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Urteil

15 O 308/10

Landgericht Köln, Entscheidung vom

Ordentliche GerichtsbarkeitLandgerichtECLI:DE:LGK:2011:0609.15O308.10.00
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Entscheidungsgründe
Tenor Die Klage wird ab­ge­wie­sen. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Klä­ge­rin. Das Urteil ist gegen Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 110% des je­weils zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges vor­läu­fig voll­streck­bar. 1 TAT­BE­STAND 2 Die Klä­ge­rin be­gehrt aus ei­ge­nem und ab­ge­tre­te­nem Recht ihres Ehe­manns (des Zeu­gen , nach­fol­gend: „ Ze­dent “) Scha­dens­er­satz wegen an­geb­li­cher Falsch­be­ra­tung im Zu­sam­men­hang mit dem Er­werb von T-Zer­ti­fi­ka­ten. 3 Die Klä­ge­rin ist seit 2003 Kun­din, der Ze­dent seit 1999 Kunde der Be­klag­ten. Beide un­ter­hal­ten dort ein Wert­papier­de­pot. Ihre Ri­si­ko­pro­fi­le wei­sen als An­la­ge­stra­te­gien für den Ze­den­ten „Er­trag“ und für die Klä­ge­rin „aus­ge­wo­gen“ aus. Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ri­si­ko­pro­fi­le, An­la­gen B1 bis B3, Bl.83ff. d.A. ver­wie­sen. 4 Nach einem per­sön­li­chen Be­ra­tungs­ge­spräch am 31.05.2007, das in den Räum­lich­kei­ten der Be­klag­ten statt­fand und an dem neben der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten für die Be­klag­te die Zeu­gin R (geb. R1) teil­nahm, ent­schie­den sich die Klä­ge­rin und der Ze­dent für den Er­werb von 130 Stück „Alpha Ex­press II“ Zer­ti­fi­ka­te der Emit­ten­tin T Co. B.V. zum Ge­samt­preis von 130.000,00 EUR zu­züg­lich 2.600,00 EUR Aus­ga­be­auf­schlag, wobei die Klä­ge­rin 30 Zer­ti­fi­ka­te er­warb und der Ze­dent 100. Der Kauf­auf­trag wurde te­le­fo­nisch er­teilt, weil die Klä­ge­rin und der Ze­dent die An­la­ge­ent­schei­dung nicht un­mit­tel­bar im An­schluss an das Be­ra­tungs­ge­spräch tref­fen, son­dern sich die Sache in Ruhe über­le­gen woll­ten. Das Te­le­fo­nat fand ei­ni­ge Tage nach dem Be­ra­tungs­ge­spräch statt, näm­lich am 05.06.2007; die Wert­papier­or­der wurde zum 10.07.2007 durch­ge­führt. 5 Das Alpha Ex­press II Zer­ti­fi­kat ist nicht ka­pi­tal­ge­schützt und ba­siert auf der Be­ob­ach­tung des Div­DAX Preis­in­dex und des DAX wäh­rend eines be­stimm­ten Be­ob­ach­tungs­zeit­raums. Ent­wi­ckelt sich der Div­DAX in­ner­halb des Be­ob­ach­tungs­zeit­raums bes­ser als der DAX bzw. liegt er „nur“ bis zu einem be­stimm­ten Pro­zent­satz unter die­sem (bis zu -3% beim ers­ten Be­ob­ach­tungs­tag, dem 11.07.2008, bis zu -6% beim zwei­ten Be­ob­ach­tungs­tag, dem 02.07.2009, bis zu -9% bis zum drit­ten Be­ob­ach­tungs­tag, dem 02.07.2010, bis zu -12% bis zum vier­ten Be­ob­ach­tungs­tag, dem 02.07.2011 und bis zu -15% bis zum ab­schlie­ßen­den Be­wer­tungs­tag, dem 02.07.2012), so soll­te das Zer­ti­fi­kat mit einem Bonus zu­rück­ge­zahlt wer­den. Durch die In­sol­venz der T sind die Zer­ti­fi­ka­te heute prak­tisch wert­los. 6 Die münd­li­che Be­ra­tung fand an­hand des Pro­dukt­fly­ers statt, den die Klä­ge­rin und der Ze­dent an­schlie­ßend mit­nah­men. Im Rah­men des Be­ra­tungs­ge­sprächs wies die Zeu­gin R un­strei­tig da­rauf hin, dass bei einer Un­ter­per­for­man­ce des Div­DAX gegen­über dem DAX von mehr als drei Pro­zent Ren­di­te­ein­bu­ßen mög­lich seien sowie, dass bei einer Un­ter­per­for­man­ce des Div­DAX von 100% gegen­über dem DAX rein theo­re­tisch auch ein To­tal­ver­lust denk­bar sei. Wegen des In­halts des Pro­dukt­fly­ers wird auf die An­la­ge K2, An­la­gen­heft, ver­wie­sen. 7 Be­züg­lich der Klä­ge­rin war der ma­xi­mal zu­läs­si­ge Ri­si­ko­an­teil von 55% aus­weis­lich der Wert­papier­sam­mel­or­der (An­la­ge B13, Bl.162) so­wohl vor als auch nach dem Wert­papier­kauf we­sent­lich über­schrit­ten (vor­her: 79,4%, nach­her: 89,3%). 8 Die Klä­ge­rin be­gehrt nun die Rück­ab­wick­lung der streit­ge­gen­ständ­li­chen An­la­ge­ge­schäf­te sowie ent­gan­ge­nen Zins­ge­winn. Sie ist der An­sicht, die Be­ra­tung sei weder an­la­ge- noch an­le­ger­ge­recht er­folgt. Sie und ihr Mann seien im Jahr 2007 rein si­cher­heits­orien­tiert ge­we­sen. Der an­ge­leg­te Be­trag habe zum Kauf eines Eigen­hei­mes die­nen sol­len; dies sei der Zeu­gin R auch mit­ge­teilt wor­den. Der hohe Ri­si­ko­an­teil im Depot ins­be­son­de­re des Ze­den­ten sei auf An­la­ge­ent­schei­dun­gen aus dem Jahr 2002 und frü­her zu­rück­zu­füh­ren; da­ne­ben be­stün­den in er­heb­li­chem Aus­maß Fest­geld­an­la­gen, so­dass bei einer Ge­samt­schau des Ver­mö­gens sich der Ri­si­ko­an­teil er­heb­lich re­du­zie­ren würde. Es sei auch ir­re­le­vant, ob ins­be­son­de­re bei dem Ze­den­ten