrufbar unter http://www.refworld.org/ pdfid/5641ef894.pdf) ehemalige Asylsuchende nicht genannt sind (vgl. dazu Bay. VGH a.a.O. Rn. 87). Denn dem Risikoprofil „Personen, die tatsächlich oder vermeintlich in Opposition zur Regierung stehen“ könnten Rückkehrer aus Sicht des syrischen Regimes durchaus zuzuordnen sein. Das OVG Nordrheinwestfalen (a.a.O. Rn. 83) weist im Übrigen zutreffend darauf hin, dass die Risikoprofile des UNHCR nach ihrem Zuschnitt „praktisch die gesamte Bevölkerung“ erfassen. Ihre Aussagekraft wird dadurch jedenfalls dahingehend relativiert, dass sie keine zwingenden Umkehrschlüsse zulassen. 34 Während nach dem Vorstehenden letztlich keine greifbaren Anhaltspunkte vorliegen, die (positiv) gegen eine - vom Vorliegen besonderer Merkmale oder Umstände unabhängige - Rückkehrerverfolgung sprechen, sind dem Erkenntnismaterial durchaus auch aktuell beachtliche Hinweise auf eine solche zu entnehmen. So wird im „Country Report on Human Rights Practices for 2015“ des U.S. State Departement auf Seite 34 f. (abrufbar unter http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/humanrightsreport) unter der Überschrift „Emigration and Repatriation“ ausgeführt, sowohl Personen, die in anderen Ländern erfolglos um Asyl nachgesucht hätten, als auch solche die früher Verbindungen zur Muslim-Brüderschaft unterhalten hätten, seien bei einer Wiedereinreise (Straf-)Verfolgung ausgesetzt gewesen („… faced prosecution“). Soweit es im Folgesatz heißt, das Gesetz stelle die (Straf-)Verfolgung aller Personen sicher, die im Ausland Asylanträge gestellt hätten, um der Strafverfolgung in Syrien zu entgehen, kann daraus - jedenfalls nicht zwingend - geschlossen werden, dass eine drohende Verfolgung allein hieran anknüpft (so aber Bay. VGH a.a.O.; OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 21.02.2017 - 14 A 2316/16.A -, juris). Das Immigration and Refugee Board of Canada führt in seinem Bericht vom 19.01.2016 (abrufbar unter http://www.refworld.org/docid/56d7fc034.html) unter „Treatment of Failed Refugee Claimants“ aus, nach der Auskunft eines emeritierten Professors für Anthropologie und Zwangsmigration der Universität Oxford müsse ein erfolgloser Asylbewerber damit rechnen, verhaftet zu werden. Es würde auch Folter angewandt, um zu ermitteln, weshalb der Betreffende Syrien verlassen habe. Eine als „Executive Director of the Syria Justice and Accountability Center“ bezeichnete andere Auskunftsperson bestätigt diese Einschätzung und ergänzt, eine solche Person würde als „anti-government or opposition“ behandelt. Eine dritte Auskunftsperson (Visiting Senior Research Fellow am Kings College London) weist darauf hin, dass es insoweit keinen Automatismus gebe. Während „traditionell denkende“ Offizielle des Regimes glaubten, dass alle Asylbewerber eine regimefeindliche Gesinnung hätten, gebe es andere, die sich darüber im Klaren seien, dass manche Menschen das Land aus „ökonomischen“ Gründen verlassen hätten. Nichts sei vorhersehbar. 35 Nach Auffassung der Kammer spricht schließlich auch der Umstand, dass insbesondere in den letzten drei Jahren ein Massenexodus aus Syrien stattgefunden hat und sich insgesamt nunmehr mindestens ein Fünftel der Gesamtbevölkerung auf der Flucht befindet, nicht dafür, dass die illegale Ausreise und Asylantragstellung aus Sicht des syrischen Regimes generell nicht mehr als Ausdruck einer oppositionellen Haltung gesehen würde (so aber OVG Nordrhein-Westfalen a.a.O., Rn. 60 ff.). Einschätzungen hinsichtlich der Motivlage und Gefahreneinschätzung syrischer Staatsbediensteter sind zunächst zwangsläufig spekulativ. Zwar mag es nahe liegen, dass auch dem syrischen Regime bewusst ist, dass es der Mehrheit der Geflüchteten primär darauf ankommt, den verheerenden Zuständen im Land entkommen. Die Annahme, dass im Hinblick auf diese Entwicklung bei einer Rückkehr erfolgloser Asylbewerber vernünftigerweise nicht mehr mit Befragung, ggf. Inhaftierung und Folter gerechnet werden müsste, widerspricht jedoch der Funktionsweise des syrischen Staatsapparates und seiner unabhängigen und unbeschränkt agierenden Dienste. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der weiteren extremen Eskalation des Konflikts in Syrien und dem damit einhergehenden „Freibrief“ zu einer skrupellosen Behandlung auch nur potentiell Verdächtiger (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 23.11.2016 - A 5 K 1372/16 -, juris). 36 Auf dieser Erkenntnisgrundlage spricht mehr für als gegen das Bestehen eines realen Risikos bzw. einer beachtlichen Wahrscheinlichkeit, als zurückkehrender Asylbewerber bei einer Wiedereinreise über den Flughafen Damaskus menschenrechtswidrigen Befragungen ausgesetzt zu sein. Es fehlt dabei auch nicht an der nach § 3a Abs. 3 AsylG erforderlichen Verknüpfung zwischen einer solchen Verfolgungshandlung mit Verfolgungsgründen nach § 3 Abs. 1 AsylG (so aber OVG Nordrhein-Westfalen a.a.O.; OVG Saarland, Urteil vom 02.02.2017 - 2 A 515/16 -, juris). 