Entscheidung
V ZA 16/14
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
ZivilrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS V ZA 16/14 vom 19. September 2014 in dem Zwangsversteigerungsverfahren - 2 - Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 19. September 2014 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterin Prof. Dr. Schmidt-Räntsch, den Richter Dr. Roth und die Richterinnen Dr. Brückner und Weinland beschlossen: Der Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozesskosten- hilfe wird zurückgewiesen. Gründe: I. In dem Verfahren über die Zwangsversteigerung des Grundstücks des Schuldners ist dem Beteiligten zu 3 am 12. Februar 2013 der Zuschlag erteilt worden. Mit seiner dagegen gerichteten Beschwerde hat der Schuldner unter anderem gerügt, dass er vor dem Zuschlag Erinnerungen gemäß § 766 ZPO erhoben habe, über die nicht entschieden worden sei. Das Landgericht hat die Zuschlagsbeschwerde zurückgewiesen. Der Schuldner beantragt, ihm für die Durchführung der zugelassenen Rechtsbeschwerde Prozesskostenhilfe zu be- willigen. II. Dem Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist nicht zu entspre- chen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Dass das Beschwerdegericht die 1 2 - 3 - Rechtsbeschwerde zugelassen hat, begründet die notwendige Erfolgsaussicht nicht (vgl. Senat, Beschluss vom 13. Dezember 2007 – V ZB 100/07 u.a., juris Rn. 5). Erforderlich ist vielmehr, dass die anzufechtende Entscheidung unge- klärte Rechtsfragen aufwirft oder in der Sache unzutreffend ist. Daran fehlt es. 1. Die Rechtsfrage, derentwegen die Rechtsbeschwerde zugelassen worden ist, lässt sich zweifelsfrei beantworten. Eine Zuschlagsbeschwerde kann nicht darauf gestützt werden, dass über eine während des Zwangsverstei- gerungsverfahrens zulässigerweise erhobene Erinnerung nicht entschieden worden ist. Da die Erinnerung keine aufschiebende Wirkung hat, ist das Voll- streckungsgericht nicht gehindert, das Verfahren durch Beschlussfassung und Verkündung der Zuschlagsentscheidung fortzusetzen (vgl. Senat, Beschluss vom 19. Februar 2009 – V ZB 118/08, NJW-RR 2009, 1429 Rn. 18; Urteil vom 13. Juli 1965 – V ZR 269/62, BGHZ 44, 138, 140). Die Rechte der Beteiligten werden dadurch gewahrt, dass das Vollstreckungsgericht bei der Beschlussfas- sung über den Zuschlag - gemäß § 79 ZVG im Grundsatz ohne Bindung an Entscheidungen, die es selbst erlassen hat - nochmals das gesamte bisherige Verfahren darauf zu überprüfen hat, ob es ordnungsgemäß war (Senat, Be- schluss vom 26. Oktober 2006 – V ZB 188/05, BGHZ 169, 305 Rn. 29), und dass diese Entscheidung, wenn auch mit den sich aus § 100 Abs. 1 ZVG erge- benden Einschränkungen, der sofortigen Beschwerde unterliegt. Tatsächlich haben sich das Vollstreckungsgericht und das Beschwerdegericht im Rahmen der Entscheidung über den Zuschlag auch mit den - vor allem die Bekanntma- chung des Versteigerungstermins betreffenden - Einwendungen des Schuld- ners befasst. 2. Im Ergebnis zu Recht nimmt das Beschwerdegericht an, dass der Ver- steigerungstermin gemäß § 43 Abs. 1 ZVG ordnungsgemäß bekannt gemacht worden und daher kein Zuschlagsversagungsgrund nach § 83 Nr. 7 ZVG gege- 3 4 - 4 - ben ist. Entgegen der Auffassung des Schuldners genügt die Terminsbestim- mung den Anforderungen des § 37 ZVG; insbesondere ist die Angabe zur Nut- zung des Grundstücks („Wohnhaus mit Einliegerwohnung und Garage“) nicht deshalb unrichtig oder irreführend (vgl. dazu Senat, Beschluss vom 29. September 2011 – V ZB 65/11, NJW-RR 2012, 145 Rn. 9), weil das Dach- geschoss des Hauses voll ausgebaut und als (weitere) separate Wohnung nutzbar ist. 3. Ohne Rechtsfehler hat das Beschwerdegericht schließlich angenom- men, dass heute kein Anlass mehr besteht, das Verfahren nach § 765a ZPO einzustellen. Stresemann Schmidt-Räntsch Roth Brückner Weinland Vorinstanzen: AG Waldshut-Tiengen, Entscheidung vom 12.02.2013 - 1 K 44/11 - LG Waldshut-Tiengen, Entscheidung vom 31.07.2014 - 1 T 25/13 - 5