auf­grund sei­nes Ge­samt­ver­mö­gens eine „Ri­si­ko­trag­fä­hig­keit“ hin­sicht­lich der streit­ge­gen­ständ­li­chen An­la­ge ge­ge­ben ge­we­sen sei. 9 Zu den Ri­si­ko­pro­fi­len trägt die Klä­ge­rin fol­gen­des vor: die Fra­ge­bö­gen seien maß­geb­lich von der Zeu­gin R aus­ge­füllt wor­den, und zwar immer dann, wenn die Klä­ge­rin oder der Ze­dent mit einer Frage nicht viel hät­ten an­fan­gen kön­nen (bei­spiels­wei­se die Frage nach den ak­tu­ell vor­han­de­nen not­wen­di­gen Kennt­nis­sen und Er­fah­run­gen in Bezug auf ver­schie­de­ne An­la­ge­pro­duk­te). Weder sie – die Klä­ge­rin – noch der Ze­dent hät­ten hie­ran An­stoß ge­nom­men, da die Zeu­gin R auf ihre ex­pli­zi­te Frage ge­ant­wor­tet habe, die Ri­si­ko­pro­fi­le hät­ten keine Aus­wir­kun­gen. Die Zeu­gin R habe aber zu be­den­ken ge­ge­ben, dass te­le­fo­ni­sche Or­ders nicht mehr ge­tä­tigt wer­den dürf­ten, wenn das Ri­si­ko­pro­fil zu kon­ser­va­tiv aus­fie­le. Da es ins­be­son­de­re dem Ze­den­ten da­rauf an­ge­kom­men sei, auch te­le­fo­nisch han­deln zu kön­nen, sei es zu den ri­si­ko­freu­di­gen An­ga­ben ge­kom­men. Da­rü­ber hi­naus be­haup­tet die Klä­ge­rin, sie und der Ze­dent seien davon aus­ge­gan­gen, dass maß­geb­lich für die Be­ra­tung und An­la­ge­emp­feh­lun­gen ihre ex­pli­zit ge­äu­ßer­ten Wün­sche seien und nicht das pro forma aus­ge­füll­te Ri­si­ko­pro­fil. 10 Wei­ter be­haup­tet die Klä­ge­rin, sie hät­ten im Be­ra­tungs­ge­spräch aus­drück­lich ge­äu­ßert, eine ak­tien­markt­neut­ra­le An­la­ge tä­ti­gen zu wol­len, am liebs­ten eine Fest­geld­an­la­ge. Die Zeu­gin R habe ihnen das streit­ge­gen­ständ­li­che Zer­ti­fi­kat mit den Wor­ten er­läu­tert, Zer­ti­fi­ka­te hät­ten sich in den letz­ten Jah­ren zu einer ech­ten Al­ter­na­ti­ve zum Fest­geld ent­wi­ckelt. 11 Ab­ge­se­hen von der un­strei­ti­gen Auf­klä­rung zu Fol­gen einer Un­ter­per­for­man­ce des Div­DAX gegen­über dem DAX sei keine Auf­klä­rung hin­sicht­lich der Funk­ti­ons­wei­se und der Ri­si­ken des Zer­ti­fi­kats er­folgt, ins­be­son­de­re habe die Zeu­gin R zwar den von der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten zu zah­len­den Aus­ga­be­auf­schlag er­wähnt, nicht je­doch die wei­te­ren, von der Be­klag­ten er­wirt­schaf­te­ten Er­trä­ge. Dies­be­züg­lich be­strei­tet die Klä­ge­rin den Vor­trag der Be­klag­ten, wo­nach die streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­ka­te im Rah­men eines Fest­preis­ge­schäfts ver­kauft wor­den seien. Es han­de­le sich viel­mehr, dies folge auch aus den Ef­fek­ten­ab­rech­nun­gen der Be­klag­ten, um Kom­mis­si­ons­ge­schäf­te. 12 Die Klä­ge­rin be­haup­tet wei­ter, es sei feh­ler­haft kein Hin­weis da­rauf er­folgt, dass die An­la­ge kei­ner Si­che­rungs­ein­rich­tung un­ter­le­gen hätte. Da­rü­ber hi­naus seien sie nicht da­rü­ber auf­ge­klärt wor­den, dass die Rück­zah­lung des ein­ge­zahl­ten Ka­pi­tals von der Wert­ent­wick­lung der zu­grun­de­lie­gen­den In­di­zes ab­hän­gig sei und der Wert der Zer­ti­fi­ka­te des­halb wäh­rend der Lauf­zeit er­heb­li­chen Schwan­kun­gen un­ter­lie­gen könne. Es sei auch keine ord­nungs­ge­mä­ße Auf­klä­rung da­rü­ber er­folgt, dass es sich beim Div­DAX und dem DAX um einen Ver­gleich zweier In­di­zes han­de­le, deren Be­rech­nun­gen unter­schied­lich seien. So han­de­le es sich beim den je­weils zu­grun­de­ge­leg­ten In­di­zes bei dem Div­DAX um einen Preis- und bei dem DAX um einen Per­for­man­ce-Index. Die unter­schied­li­chen Be­rech­nungs­me­tho­den führ­ten dazu, dass das Er­rei­chen und Über­schrei­ten der Si­cher­heits­schwel­le deut­lich wahr­schein­li­cher sei. Funk­ti­ons­wei­se und Ren­di­te­chan­cen bzw. -ri­si­ken seien dem­ent­spre­chend weder münd­lich noch schrift­lich ord­nungs­ge­mäß dar­ge­stellt wor­den. Viel­mehr hät­ten so­wohl der Pro­dukt­fly­er als auch die Zeu­gin R fälsch­lich sug­ge­riert, es werde Glei­ches mit Glei­chem ver­gli­chen. 13 Schließ­lich seien keine Hin­wei­se auf ein Ver­lust­ri­si­ko bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung gem. § 4 (f) bzw. § 6 (l) der Kon­so­li­dier­ten Be­din­gun­gen gem. Ver­kaufs­pros­pekt er­folgt, sowie da­rauf, dass der Aus­ga­be­wert mög­li­cher­wei­se über dem Markt­wert lie­gen würde und dass ein Han­del mit den Zer­ti­fi­ka­ten am Se­kun­där­markt nicht ge­währ­leis­tet wurde. Sie seien auch nicht da­rauf hin­ge­wie­sen wor­den, dass sie das In­sol­venz­ri­si­ko der Emit­ten­tin tra­gen wür­den. 14 Be­züg­lich der te­le­fo­ni­schen Order der Wert­pa­pie­re be­haup­tet die Klä­ge­rin, die Zeu­gin R sei mit ihr und dem Ze­den­ten zu­nächst alle Fra­gen durch­ge­gan­gen, die spä­ter auf Band auf­ge­zeich­net