37 Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist eine Verfolgung dann eine politische, wenn sie dem Einzelnen in Anknüpfung an asylerhebliche Merkmale gezielt Rechtsverletzungen zufügt, die ihn ihrer Intensität nach aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen. Ob eine in dieser Weise spezifische Zielrichtung vorliegt, die Verfolgung mithin "wegen" eines Asylmerkmals erfolgt, ist anhand ihres inhaltlichen Charakters nach der erkennbaren Gerichtetheit der Maßnahme selbst zu beurteilen, nicht aber nach den subjektiven Gründen und Motiven, die den Verfolgenden dabei leiten. Auch unmenschliche Behandlung, insbesondere Folter, kann sich dann als asylrelevante Verfolgung darstellen, wenn sie wegen asylrelevanter Merkmale oder im Blick auf diese in verschärfter Form eingesetzt wird (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 08.06.2000 - 2 BvR 81/00 -, InfAuslR 2000, 457). Auch wenn der Verfolger lediglich den Verdacht der Trägerschaft eines asylerheblichen Merkmals hegt, dürfen die zur weiteren Aufklärung dieses Verdachts eingesetzten Mittel nicht als asylrechtlich unbeachtlich qualifiziert werden (BVerfG, Kammerbeschluss vom 28.01.1993 - 2 BvR 1803/92 -, InfAuslR 1993, 142). 38 Nach der oben dargestellten Prägung und dem Selbstverständnis des syrischen Regimes sowie der sämtliche Lebensbereiche umfassenden, autoritären Struktur und totalitären Ausrichtung des Staatsapparates ist davon auszugehen, dass das Regime jeden illegal Ausgereisten als potentiellen politischen Gegner ansieht („Polit-Malus“) und ihm dieses Merkmal gleichsam auf Verdacht zuschreibt (vgl. § 3b Abs. 2 AsylG). Die genannten Maßnahmen bei einer Wiedereinreise aus dem westlichen Ausland zurückkehrender Flüchtlinge werden zur Unterdrückung und Abschreckung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner angewandt und stellen in der Folge eine politische Verfolgung im Sinne des § 3 AsylG dar. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die zu erwartenden Maßnahmen die körperliche und seelische Vernichtung der betroffenen Heimkehrer zumindest in Kauf nehmen und die Flüchtlinge damit gezielt ausgrenzen (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 29.04.2009 - 2 BvR 78/08 -, juris). Würde das anders gesehen, wäre im vorliegenden Fall der politische Charakter der Verfolgungsmaßnahmen aber jedenfalls nicht von vornherein auszuschließen und läge keine hinreichende Grundlage für eine fachgerichtliche Verneinung einer Bedrohung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG vor (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 04.12.2012 - 2 BvR 2954/09 -, juris). 39 Nach alldem haben die Kläger bei einer hypothetischen Wiedereinreise nach Syrien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmaßnahmen zu gewärtigen. Internen Schutz im Sinne von § 3e AsylG können sie nicht erlangen.Bereits aus der Gewährung subsidiären Schutzes durch die Beklagte folgt mit Blick auf § 4 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. § 3e Abs. 1 Nr. 2 AsylG, dass von den Klägern vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, sich in irgendeinem Landesteil Syriens aufzuhalten. Dies stimmt auch mit der aktuellen Erkenntnislage weiterhin überein (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 23.11.2016 - A 5 K 1372/16 -, a.a.O., m. w. N.). Ohnehin droht die vorstehend bezeichnete Verfolgungsgefahr aber auch bereits bei der Einreise. 40 Anhaltspunkte für das Vorliegen von Ausschlussgründen nach § 3 Abs. 2 und 3 AsylG wurden weder vorgetragen noch sind solche für das Gericht ersichtlich. 41 Nachdem die Kläger bereits wegen der festgestellten Nachfluchtgründe die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft beanspruchen können, kann dahinstehen und lässt das Gericht daher offen, ob sie verfolgt ausgereist sind oder bei ihnen sonstige Gründe für eine Gefahr politischer Verfolgung sprechen könnten. 42 Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sind damit gegeben. Den Klagen ist somit stattzugeben. 43 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO. Das Verfahren ist nach § 83b AsylG gerichtskostenfrei. Gründe 15 Das Gericht kann entscheiden, obwohl die Beklagte zur mündlichen Verhandlung nicht erschienen ist, nachdem in der ordnungsgemäßen Ladung darauf hingewiesen wurde, dass bei ihrem Ausbleiben auch ohne sie verhandelt und entschieden werden kann (§ 102 Abs. 2 VwGO). 16 Die zulässigen Klagen sind begründet. Den Klägern droht bei Wiedereinreise nach Syrien zum jetzigen Zeitpunkt politische Verfolgung. Sie sind wegen ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland und der Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicht syrischer Dienste verdächtig und müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Befragung bis zur völligen Abschöpfung unter Anwendung schwerer Folter rechnen. Die Kläger haben daher einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Der streitgegenständliche Bundesamtsbescheid vom 4.11.2016 ist rechtswidrig und aufzuheben, soweit er dem entgegensteht (vgl. § 113 Abs. 1 und 5 VwGO). 17 Die Rechtsgrundlage findet sich in den §§ 3 bis 3e AsylG. 