wor­den seien. Sie hätte ihnen ge­sagt, auf die Frage „ Er­folgt die Zeich­nung auf ei­ge­nen Wunsch? “ sei mit „ ja “ zu ant­wor­ten. Tat­säch­lich habe die Frage dann aber spä­ter ge­lau­tet „ Er­folgt die Zeich­nung auf ei­ge­nen Wunsch und nicht nach Be­ra­tung der W-Bank? “. Diese Ab­wei­chung hät­ten sie und der Ze­dent je­doch zum da­ma­li­gen Zeit­punkt nicht als we­sent­lich an­ge­se­hen. 15 Da­rü­ber hi­naus sei auch die Be­ra­tung nach dem Kauf feh­ler­haft ge­we­sen, die Be­klag­te hätte eine Ver­kaufs­emp­feh­lung aus­spre­chen müs­sen. Die Klä­ge­rin be­haup­tet hier­zu, sie und der Ze­dent hät­ten sich nach dem Kauf bei einem Be­ra­tungs­ge­spräch im Feb­ru­ar 2008 nach der Si­cher­heit der An­la­ge er­kun­digt. Die Zeu­gin R habe ge­sagt, sie soll­ten sich keine Sor­gen ma­chen. Auch bei einem wei­te­ren Ge­spräch An­fang Sep­tem­ber 2008, bei dem der Ze­dent die Zeu­gin R auf den da­mals ein­ge­tre­te­nen Wert­ver­fall des Zer­ti­fi­kats an­ge­spro­chen habe, habe die Zeu­gin R ge­sagt, sie soll­ten sich keine Sor­gen ma­chen und das Zer­ti­fi­kat auf kei­nen Fall ver­kau­fen. Selbst wenn T in Schwie­rig­kei­ten sei, würde sie über­nom­men wer­den. In die­sem Fall liefe das Zer­ti­fi­kat ein­fach wei­ter. Bei einem Te­le­fo­nat we­ni­ge Tage spä­ter habe die Zeu­gin R noch­mals von einem Ver­kauf ab­ge­ra­ten. Nach Be­kannt­wer­den des Gläu­bi­ger­schutz­an­tra­ges habe es dann noch ein Ge­spräch zwi­schen dem Ze­den­ten und der Zeu­gin R am 19.09.2008 ge­ge­ben, an­läss­lich derer die Zeu­gin R ge­äu­ßert habe, sie habe vor ihrem Urlaub eine E-Mail-An­fra­ge an die Zent­ra­le der Be­klag­ten be­züg­lich T ge­sandt und von dort die Ant­wort „Mit T ist alles in Ord­nung“ er­hal­ten. Diese Ant­wort würde sie gut ver­wah­ren, wo­mög­lich bräuch­te sie sie spä­ter. Wei­ter habe die Zeu­gin R ge­sagt, mög­li­cher­wei­se werde T bald an C ver­kauft. 16 Die Klä­ge­rin ist der An­sicht, es hätte in die­sen Ge­sprä­chen eines Hin­wei­ses auf die ge­stie­ge­nen Ri­si­ken be­durft. Im Rah­men der Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens sei davon aus­zu­ge­hen, dass sie – die Klä­ge­rin – bei ent­spre­chen­den Hin­wei­sen auf die Pres­se­be­rich­te und die ge­stie­ge­nen Ri­si­ken die Zer­ti­fi­ka­te ver­äu­ßert hätte. 17 Im Schrift­satz vom 02.12.2010 hat die Klä­ge­rin die Wil­lens­er­klä­run­gen zum Kauf der Zer­ti­fi­ka­te unter Be­ru­fung auf § 312b Abs. 1 BGB wi­der­ru­fen. 18 Zur Höhe des gel­tend ge­mach­ten ent­gan­ge­nen Zins­ge­winns trägt die Klä­ge­rin vor, dass sie bei einer al­ter­na­ti­ven Fest­geld­an­la­ge oder einer An­la­ge in fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re eine Ren­di­te von vier Pro­zent p.a. hätte er­wirt­schaf­ten kön­nen. Dies folge aus der ent­spre­chen­den EWU-Zins­sta­tis­tik. 19 Die Klä­ge­rin be­an­tragt, 20 1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 132.600,00 EUR nebst Zin­sen in Höhe von vier Pro­zent ab dem 10.07.2007 bis zum 10.08.2010 und in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 10.08.2010 zu zah­len, Zug um Zug gegen Über­tra­gung von 130 Alpha Ex­press Zer­ti­fi­ka­ten der T Trea­su­ry Co. B.V. mit der ISIN ###; 21 2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te mit der An­nah­me der zu 1) ge­nann­ten Zer­ti­fi­ka­te in An­nah­me­ver­zug ist. 22 Die Be­klag­te be­an­tragt, 23 die Klage ab­zu­wei­sen. 24 Sie be­strei­tet den ge­sam­ten Vor­trag der Klä­ge­rin und trägt vor, die Be­ra­tung sei an­le­ger- und ob­jekt­ge­recht ge­we­sen. Sie äu­ßert Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der Ab­tre­tung der mit der Klage gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che und ist der An­sicht, dass aus der vor­ge­leg­ten Ab­tre­tungs­ur­kun­de keine echte Ab­tre­tung, son­dern al­len­falls eine Er­mäch­ti­gung zur ge­will­kür­ten Pro­zess­stand­schaft und zum For­de­rungs­ein­zug her­vor­ge­he. Weder die Klä­ge­rin noch der Ze­dent seien der­art vor­sich­ti­ge An­le­ger, wie sie dies in den Schrift­sät­zen schil­der­ten. Dies folge be­reits aus ihren Ri­si­ko­pro­fi­len. Da­rü­ber hi­naus sei deren Ri­si­ko­trag­fä­hig­keit auf­grund des hohen Ge­samt­ver­mö­gens, ihrer Ein­kom­mens­si­tu­a­tion und ihres jun­gen Al­ters ge­ge­ben ge­we­sen. 25 Die Zeu­gin R habe das streit­ge­gen­ständ­li­che Zer­ti­fi­kat um­fas­send an­hand des Pro­dukt­fly­ers er­läu­tert und dabei auf alle für die An­la­ge­ent­schei­dung we­sent­li­chen Ri­si­ken hin­ge­wie­sen. Auch auf den Aus­ga­be­auf­schlag sowie auf die wei­te­ren Er­trä­ge habe sie auf­merk­sam ge­macht. Der Pro­dukt­fly­er kläre voll­stän­dig und rich­tig über Funk­ti­ons­wei­se