18 Danach ist die Flüchtlingseigenschaft einem Ausländer zuzuerkennen, der Flüchtling ist (§ 3 Abs. 1 AsylG, § 60 Abs. 1 AufenthG), sofern er nicht die Voraussetzungen des § 60 Abs. 8 Satz 1 AufenthG erfüllt (§ 3 Abs. 4 AsylG). Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) - Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) - ist der Ausländer gemäß § 3 Abs. 1 AsylG, wenn er sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe außerhalb des Landes (Herkunftsland) befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will oder in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in das er nicht zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will. Dabei sind die in § 3 Abs. 2 und 3 AsylG aufgeführten Ausschlussgründe zu beachten. 19 Als Verfolgungshandlung gelten nach § 3a Abs. 1 AsylG Handlungen, die aufgrund ihrer Art oder Wiederholung so gravierend sind, dass sie eine schwerwiegende Verletzung der grundlegenden Menschenrechte darstellen, insbesondere der Rechte, von denen nach Art. 15 Abs. 2 der Konvention vom 04. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685, 953) - EMRK - keine Abweichung zulässig ist (Nr. 1), oder in einer Kumulierung unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich einer Verletzung der Menschenrechte, bestehen, die so gravierend ist, dass eine Person davon in ähnlicher wie der in Nummer 1 beschriebenen Weise betroffen ist (Nr. 2). 20 Zwischen den in § 3 Abs. 1 i.V.m. § 3b AsylG genannten Verfolgungsgründen und den Verfolgungshandlungen oder dem Fehlen von Schutz vor solchen Handlungen muss eine Verknüpfung bestehen (§ 3a Abs. 3 AsylG). Die Verfolgung kann vom Staat sowie den weiteren in § 3c AsylG im Einzelnen aufgezählten Akteuren ausgehen. Nach § 3e Abs. 1 AsylG wird dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt, wenn er in einem Teil seines Herkunftslandes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3d AsylG hat und sicher und legal in diesen Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt. 21 Die Furcht vor Verfolgung ist begründet, wenn dem Ausländer die vorgenannten Gefahren aufgrund der in seinem Herkunftsland gegebenen Umstände in Anbetracht seiner individuellen Lage tatsächlich, d.h. mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit drohen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 19.09.2013 - A 11 S 689/13 -, juris). Dieser aus dem Tatbestandsmerkmal „... aus der begründeten Furcht vor Verfolgung ...“ des Art. 2 lit. d) der Richtlinie 2011/95/EU vom 13.12.2011 - QRL - abzuleitende Maßstab orientiert sich an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), der bei der Prüfung des Art. 3 EMRK auf die tatsächliche Gefahr abstellt („real risk“); dieser Maßstab ist kein anderer als der der beachtlichen Wahrscheinlichkeit (vgl. BVerwG, Urteil vom 20.02.2013 - 10 C 23.12 -, NVwZ 2013, 936). Er setzt voraus, dass bei einer zusammenfassenden Würdigung des gesamten zur Prüfung gestellten und relevanten Lebenssachverhalts die für eine Verfolgung sprechenden Umstände ein größeres Gewicht besitzen und deshalb gegenüber den dagegen sprechenden Tatsachen überwiegen. Dabei ist eine qualifizierende bzw. bewertende Betrachtungsweise im Sinne einer Gewichtung und Abwägung aller festgestellten Umstände und ihrer Bedeutung anzulegen. Entscheidend ist, ob aus der Sicht eines vernünftig denkenden und nicht übertrieben furchtsamen Menschen gerade in der Lage des konkreten Asylsuchenden nach Abwägung aller bekannten Umstände eine Rückkehr in den Heimatstaat als unzumutbar einzuschätzen ist. 22 Nach Art. 4 Abs. 4 QRL ist die Tatsache, dass ein Antragsteller bereits verfolgt wurde oder einen sonstigen ernsthaften Schaden erlitten hat bzw. von solcher Verfolgung oder einem solchen Schaden unmittelbar bedroht war, in diesem Zusammenhang ein ernsthafter Hinweis darauf, dass die Furcht des Antragstellers vor Verfolgung begründet ist bzw. dass er tatsächlich Gefahr läuft, ernsthaften Schaden zu erleiden, es sei denn, stichhaltige Gründe sprechen dagegen, dass der Antragsteller erneut von solcher Verfolgung oder einem solchen Schaden bedroht wird. Diese Regelung ist bei der gebotenen richtlinienkonformen Auslegung des Merkmals „begründete Furcht“ weiterhin zu beachten, auch wenn auf sie - anders als nach § 60 Abs. 1 Satz 5 AufenthG in der bis zum 30.11.2013 gültigen Fassung - in §§ 3 ff. AsylG oder § 60 AufenthG nicht ausdrücklich Bezug genommen wird. 23 Dabei kann eine Bedrohung i.S.d. § 3 AsylG nach § 28 Abs. 1a AsylG gleichermaßen auch auf Ereignissen beruhen, die eingetreten sind, nachdem der Ausländer das Herkunftsland verlassen hat, insbesondere auch auf einem Verhalten des Ausländers, das Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsland bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung ist. Art. 5 Abs. 2 der RL 2004/83/EG bzw. RL 2011/95/EU, der mit § 28 Abs. 1a AsylG in deutsches Recht umgesetzt wird, besagt, dass die begründete Furcht vor Verfolgung oder die tatsächliche Gefahr, einen ernsthaften Schaden zu erleiden, auf Aktivitäten des Antragstellers seit Verlassen des Herkunftslandes beruhen kann, insbesondere wenn die Aktivitäten, auf die er sich