und Ri­si­ken des Zer­ti­fi­kats auf. Da­rü­ber hi­naus habe die Zeu­gen R da­rauf hin­ge­wie­sen, dass die „ Ba­sis­in­for­ma­tion über Wert­pa­pie­re “, die der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten be­reits vor­ge­le­gen hät­ten, wei­te­re In­for­ma­tio­nen ent­hal­te und emp­foh­len, diese vor der Ent­schei­dung zu lesen. Diese „Ba­sis­in­for­ma­tion“, die die Be­klag­te als An­la­ge B11, Bl.119ff. aus­zugs­wei­se vor­legt, sei der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten be­reits bei Er­stel­lung der Ri­si­ko­pro­fi­le über­ge­ben wor­den. 26 Die Be­klag­te be­strei­tet, dass an­läss­lich des streit­ge­gen­ständ­li­chen Be­ra­tungs­ge­sprächs über den Wunsch zum Er­werb einer Im­mo­bi­lie ge­spro­chen wor­den sei. Hin­sicht­lich des te­le­fo­nisch er­teil­ten Auf­tra­ges be­haup­tet die Be­klag­te, die Zeu­gin R habe le­dig­lich dazu ge­ra­ten, bei dem Te­le­fo­nat die Bank­unter­la­gen griff­be­reit zu haben, da drei Iden­ti­fi­zie­rungs­fra­gen ge­stellt wür­den. 27 Die In­sol­venz der T sei ob­jek­tiv zu kei­nem Zeit­punkt vor­her­seh­bar ge­we­sen, auch die Be­klag­te sei hier­von über­rascht wor­den, zumal die maß­geb­li­chen Ra­ting-Agen­tu­ren bis zu­letzt eine po­si­ti­ve Be­wer­tung der Bo­ni­tät von T ab­ge­ge­ben hät­ten. Die Be­klag­te be­strei­tet die von der Klä­ge­rin be­haup­te­ten zahl­rei­chen Nach­fra­gen nach dem Kauf der Zer­ti­fi­ka­te. Es habe le­dig­lich einen Te­le­fon­an­ruf des Ze­den­ten ver­mut­lich Mitte Sep­tem­ber 2008 ge­ge­ben, in dem es darum ge­gan­gen sei, dass sich der Ze­dent auf­grund der Pres­se­mit­tei­lun­gen Sor­gen um eine mög­li­che In­sol­venz von T ge­macht habe. Die Zeu­gin R habe da­rauf­hin mit­ge­teilt, sie rech­ne nicht mit einer In­sol­venz, im schlimms­ten Fall sei mit einer Über­nah­me oder einer staat­li­chen Ret­tung zu rech­nen. Eine Emp­feh­lung zum Hal­ten oder zum Ver­kauf der Zer­ti­fi­ka­te sei nicht er­folgt. Oh­ne­hin habe im Sep­tem­ber be­reits keine ob­jek­tiv sinn­vol­le Ver­kaufs­mög­lich­keit der Zer­ti­fi­ka­te mehr be­stan­den. 28 Das Ge­richt hat Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung des Ze­den­ten und der Zeu­gin R. Hin­sicht­lich des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 05.05.2011, Bl.227ff. d.A. ver­wie­sen. 29 ENT­SCHEI­DUNGS­GRÜN­DE 30 Die Klage ist zu­läs­sig, aber un­be­grün­det. Die Klä­ge­rin hat unter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt einen An­spruch auf Scha­dens­er­satz wegen der streit­ge­gen­ständ­li­chen Wert­papier­an­la­gen. 31 I. 32 Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten ist al­ler­dings von einer Ak­tiv­le­gi­ti­ma­tion der Klä­ge­rin aus­zu­ge­hen. Sie hat als An­la­ge K7 (An­la­gen­heft) die Ab­tre­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen ihr und dem Ze­den­ten vor­ge­legt. Aus die­ser Ab­tre­tungs­ver­ein­ba­rung er­gibt sich ein­deu­tig, dass der Ze­dent seine Scha­dens­er­satz­an­sprü­che in­klu­si­ve Ne­ben­for­de­run­gen an die Zes­si­o­na­rin ab­ge­tre­ten hat. Es ist da­rü­ber hi­naus klar­ge­stellt, dass ein­zig die Klä­ge­rin be­rech­tigt ist, den Scha­dens­er­satz­an­spruch im ei­ge­nen Namen gel­tend zu ma­chen und der Ze­dent sich kei­ner wei­te­ren Scha­dens­er­satz­an­sprü­che auf­grund der streit­ge­gen­ständ­li­chen An­la­ge­be­ra­tung mehr rühmt. Grün­de, warum diese Ab­tre­tung un­wirk­sam sein soll­te, sind nicht er­sicht­lich und von der Be­klag­ten auch nicht vor­ge­tra­gen wor­den. 33 II. 34 Es be­steht kein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Wert­papier­käu­fe gem. §§ 346 Abs. 1, 355, 312d Abs. 1, 312b Abs. 1 BGB auf­grund des von der Klä­ge­rin im Schrift­satz vom 02.12.2010 er­klär­ten Wi­der­rufs der Zu­stim­mung zu den streit­ge­gen­ständ­li­chen Wert­papier­käu­fen. 35 Im vor­lie­gen­den Fall liegt kein Fern­ab­satz­ge­schäft vor. Gem. § 312b Abs. 1 BGB ist ein sol­ches nur dann zu be­ja­hen, wenn es sich um einen Ver­trag über die Lie­fe­rung von Waren oder über die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen, ein­schließ­lich Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, han­delt, der zwi­schen einem Un­ter­neh­mer und einem Ver­brau­cher unter aus­schließ­li­cher Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln ab­ge­schlos­sen wird. Hier hat un­strei­tig vor der An­la­ge­ent­schei­dung ein per­sön­li­ches Be­ra­tungs­ge­spräch zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten auf der einen Seite und der Zeu­gin R auf der an­de­ren Seite statt­ge­fun­den. Die dann (wenig) spä­ter ge­trof­fe­ne Kauf­ent­schei­dung ist also nicht aus­schließ­lich auf­grund fern­münd­li­cher Kom­mu­ni­ka­tion er­folgt, so­dass be­reits aus die­sem Grund kein Wi­der­rufs­recht be­steht (vgl. hier­zu Pa­landt/ Grü­ne­berg, § 312b Rn.8). Auf die wei­ter­ge­hen­de Frage, ob im vor­lie­gen­den Fall § 312d Abs. 4 Nr. 6 BGB ein­greift und auch des­we­gen der Kauf der Zer­ti­fi­ka­te nicht wi­der­ru­fen wer­den kann, kommt es im vor­lie­gen­den Fall nicht an. 36 III. 37 Es be­steht auch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin gegen die Be­klag­te auf­grund der An­la­ge­be­ra­tung vom 31.05.2007. Ein sol­cher An­spruch könn­te sich nur er­ge­ben aus §§ 280 Abs. 1, 398 BGB i.V.m. dem zwi­schen den Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­me­nen Be­ra­tungs­ver­trag. 38 1. 39 Zwar ist ein Be­ra­tungs­ver­trag an­läss­lich des Ge­sprächs am 31.05.2007 je­den­falls still­schwei­gend zu­stan­de ge­kom­men. Die Be­klag­te hat je­doch ihre sich hie­raus er­ge­ben­den Pflich­ten nicht ver­letzt. 40 2. 41 In­halt und Um­fang der sich aus dem Be­ra­tungs­ver­trag er­ge­ben­den Be­ra­tungs­pflich­ten hän­gen von den Um­stän­den des Ein­zel­falls ab. Dabei sind ent­schei­dend ei­ner­seits der Wis­sens­stand des Kun­den über An­la­ge­ge­schäf­te der vor­ge­se­he­nen Art und des­sen Ri­si­ko­be­reit­schaft, wobei das vom Kun­den an­ge­ge­be­ne An­la­ge­ziel zu be­rück­sich­ti­gen ist („an­le­ger­ge­rech­te Be­ra­tung“), sowie an­de­rer­seits die all­ge­mei­nen Ri­si­ken, die sich aus den be­son­de­ren Ge­ge­ben­hei­ten des An­la­ge­ob­jekts er­ge­ben („ob­jekt­ge­rech­te Be­ra­tung“). Über diese Um­stän­de hat die Bank rich­tig, sorg­fäl­tig, zeit­nah, voll­stän­dig und für den Kun­den ver­ständ­lich zu un­ter­rich­ten, so­weit es für das kon­kre­te An­la­ge­ge­schäft von Be­deu­tung ist (vgl. BGHZ 123, 126; WM 2000, 1441, NJW 2009, 2967; NJW 2008, 3700; OLG Köln, Urteil vom 23.06.2010, Az. 13 U 222/09 m.w.N.). 42 Aus­ge­hend von die­sen Kri­te­rien liegt im vor­lie­gen­den Fall eine Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten nicht vor bzw. waren der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten bei der Ent­schei­dung für die An­la­ge sämt­li­che re­le­van­ten Ge­sichts­punk­te be­kannt, so­dass ein et­wai­ger Scha­dens­er­satz­an­spruch je­den­falls im Rah­men eines Mit­ver­schul­dens der Klä­ge­rin bzw. des Ze­den­ten gem. § 254 BGB auf Null re­du­ziert wäre. Im Ein­zel­nen gilt Fol­gen­des: 43 a) 44 Maß­ge­blich für die Frage der an­le­ger- und ob­jekt­ge­rech­ten Be­ra­tung sind im vor­lie­gen­den Fall nicht nur die – zwi­schen den Par­tei­en im Ein­zel­nen strei­ti­gen – münd­li­chen Hin­wei­se und Er­läu­te­run­gen der Zeu­gin R, son­dern auch die An­ga­ben im Pro­dukt­fly­er. Un­strei­tig fand die Be­ra­tung an­hand die­ses Pro­dukt­fly­ers statt. Eben­falls un­strei­tig nah­men die Klä­ge­rin und der Ze­dent die­sen nach dem Be­ra­tungs­ge­spräch mit, weil sie noch keine Ent­schei­dung tref­fen, son­dern sich viel­mehr die An­ge­le­gen­heit noch­mals über­le­gen woll­ten. In einem sol­chen Fall kommt es nicht al­lein auf die münd­lich er­teil­ten In­for­ma­tio­nen an. Viel­mehr müs­sen die An­le­ger auch die in der schrift­li­chen Pro­dukt­in­for­ma­tion ent­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen gegen sich gel­ten las­sen. 45 Es ist in der Recht­spre­chung an­er­kannt, dass ein An­la­ge­be­ra­ter sei­ner Pflicht zur voll­stän­di­gen und rich­ti­gen In­for­ma­tion über das An­la­ge­pro­dukt auch durch die Über­ga­be eines Pros­pekts er­fül­len kann, so­fern die­ser nach Form und In­halt ge­eig­net ist, die nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen wahr­heits­ge­mäß und ver­ständ­lich zu ver­mit­teln und er von dem An­la­ge­in­te­res­sen­ten so recht­zei­tig vor dem Ver­trags­schluss über­ge­ben wird, dass des­sen In­halt noch zur Kennt­nis ge­nom­men wer­den kann (vgl. BGH, Urteil vom 05.03.2009, Az.: III ZR 302/07). Dies war hier der Fall, da zwi­schen dem Be­ra­tungs­ge­spräch am 31.05.2007 und der te­le­fo­ni­schen Order am 05.06.2007 fünf Tage lagen. Dies ist eine aus­rei­chen­de Zeit­span­ne, um den 14 Sei­ten um­fas­sen­den Flyer voll­stän­dig zur Kennt­nis zu neh­men und ggf. Rück­fra­gen zu stel­len. Zu be­to­nen ist, dass das Datum der te­le­fo­ni­schen Order auf einer al­lei­ni­gen Ent­schei­dung der Klä­ge­rin und des Ze­den­ten be­ruh­te, diese hier­mit zu ver­ste­hen gaben, dass sie in der Zeit vom 31.05.2007 bis zum 05.06.2007 aus­rei­chend Zeit hat­ten, sich die An­ge­le­gen­heit er­neut zu über­le­gen. Eine Order wäre auch noch spä­ter mög­lich ge­we­sen (die Zeich­nungs­frist lief erst am 29.06.2007 ab, die Wert­stel­lung er­folg­te erst zum 10.07.2007). 