stützt, nachweislich Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsland bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind. Für subjektive Nachfluchttatbestände, die bereits während des Erstverfahrens verwirklicht worden sind, greift damit kein Filter. Für die Flüchtlingsanerkennung müssen diese - anders als bei der Asylanerkennung gemäß § 28 Abs. 1 AsylG - nicht einmal auf einer festen, bereits im Herkunftsland erkennbar betätigten Überzeugung beruhen. Erst in dem (erfolglosen) Abschluss des Erstverfahrens liegt eine entscheidende zeitliche Zäsur; für nach diesem Zeitpunkt selbst geschaffene Nachfluchtgründe wird ein Missbrauch der Inanspruchnahme des Flüchtlingsschutzes in der Regel vermutet (BVerwG, Urteil vom 18.12.2008 - 10 C 27.07 -, BVerwGE 133, 31). Im flüchtlingsrechtlichen Erstverfahren - wie hier - ist die Anerkennung subjektiver Nachfluchtgründe dagegen nicht begrenzt (BVerwG, Urteil vom 05.03.2009 - 10 C 51.07 -, BVerwGE 133, 221; Urteil vom 24.09.2009 - 10 C 25.08 -, BVerwGE 135, 49; vgl. zu alledem nur VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 03.11.2011 - A 8 S 1116/11 -, EzAR-NF 62, Nr. 26) 24 Wegen des sachtypischen Beweisnotstandes, in dem sich der Asylbewerber vielfach befindet, genügt es bei alledem, dass er die Gefahr politischer Verfolgung glaubhaft macht (BVerwG, Urteil vom 16.04.1985 - 9 C 109.84 -, NVwZ 1985, 658, 660). Dem Asylbewerber obliegt es dabei, unter Angaben genauer Einzelheiten einen in sich stimmigen Sachverhalt zu schildern (BVerwG, Urteil vom 24.03.1987 - 9 C 321.85 -, NVwZ 1987, 701 und Beschluss vom 26.10.1989 - 9 B 405.89 -, InfAuslR 1990, 38, 39). Das Gericht muss auch in Asylstreitigkeiten die volle Überzeugung von der Wahrheit des von einem Kläger behaupteten individuellen Schicksals erlangen, aus der er seine Furcht vor politischer Verfolgung herleitet (BVerwG, Beschluss vom 21.07.1989 - 9 B 239.89 -, juris). Solange ein politischer Charakter der Verfolgungsmaßnahmen nicht von vornherein auszuschließen ist, muss die fachgerichtliche Verneinung einer Bedrohung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG auf einer hinreichenden Grundlage beruhen (vgl. BVerfG, Beschluss vom 4.12.2012 - 2 BvR 2954/09 -, juris). 25 Maßgeblich für die Beurteilung ist die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung, also am 7.3.2017 (vgl. § 77 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 AsylG). 26 Nach diesen Grundsätzen und Maßstäben haben die Kläger einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Ihnen droht nach der bestandskräftigen Zuerkennung des subsidiären Schutzes auch nach Ansicht der Beklagten bei Wiedereinreise nach Syrien ein ernsthafter Schaden in Gestalt einer erniedrigenden Behandlung. Nach den Feststellungen des Gerichts würde ihnen im (hypothetischen) Fall der Rückkehr nach Syrien zum jetzigen Zeitpunkt mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit auch eine asylrechtlich relevante Verfolgung drohen, die ihre diesbezügliche Verfolgungsfurcht begründet erscheinen lässt. 27 Das Gericht geht, mangels alternativer Möglichkeiten, für die (hypothetische) Rückkehr der Kläger nach Syrien von einer Wiedereinreise über den Flughafen Damaskus zum Entscheidungszeitpunkt aus. Eine solche Wiedereinreise nach Syrien hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Befragung durch syrische Sicherheitsdienste zur Folge. Diese würde mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Anwendung schwerer Folter erfolgen. Die Kläger würden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Angaben zum Asylantrag einräumen. Dies würde eine anschließende Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen nach sich ziehen. Wegen dieser Bedrohung wäre aus Sicht eines vernünftig denkenden und nicht übertrieben furchtsamen Menschen in der Situation der Kläger und nach Abwägung aller bekannten Umstände einer Rückkehr in den Heimatstaat eine solche Wiedereinreise als unzumutbar einzuschätzen. 28 Für die Beurteilung der bei Wiedereinreise konkret zu erwartenden staatlichen Übergriffe und deren Asylrelevanz kann nicht isoliert auf die zu erwartende Maßnahme abgestellt werden, sondern sind, gerade auch in Bezug auf die Zielrichtung der zu erwartenden Übergriffe, die Strukturen und die Politiken des Herkunftsstaates und seiner Einrichtungen in den Blick zu nehmen: 29 Vor dem Bürgerkrieg wurde die Arabische Republik Syrien etwa 4 Jahrzehnte von einem totalitären Regime beherrscht, das eine unbeschränkte Macht über seine Bürger ausübte und dabei keinerlei rechtsstaatliche, religiöse oder moralische definierte Grenzen akzeptierte (vgl. u.a. Lagebericht des Auswärtigen Amts vom 27.9.2010: Die Sicherheitsdienste des Landes sind weder parlamentarischen noch gerichtlichen Kontrollmechanismen unterworfen. Sie sind verantwortlich für willkürliche Verhaftungen, Folter und Isolationshaft. Es gibt weiterhin Berichte von Folter, insbesondere in den Verhörzentralen der Sicherheitsdienste. Möglichkeiten einer effektiven strafrechtlichen Verfolgung krimineller Handlungen von Sicherheitskräften existieren nicht. Es gibt plausible