46 Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten kommt es bei der Frage der ord­nungs­ge­mä­ßen Be­ra­tung nicht auf die als An­la­ge B11 in Aus­zü­gen vor­ge­leg­te „ Ba­sis­in­for­ma­tion über Wert­pa­pie­re “ an. Ab­ge­se­hen davon, dass frag­lich ist, ob eine all­ge­mei­ne Bro­schü­re eine ord­nungs­ge­mä­ße Auf­klä­rung hin­sicht­lich eines kon­kre­ten An­la­ge­ge­schäfts dar­stel­len kann, han­delt es sich bei der vor­ge­leg­ten Bro­schü­re um ein Do­ku­ment der „Z Bank“ (vgl. An­la­ge B11, Bl.119ff.). Zu dem Zeit­punkt, zu dem die Be­klag­te der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten die Bro­schü­re über­reicht haben will, hieß sie al­ler­dings noch „W-Bank“. Bei der An­la­ge B11 kann es sich somit nicht um die da­mals an­geb­lich über­reich­te Bro­schü­re han­deln, so­dass sich die Be­klag­te auch nicht auf ihren In­halt be­ru­fen kann. 47 Die Recht­spre­chung des BGH in sei­nem Urteil vom 12.07.2007 (Az.: III ZR 145/06), die die Klä­ge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang zi­tiert, führt nicht zu einer an­de­ren Sicht­wei­se. Der BGH hat in die­sem Urteil le­dig­lich fest­ge­stellt, dass ein An­la­ge­ver­mitt­ler nicht durch münd­li­che Er­klä­run­gen bei dem In­te­res­sen­ten den Ein­druck er­we­cken darf, die­ser er­hal­te hier­durch – münd­lich – die al­lein maß­geb­li­che, voll­stän­di­ge Auf­klä­rung und brau­che sich den Pros­pekt über­haupt nicht mehr an­zu­se­hen. Dass ein sol­cher Ein­druck er­weckt wor­den ist, trägt die Klä­ge­rin schon nicht vor; es ist auch frag­lich, ob er tat­säch­lich ent­ste­hen konn­te, wenn die Be­ra­tung un­strei­tig an­hand des dann über­ge­be­nen und für wei­te­re Über­le­gun­gen mit­ge­nom­me­nen Pro­dukt­fly­ers statt­fand. Ab­ge­se­hen davon ist ent­schei­dend im vor­lie­gen­den Fall aber die Tat­sa­che, dass der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten die münd­li­chen Er­klä­run­gen der Zeu­gin R beim Be­ra­tungs­ge­spräch am 31.05.2007 nicht aus­reich­ten, son­dern sie sich unter Mit­nah­me des Pro­dukt­fly­ers die An­ge­le­gen­heit noch ein­mal über­le­gen woll­ten. In einem sol­chen Fall fällt es in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des An­le­gers, bei der wei­te­ren Über­le­gung die ihm über­reich­ten Pro­dukt­in­for­ma­tion auch zur Kennt­nis zu neh­men und ggf. – soll­ten Un­klar­hei­ten be­ste­hen – wei­te­re Nach­fra­gen zu stel­len. Tut er dies nicht, geht dies nicht zu Las­ten der Bank. 48 b) 49 Die Klä­ge­rin und der Ze­dent sind ord­nungs­ge­mäß über Funk­ti­ons­wei­se und alle we­sent­li­chen Ri­si­ken des streit­ge­gen­ständ­li­chen „Alpha Ex­press II“ Zer­ti­fi­kats auf­ge­klärt wor­den, so­dass eine ob­jekt­ge­rech­te Be­ra­tung statt­fand. 50 aa) 51 Der Pro­dukt­fly­er stellt ent­ge­gen der An­sicht der Klä­ge­rin die Funk­ti­ons­wei­se des Zer­ti­fi­kats ord­nungs­ge­mäß dar. Die An­la­ge orien­tier­te sich an der Ent­wick­lung zweier nam­haf­ter In­di­zes, des Div­DAX und des DAX, zu­ei­nan­der. Dies be­deu­tet, dass die von der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten ge­wünsch­te „Markt­neut­ra­li­tät“ grund­sätz­lich vor­han­den war, denn da es für die Aus­zah­lung der Di­vi­den­de da­rauf an­kom­men soll­te, dass der Div­DAX sich re­la­tiv bes­ser im Wert ent­wi­ckel­te als der DAX, be­stand die Chan­ce, auch bei sin­ken­den Märk­ten einen Ge­winn zu ma­chen. Eine voll­stän­di­ge Markt­neut­ra­li­tät ist bei einer In­ves­ti­tion in Wert­pa­pie­re nie zu er­rei­chen; dies muss­te auch der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten klar sein, die über nicht un­er­heb­li­che Vor­er­fah­run­gen im Wert­papier­ge­schäft ver­füg­ten. 52 Auf S. 2 des Flyers ist die ge­schil­der­te Funk­ti­ons­wei­se des Zer­ti­fi­kats in ver­ständ­li­chen Wor­ten er­klärt. Da­rü­ber hi­naus ist dort unter der Über­schrift „ Die Crème de la Crème “ be­schrie­ben, seit wann der Div­DAX be­steht und wie er sich zu­sam­men­setzt. Aus­drü­cklich wird da­rauf hin­ge­wie­sen, dass zu die­sem Index die 15 Un­ter­neh­men des DAX Index‘ ge­hö­ren, die ihren Ak­tio­nä­ren die höchs­ten Aus­schüt­tun­gen haben zu­kom­men las­sen. Deut­lich wird auch, dass Be­zugs­grö­ße der Div­DAX Preis­in­dex ist (u.a. folgt dies aus der Über­schrift auf S.4 des Flyers). 