Hinweise dafür, dass Personen, die sich über die Behandlung durch Sicherheitskräfte beschweren, Gefahr laufen, dafür strafrechtlich verfolgt zu werden.) Faktisch handelte es sich um eine Diktatur ohne Bindung an Gesetz und Recht (vgl. Länderinformationsblatt BFA, 3.3.2014, Stand 7.4.2014, Seite 10). Einen effektiven Schutz des Einzelnen vor willkürlichen Übergriffen des despotischen Regimes mit schwersten Schädigungen und dem Verlust von Leben oder Freiheit gab es in Syrien nicht. Innenpolitisch beruhte die staatliche Macht des syrischen Regimes mangels realer demokratischer oder religiöser Legitimation auf der Androhung und maßlosen Anwendung von Gewalt und damit ausgelöster Einschüchterung und Abschreckung (vgl. Süddeutsche Zeitung, „Assad-Regime ließ im Schlachthaus tausende Häftlinge hinrichten“, Artikel vom 7.2.2017 über Massenexekutionen im Umfang von bis zu 13.000 Gefangenen allein im Militärgefängnis Saydnaya; Deutschlandfunk, „Die Toten von Hama, Syrien und das System Assad“ Artikel vom 2.2.2012 über das Massaker vom Februar 1982 mit 20.000 Toten). Tatsächliche und vermeintliche Regimegegner wurden physisch vernichtet oder durch Folter und jahrelange Inhaftierung psychisch geschädigt und dadurch unschädlich gemacht. Um aus der Sicht der unkontrolliert agierenden syrischen Geheimdienste in den Verdacht einer regimefeindlichen Haltung zu geraten, waren keine Nachweise oder hinreichende Anhaltspunkte erforderlich. Teilweise genügten im privaten Raum geäußerte abfällige Bemerkungen oder harmlose Witze über das Regime oder den Machthaber, um als Regimefeind mit drakonischen Maßnahmen überzogen zu werden (vgl. Zeit Online, Pappe al-Assad, Artikel vom 26.11.2013; Süddeutsche Zeitung, Humor unter Assad: "Kommt ein Tourist nach Syrien ...", Artikel vom 27.5.2016; Gerhard Schweizer, Syrien verstehen, Geschichte, Gesellschaft und Religion, Seite 368 ff.). Die Politik der harten Hand unterdrückte jeden echten oder vermeintlichen Widerstand im Keim. Der Einsatz von Gewalt bei der Bekämpfung tatsächlicher oder vermeintlicher Regimegegner kannte in dem mit einem Netzwerk aus Spitzeln überzogenen Land keine Grenzen und wandte sich gleichermaßen gegen Männer, Frauen und Kinder (Deutschlandfunk, Atemlose Bestandsaufnahme der Gewalt in Syrien, Artikel vom 19.6.2012 zur Anwendung von Sippenhaft). Das syrische Regime war in den Jahrzehnten vor dem Bürgerkrieg faktisch eine Diktatur, die keine freie Meinungsäußerung duldete und jegliche tatsächliche oder vermeintliche Opposition durch Gewalt im Keim erstickte. Die Despotie führte zur gewaltsamen Niederschlagung friedlicher Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011 und löste den bis heute andauernden Bürgerkrieg aus. Bereits in der Zeit vor dem Beginn des Bürgerkriegs war die Praxis der syrischen Dienste bekannt und belegt, Rückkehrer nach Syrien „bis zur völligen Abschöpfung“ einer Befragung zu unterziehen, die im Falle auftretender Zweifel bezüglich Identität oder regimetreuer Haltung in einem Haftzentrum unter Folter intensiviert wurde (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 5.2.1987 - A 12 S 1096/83 -, juris; Beschluss vom 8.4.1992 - A 16 S 1765/91 -, juris; Urteil vom 15.7.1993 - A 16 S 282/93 -, juris; Urteil vom 19.5.1998 - A 2 S 28/98 -, juris). Diese menschenrechtswidrige Praxis wurde vom syrischen Regime während des Bürgerkriegs auch fortgesetzt (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19.6.2013 - A 11 S 927/13 -, juris). 30 Im Verlauf des Bürgerkriegs behielt das syrische Regime innenpolitisch seine Politik der harten Hand bei. Die menschenrechtliche Situation verschlimmerte sich dadurch dramatisch. Das syrische Regime und die anderen Bürgerkriegsparteien gingen von Anfang an mit äußerster Brutalität gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner und gegen die Zivilbevölkerung vor, so dass bereits in den ersten 5 Jahren circa 470.000 Tote und die Vertreibung von 45 Prozent der Bevölkerung zu beklagen waren (Zeit Online, Artikel vom 11.2.2016, „Doppelt so viele Tote wie bisher angenommen“; Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Sechs Jahre Krieg in Syrien: (K)eine Lösung mit den Vereinten Nationen?). Mit zunehmender Einflussnahme und Beteiligung des Auslands (u.a. Saudi Arabien, Iran, Russland, USA, Türkei, BRD) nahm der Zustrom von Waffen zu und beteiligten sich immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner an den Kämpfen in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, rückte in den Hintergrund. Das Geschehen wurde dominiert durch den Kampf unterschiedlicher Staaten, Ethnien und religiösen Gruppierungen um politische Macht und Einfluss. Die direkte Beteiligung der Bündnispartner Assads - des Irans mit seinen Söldnern und der libanesischen Hisbollah-Miliz und Russlands - sowie die Bildung eines internationalen Bündnisses unter Führung der Vereinigten Staaten gegen die sunnitische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) machte aus dem Konflikt innerhalb Syriens einen regionalen Stellvertreterkrieg zwischen dem schiitischen Iran auf der einen und dem sunnitischen Saudi-Arabien mit seinen Verbündeten Türkei und Katar auf der anderen Seite. Durch die Beteiligung der USA und Russlands entstand zudem ein überregionaler Konflikt zwischen den beiden Großmächten mit geostrategischen Implikationen, der durch die Luftangriffe der Türkei auf Kurden in Syrien 2015 und schließlich den Einmarsch türkischer Bodentruppen im August 2016 verschärft wurde. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligte sich ab 2015 an dem Konflikt (vgl. Bundeswehrjournal, Artikel vom 16.12.2015, „Bundeswehr unterstützt erstmals Luftangriffe gegen den IS“). Daneben findet u.a. in Deutschland die Personalgewinnung in der Gestalt der Rekrutierung islamistischer Kämpfer und Attentäter sowie die Planung und Finanzierung von Maßnahmen gegen das syrische Regime statt (vgl. Deutsche Presseagentur, Artikel vom 16.9.2016, „Terrorismus/Über 120 Verfahren mit Syrien-Bezug bei der Bundesanwaltschaft“). 31 Wegen der dargestellten Strukturen und Politiken des syrischen Regimes und der politischen Bezüge auch zur Bundesrepublik Deutschland ist das Gericht davon überzeugt, dass die Sicherheits- und Geheimdienste des sich in einem existentiellen Abwehrkampf befindlichen syrischen Regimes derzeit jeden Rückkehrer aus Deutschland bis zum Beweis des Gegenteils als potentiellen Regimegegner und Gefährder ansehen. Die Lebensumstände syrischer Flüchtlinge in Deutschland sind den syrischen Diensten ebenso bekannt wie die drohenden existentiellen Probleme im Fall einer Rückkehr nach Syrien. Den Diensten ist bewusst, dass derzeit kein vernünftiger Flüchtling eine Wiedereinreise nach Syrien riskieren würde. Jeder zum jetzigen Zeitpunkt Wiedereinreisende ist bereits deswegen suspekt. Für die Annahme, dass es sich um einen potentiellen Regimegegner handelt, genügt es aus der Sicht syrischer Dienste, dass der zurückkehrende Flüchtling illegal aus Syrien ausgereist ist, dass er sich längere Zeit in Deutschland aufgehalten hat, dass er ohne einen plausiblen Grund in das bürgerkriegsgeschüttelte, ruinierte Land zurückkehrt und dass keine gesicherten Erkenntnisse darüber vorliegen, was der Flüchtling in Europa konkret gemacht hat. 32 Die gegenteilige Annahme, nach der syrische Sicherheits- und Geheimdienste zum jetzigen Zeitpunkt zurückkehrende Flüchtlinge als harmlose Bürgerkriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge ansehen und als solche unbehelligt einreisen lassen, überzeugt das Gericht dagegen nicht. Die Einschätzung blendet die historischen Entwicklungen der letzten 40 Jahre, die Strukturen und Politiken des syrischen Regimes und die aktuelle Lage, in der dieses Regime mit allen Mitteln um seine Existenz ringt, völlig aus. Die Annahme, die Befragung unter Anwendung von Folter sei zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, es sei aber nicht zu klären, ob sie der politischen Unterdrückung oder lediglich der Identitätsklärung und Kriminalitätsbekämpfung diene, erscheint ebenfalls abwegig. Bei Berücksichtigung der Strukturen, Politiken und Einrichtungen des in seiner Existenz bedrohten totalitären syrischen Regimes und seiner seit Jahrzehnten angewandten menschenrechtswidrigen Praktiken stellen die bei Wiedereinreise im jetzigen Zeitpunkt zu erwartenden Befragungen mit schwerster Folter und anschließender Inhaftierung ohne Verfahren keine politisch neutralen polizeilichen Aufklärungsmaßnahmen dar. 33 Soweit in der obergerichtlichen Rechtsprechung vertreten wird, dass die syrischen Sicherheitskräfte bei zurückkehrenden erfolglosen Asylbewerbern selektiv vorgingen und erst zusätzliche signifikante gefahrerhöhende Merkmale oder Umstände die beachtliche Wahrscheinlichkeit einer Verfolgung begründeten (so Bay. VGH, Urteil vom 12.12.2016 - 21 B 16.30338 -, juris), vermag die Kammer dem nicht zu folgen. Aus dem Umstand, dass in den – u. a. im Urteil des Bay. VGH a.a.O., Rn. 73 ff. dargestellten – dokumentierten Fällen von Inhaftierungen und Misshandlungen Abgeschobener über einen Auslandsaufenthalt und ggf. die Asylantragstellung im Ausland hinaus Besonderheiten vorlagen (Aufenthalte in Haftanstalten des Geheimdienstes vor Ausreise, Teilnahme an einer Kundgebung in Deutschland, herausgehobene Position in einer Nichtregierungsorganisation, Abschiebung wegen Straffälligkeit in Deutschland, ungeklärte Staatsangehörigkeit, exilpolitische Aktivitäten, Mitführen von Bargeld), lässt sich nicht ableiten, dass es derartiger Merkmale oder Besonderheiten bedürfte, um bei einer Wiedereinreise der Gefahr unter Folter durchgeführter Vernehmungen ausgesetzt zu sein. Dieser Schluss verbietet sich schon deshalb, weil nach den verfügbaren Erkenntnismitteln keine Informationen darüber vorliegen, was mit Abgeschobenen geschieht bzw. geschähe, bei denen derartige „Besonderheiten“ fehlen. Den aktuellsten Auskünften des Auswärtigen Amtes vom 07.11.2016 an das OVG Schleswig-Holstein und vom 02.01.2017 an das VG Düsseldorf ist zu entnehmen, es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass unverfolgt ausgereiste Rückkehrer allein aufgrund eines vorausgegangenen Auslandsaufenthaltes Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt seien. Anders könne es aussehen, wenn das Regime davon ausgehe, dass sich die betreffende Person oppositionell betätigt habe. Eine Aussagekraft oder gar ein Beweiswert in dem Sinne, dass das in diesen Berichten konstatierte Nichtvorliegen von Erkenntnissen für das Nichtvorliegen einer allgemeinen Rückkehrerverfolgung spräche, kommt diesen Auskünften nicht zu (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 24.01.2017 - A 4 K 5434/16 -, juris). Der Auskunft des Deutschen Orient-Instituts an den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg vom 22.02.2017 lässt sich entnehmen, es sei „schwierig“ bzw. „unmöglich“, bezüglich des Ausmaßes der Rückkehrerbefragungen in qualitativer oder quantitativer Hinsicht Aussagen zu treffen. Es lägen jedoch keine Berichte vor, die flächendeckende Befragungen explizit verneinten. Die Datenlage sei insoweit „nicht belastbar“. Schließlich folgt Derartiges auch nicht daraus, dass in den vom UNHCR definierten Risikogruppen (vgl. International Protection Considerations with Regard to People Fleeing the Syrian Arab Republic, Update IV, November 2015; abrufbar unter http://www.refworld.org/ pdfid/5641ef894.pdf) ehemalige Asylsuchende nicht genannt sind (vgl. dazu Bay. VGH a.a.O. Rn. 87). Denn dem Risikoprofil „Personen, die tatsächlich oder vermeintlich in Opposition zur Regierung stehen“ könnten Rückkehrer aus Sicht des syrischen Regimes durchaus zuzuordnen sein. Das OVG Nordrheinwestfalen (a.a.O. Rn. 83) weist im Übrigen zutreffend darauf hin, dass die Risikoprofile des UNHCR nach ihrem Zuschnitt „praktisch die gesamte Bevölkerung“ erfassen. Ihre Aussagekraft wird dadurch jedenfalls dahingehend relativiert, dass sie keine zwingenden Umkehrschlüsse zulassen. 34 Während nach dem Vorstehenden letztlich keine greifbaren Anhaltspunkte vorliegen, die (positiv) gegen eine - vom Vorliegen besonderer Merkmale oder Umstände unabhängige - Rückkehrerverfolgung sprechen, sind dem Erkenntnismaterial durchaus auch aktuell beachtliche Hinweise auf eine solche zu entnehmen. So wird im „Country Report on Human Rights Practices for 2015“ des U.S. State Departement auf Seite 34 f. (abrufbar unter http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/humanrightsreport) unter der Überschrift „Emigration and Repatriation“ ausgeführt, sowohl Personen, die in anderen Ländern erfolglos um Asyl nachgesucht hätten, als auch solche die früher Verbindungen zur Muslim-Brüderschaft unterhalten hätten, seien bei einer Wiedereinreise (Straf-)Verfolgung ausgesetzt gewesen („… faced prosecution“). Soweit es im Folgesatz heißt, das Gesetz stelle die (Straf-)Verfolgung aller Personen sicher, die im Ausland Asylanträge gestellt hätten, um der Strafverfolgung in Syrien zu entgehen, kann daraus - jedenfalls nicht zwingend - geschlossen werden, dass eine drohende Verfolgung allein hieran anknüpft (so aber Bay. VGH a.a.O.; OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 21.02.2017 - 14 A 2316/16.A -, juris). Das Immigration and Refugee Board of Canada führt in seinem Bericht vom 19.01.2016 (abrufbar unter http://www.refworld.org/docid/56d7fc034.html) unter „Treatment of Failed Refugee Claimants“ aus, nach der Auskunft eines emeritierten Professors für Anthropologie und Zwangsmigration der Universität Oxford müsse ein erfolgloser Asylbewerber damit rechnen, verhaftet zu werden. Es würde auch Folter angewandt, um zu ermitteln, weshalb der Betreffende Syrien verlassen habe. Eine als „Executive Director of the Syria Justice and Accountability Center“ bezeichnete andere Auskunftsperson bestätigt diese Einschätzung und ergänzt, eine solche Person würde als „anti-government or opposition“ behandelt. Eine dritte Auskunftsperson (Visiting Senior Research Fellow am Kings College London) weist darauf hin, dass es insoweit keinen Automatismus gebe. Während „traditionell denkende“ Offizielle des Regimes glaubten, dass alle Asylbewerber eine regimefeindliche Gesinnung hätten, gebe es andere, die sich darüber im Klaren seien, dass manche Menschen das Land aus „ökonomischen“ Gründen verlassen hätten. Nichts sei vorhersehbar. 35 Nach Auffassung der Kammer spricht schließlich auch der Umstand, dass insbesondere in den letzten drei Jahren ein Massenexodus aus Syrien stattgefunden hat und sich insgesamt nunmehr mindestens ein Fünftel der Gesamtbevölkerung auf der Flucht befindet, nicht dafür, dass die illegale Ausreise und Asylantragstellung aus Sicht des syrischen Regimes generell nicht mehr als Ausdruck einer oppositionellen Haltung gesehen würde (so aber OVG Nordrhein-Westfalen a.a.O., Rn. 60 ff.). Einschätzungen hinsichtlich der Motivlage und Gefahreneinschätzung syrischer Staatsbediensteter sind zunächst zwangsläufig spekulativ. Zwar mag es nahe liegen, dass auch dem syrischen Regime bewusst ist, dass es der Mehrheit der Geflüchteten primär darauf ankommt, den verheerenden Zuständen im Land entkommen. Die Annahme, dass im Hinblick auf diese Entwicklung bei einer Rückkehr erfolgloser Asylbewerber vernünftigerweise nicht mehr mit Befragung, ggf. Inhaftierung und Folter gerechnet werden müsste, widerspricht jedoch der Funktionsweise des syrischen Staatsapparates und seiner unabhängigen und unbeschränkt agierenden Dienste. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der weiteren extremen Eskalation des Konflikts in Syrien und dem damit einhergehenden „Freibrief“ zu einer skrupellosen Behandlung auch nur potentiell Verdächtiger (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 23.11.2016 - A 5 K 1372/16 -, juris). 36 Auf dieser Erkenntnisgrundlage spricht mehr für als gegen das Bestehen eines realen Risikos bzw. einer beachtlichen Wahrscheinlichkeit, als zurückkehrender Asylbewerber bei einer Wiedereinreise über den Flughafen Damaskus menschenrechtswidrigen Befragungen ausgesetzt zu sein. Es fehlt dabei auch nicht an der nach § 3a Abs. 3 AsylG erforderlichen Verknüpfung zwischen einer solchen Verfolgungshandlung mit Verfolgungsgründen nach § 3 Abs. 1 AsylG (so aber OVG Nordrhein-Westfalen a.a.O.; OVG Saarland, Urteil vom 02.02.2017 - 2 A 515/16 -, juris). 37 Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist eine Verfolgung dann eine politische, wenn sie dem Einzelnen in Anknüpfung an asylerhebliche Merkmale gezielt Rechtsverletzungen zufügt, die ihn ihrer Intensität nach aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen. Ob eine in dieser Weise spezifische Zielrichtung vorliegt, die Verfolgung mithin "wegen" eines Asylmerkmals erfolgt, ist anhand ihres inhaltlichen Charakters nach der erkennbaren Gerichtetheit der Maßnahme selbst zu beurteilen, nicht aber nach den subjektiven Gründen und Motiven, die den Verfolgenden dabei leiten. Auch unmenschliche Behandlung, insbesondere Folter, kann sich dann als asylrelevante Verfolgung darstellen, wenn sie wegen asylrelevanter Merkmale oder im Blick auf diese in verschärfter Form eingesetzt wird (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 08.06.2000 - 2 BvR 81/00 -, InfAuslR 2000, 457). Auch wenn der Verfolger lediglich den Verdacht der Trägerschaft eines asylerheblichen Merkmals hegt, dürfen die zur weiteren Aufklärung dieses Verdachts eingesetzten Mittel nicht als asylrechtlich unbeachtlich qualifiziert werden (BVerfG, Kammerbeschluss vom 28.01.1993 - 2 BvR 1803/92 -, InfAuslR 1993, 142). 38 Nach der oben dargestellten Prägung und dem Selbstverständnis des syrischen Regimes sowie der sämtliche Lebensbereiche umfassenden, autoritären Struktur und totalitären Ausrichtung des Staatsapparates ist davon auszugehen, dass das Regime jeden illegal Ausgereisten als potentiellen politischen Gegner ansieht („Polit-Malus“) und ihm dieses Merkmal gleichsam auf Verdacht zuschreibt (vgl. § 3b Abs. 2 AsylG). Die genannten Maßnahmen bei einer Wiedereinreise aus dem westlichen Ausland zurückkehrender Flüchtlinge werden zur Unterdrückung und Abschreckung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner angewandt und stellen in der Folge eine politische Verfolgung im Sinne des § 3 AsylG dar. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die zu erwartenden Maßnahmen die körperliche und seelische Vernichtung der betroffenen Heimkehrer zumindest in Kauf nehmen und die Flüchtlinge damit gezielt ausgrenzen (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 29.04.2009 - 2 BvR 78/08 -, juris). Würde das anders gesehen, wäre im vorliegenden Fall der politische Charakter der Verfolgungsmaßnahmen aber jedenfalls nicht von vornherein auszuschließen und läge keine hinreichende Grundlage für eine fachgerichtliche Verneinung einer Bedrohung im Sinne von § 60 Abs. 1 AufenthG vor (vgl. BVerfG, Stattgebender Kammerbeschluss vom 04.12.2012 - 2 BvR 2954/09 -, juris). 39 Nach alldem haben die Kläger bei einer hypothetischen Wiedereinreise nach Syrien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmaßnahmen zu gewärtigen. Internen Schutz im Sinne von § 3e AsylG können sie nicht erlangen.Bereits aus der Gewährung subsidiären Schutzes durch die Beklagte folgt mit Blick auf § 4 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. § 3e Abs. 1 Nr. 2 AsylG, dass von den Klägern vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, sich in irgendeinem Landesteil Syriens aufzuhalten. Dies stimmt auch mit der aktuellen Erkenntnislage weiterhin überein (vgl. VG Sigmaringen, Urteil vom 23.11.2016 - A 5 K 1372/16 -, a.a.O., m. w. N.). Ohnehin droht die vorstehend bezeichnete Verfolgungsgefahr aber auch bereits bei der Einreise. 40 Anhaltspunkte für das Vorliegen von Ausschlussgründen nach § 3 Abs. 2 und 3 AsylG wurden weder vorgetragen noch sind solche für das Gericht ersichtlich. 41 Nachdem die Kläger bereits wegen der festgestellten Nachfluchtgründe die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft beanspruchen können, kann dahinstehen und lässt das Gericht daher offen, ob sie verfolgt ausgereist sind oder bei ihnen sonstige Gründe für eine Gefahr politischer Verfolgung sprechen könnten. 42 Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sind damit gegeben. Den Klagen ist somit stattzugeben. 43 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO. Das Verfahren ist nach § 83b AsylG gerichtskostenfrei.