53 Eben­so deut­lich wird, dass der Div­DAX Preis­in­dex ins Ver­hält­nis ge­setzt wurde zum DAX. Dass es sich hier­bei um den DAX-Per­for­man­ce­in­dex han­del­te, be­durf­te kei­ner wei­te­ren Er­läu­te­rung. Die Dar­stel­lung des DAX als Per­for­man­ce­in­dex ist üb­li­che Kon­ven­tion; der Preis- oder Kurs­in­dex des DAX wird nicht mit dem Sym­bol „DAX“, son­dern mit dem Sym­bol „DAXK“ ge­kenn­zeich­net. 54 So­weit die Klä­ge­rin vor­trägt, es hätte na­he­ge­le­gen, je­weils die In­di­zes in der glei­chen Be­rech­nungs­wei­se ei­nan­der gegen­über zu stel­len, ver­fängt die­ses Ar­gu­ment nicht: Es war die Ent­schei­dung der Emit­ten­tin, die Funk­ti­ons­wei­se des Zer­ti­fi­kats da­hin­ge­hend zu de­fi­nie­ren, den Div­DAX Preis­in­dex und den DAX ins Ver­hält­nis zu set­zen. Sie war le­dig­lich ver­pflich­tet, die An­le­ger ord­nungs­ge­mäß über diese Funk­ti­ons­wei­se zu in­for­mie­ren. Dies tat sie im Pro­dukt­fly­er in aus­rei­chen­der Form. 55 So­weit die von der Klä­ge­rin zi­tier­te Ent­schei­dung des Land­ge­richts Bie­le­feld (Urteil vom 30.07.2010, Az. 1 O 351/09) da­rauf ab­stellt, dass eine Dif­fe­renz der Ver­laufs­kur­ven zu ver­zeich­nen ist, je nach­dem, ob man die bei­den In­di­zes als Per­for­man­ce­in­di­zes ver­gleicht oder, wie in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­kat ge­sche­hen, den Div­DAX als Preis­in­dex und den DAX als Per­for­man­ce­in­dex und sich der tat­säch­lich zu­grun­de ge­leg­te Div­DAX Preis­in­dex we­sent­lich schlech­ter ent­wi­ckelt hat als der Div­DAX Per­for­man­ce­in­dex, näm­lich sich von 2005 an „nur re­la­tiv knapp über dem DAX-Index“ be­weg­te, so ist auch dies aus dem Flyer er­sicht­lich. Auf S.3 ist ein Schau­bild ent­hal­ten, in dem deut­lich zu er­ken­nen ist, dass sich der Div­DAX nur knapp über dem DAX be­wegt. Da­rü­ber hi­naus ist – auf Basis hy­po­the­ti­scher Zah­len, da der Div­DAX erst seit 2005 exis­tiert – auch zu sehen, dass der Div­DAX in den Jah­ren 1999/2000 unter dem DAX no­tier­te. Damit wird auch er­sicht­lich, dass sich das Ri­si­ko, dass der Div­DAX unter den DAX fällt, durch­aus rea­li­sie­ren kann. 56 So­weit die Klä­ge­rin be­haup­tet, sie und der Ze­dent seien nicht da­rü­ber auf­ge­klärt wor­den, dass der Wert der Zer­ti­fi­ka­te von der Wert­ent­wick­lung der zu­grun­de­le­gen­den In­di­zes ab­hän­gig ist (vgl. Kla­ge­schrift, S.9, Bl.9 d.A.), steht die­ser Vor­trag im Üb­ri­gen im Wi­der­spruch zum Vor­trag auf S.4 der Kla­ge­schrift (Bl.4 d.A.), wo­nach die Zeu­gin R dar­stell­te, dass eine Un­ter­per­for­man­ce des Div­DAX gegen­über dem DAX von mehr als 3% zu Ren­di­te­ein­bu­ßen füh­ren könn­te und bei einer Un­ter­per­for­man­ce des Div­DAX zu 100% gegen­über dem DAX rein theo­re­tisch auch ein To­tal­ver­lust denk­bar sei. 57 bb) 58 Aus dem Pro­dukt­fly­er folgt ein­deu­tig, dass nicht di­rekt in Ak­tien des DAX bzw. Div­DAX in­ves­tiert wurde, son­dern viel­mehr – wie auch von der Zeu­gin R nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin dar­ge­stellt – eine Wette auf den Div­DAX und den DAX er­folg­te. Die Frage „ Wer möch­te also nicht in die 15 di­vi­den­den­stärks­ten Un­ter­neh­men des DAX Index in­ves­tie­ren? “ auf S.3 des Flyers ist von der Klä­ge­rin aus dem Zu­sam­men­hang he­raus zi­tiert. Die Frage steht am Ende einer Er­läu­te­rung über die Funk­ti­ons­wei­se des Zer­ti­fi­kats und be­zieht sich er­sicht­lich auf die zuvor er­läu­ter­te Zu­sam­men­set­zung des Div­DAX und die Tat­sa­che, dass sich für das er­folg­rei­che Lau­fen des Zer­ti­fi­kats die­ser Div­DAX bes­ser ent­wi­ckeln muss als der DAX. 59 cc) 60 Auch über die Emit­ten­tin wur­den Klä­ge­rin und Ze­dent ord­nungs­ge­mäß auf­ge­klärt. Aus den „Pro­dukt­eigen­schaf­ten“ auf S.10 des Flyers folgt, dass Emit­ten­tin die T Co. B.V. und Ga­ran­tie­ge­be­rin die T Inc. ist. Auf S.13 folgt eine Er­läu­te­rung zu T, in der da­rauf hin­ge­wie­sen ist, dass es sich um eine der füh­ren­den In­vest­ment­ban­ken mit Stamm­sitz in New York han­delt, dass ein welt­wei­tes Netz an Nie­der­las­sun­gen be­treibt. Hie­raus er­gibt sich ein­deu­tig, dass es sich bei T um ein aus­län­di­sches Un­ter­neh­men han­delt. Wenn der Ze­dent, wie die Klä­ge­rin be­haup­tet, tat­säch­lich kein In­vest­ment in den USA hätte tä­ti­gen wol­len, hätte ihm bei Durch­sicht des Flyers je­den­falls klar sein müs­sen, dass Ga­ran­tie­ge­be­rin des Zer­ti­fi­kats ein US-ame­ri­ka­ni­sches Un­ter­neh­men war. An­ders ist der Flyer nicht zu ver­ste­hen. Es wäre ihm mög­lich ge­we­sen, hier­zu wei­te­re Fra­gen zu stel­len oder von der An­la­ge Ab­stand zu neh­men. Tut er dies in Kennt­nis der Emit­ten­tin nicht, kann er sich nicht spä­ter da­rauf be­ru­fen, dass er unter die­sen Um­stän­den die An­la­ge nie ge­zeich­net hätte. 61 dd) 62 Der Pro­dukt­fly­er klärt über alle we­sent­li­chen Ri­si­ken – Kre­dit-, Markt-, Kurs- und Li­qui­di­täts- sowie das Emit­ten­ten­ri­si­ko – ord­nungs­ge­mäß auf. An meh­re­ren Stel­len ist da­rauf hin­ge­wie­sen, dass es bei einem Un­ter­schrei­ten der 15%-Bar­rie­re zu einem Ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals kom­men kann. Auch ist mit einem Hin­weis auf das Kre­dit­ri­si­ko sowie dem Zu­satz auf S.9 des Flyers, dass die Rück­zah­lung am Ende der Lauf­zeit von der Bo­ni­tät der Emit­ten­tin ab­hängt, aus­rei­chend auf das Emit­ten­ten­ri­si­ko hin­ge­wie­sen. 63 Ein wei­te­rer Hin­weis auf das Emit­ten­ten­ri­si­ko war nicht er­for­der­lich. Das Ri­si­ko eines in­sol­venz­be­ding­ten To­tal­ver­lus­tes be­steht im Prin­zip immer und ist grund­sätz­lich auch je­der­mann be­wusst. Einer ex­pli­zi­ten Auf­klä­rung be­darf es daher nur dann, wenn sich das ab­s­trak­te und theo­re­ti­sche In­sol­venz­ri­si­ko auf­grund kon­kre­ter An­halts­punk­te ver­dich­tet. Sol­che An­halts­punk­te be­stan­den im vor­lie­gen­den Fall nicht. Die In­sol­venz der T im Sep­tem­ber 2008 war zum Zeit­punkt des Ver­kaufs der hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­ka­te im Mai/ Juni 2007 nicht ab­seh­bar. T Inc. war eine US-ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­ti­ons­bank, auf­grund deren Größe und Be­deu­tung für die Wirt­schaft es bis kurz vor der In­sol­venz für un­mög­lich ge­hal­ten wurde, dass die ame­ri­ka­ni­sche Re­gie­rung nicht ein­grei­fen würde, um die Bank zu ret­ten (vgl. zu die­ser Frage OLG Köln, Urteil vom 23.06.2010, Az.: 13 U 222/09 zu einem Be­ra­tungs­ge­spräch im April 2008). 64 ee) 65 Nach An­sicht der Kam­mer be­durf­te es im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Auf­klä­rung über den feh­len­den Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds. Die Klä­ge­rin und der Ze­dent waren keine un­er­fah­re­nen An­le­ger; ins­be­son­de­re hat­ten sie be­reits zuvor in nicht ein­la­gen­si­che­rungs­ge­schütz­te Pro­duk­te in­ves­tiert. Da­rü­ber hi­naus wies der Pro­dukt­fly­er in aus­rei­chen­der Weise auf das Emitt­ent­ten­ri­si­ko hin (s.o.). Wenn eine Auf­klä­rung über das To­tal­ver­lust­ri­si­ko (ins­be­son­de­re des Bo­ni­täts­ri­si­kos) er­folgt ist, so er­gibt sich be­reits hie­raus, dass eine Si­che­rung über den Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds nicht be­steht. Eine ge­son­der­te Auf­klä­rung hie­rü­ber ist dann nicht mehr er­for­der­lich (vgl. OLG Mün­chen, Urteil vom 14.07.2010, Az.: 7 U 1542/10; OLG Frank­furt a.M., Urteil vom 21.09.2010, Az.: 9 U 151/09). 66 Ab­ge­se­hen davon klärt der Pro­dukt­fly­er aber auch aus­drück­lich da­rü­ber auf, dass das Zer­ti­fi­kat nicht durch den Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds ab­ge­si­chert ist. Diese In­for­ma­tion ist auf S.14 unter der Über­schrift „Wei­te­re In­for­ma­tio­nen“ im ers­ten Ab­satz ent­hal­ten. Zwar han­delt es sich hier­bei um das „Klein­ge­druck­te“, dies war aber trotz­dem vom Druck­bild her gut zur Kennt­nis zu neh­men. Da die Klä­ge­rin und der Ze­dent die An­la­ge­ent­schei­dung nach dem münd­li­chen Be­ra­tungs­ge­spräch ge­ra­de noch nicht tref­fen und sich die An­ge­le­gen­heit noch ein­mal über­le­gen woll­ten, war ihnen auch zu­zu­mu­ten, das Klein­ge­druck­te zu lesen. 67 ff) 68 Der Pro­dukt­fly­er klärt auch aus­rei­chend über Art und Höhe der Er­trä­ge auf, die die Be­klag­te mit dem Ver­kauf der streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­ka­te er­wirt­schaf­te­te. Auf S.14 im Flyer ist aus­drück­lich an­ge­ge­ben, dass die W-Bank über die in der Bro­schü­re be­reits ge­nann­ten Pro­vi­sio­nen hi­naus eine Rück­ver­gü­tung in Höhe von 2,2% für den Ab­schluss von der Emit­ten­tin er­hält. Der Be­griff „Rück­ver­gü­tung“ sowie die Höhe sind druck­tech­nisch durch Fett­druck her­vor­ge­ho­ben, so­dass diese In­for­ma­tion auch bei einem blo­ßen Über­flie­gen der Seite ein­fach zur Kennt­nis zu neh­men war. 69 Wei­te­re In­for­ma­tio­nen hier­zu schul­de­te die Be­klag­te nicht, da sie mit die­sen An­ga­ben aus­rei­chend auf den In­te­res­sen­kon­flikt – Kun­den­in­te­res­se auf der einen, Pro­vi­si­ons­in­te­res­se auf der an­de­ren Seite – hin­wies. 70 gg) 71 So­weit die Klä­ge­rin die An­sicht ver­tritt, sie sei nicht da­rü­ber auf­ge­klärt wor­den, dass der Emit­ten­tin gem. § 4 (f) bzw. § 6 (l) der Kon­so­li­dier­ten Be­din­gun­gen gemäß Ver­kaufs­pros­pekt das Recht zu­stand, bei Ein­stel­lung des Index oder einer nach­träg­li­chen Än­de­rung der steuer­recht­li­chen Be­hand­lung der Zer­ti­fi­ka­te in dem Land, in dem die Emit­ten­tin bzw. Ga­ran­tin er­rich­tet ist, ver­mag die Kam­mer dies­be­züg­lich kei­nen Be­ra­tungs­feh­ler zu er­ken­nen. 72 Es ist zwar rich­tig, dass in den ge­nann­ten Fäl­len – Ein­stel­lung des Index oder nach­träg­li­che Än­de­rung der steuer­recht­li­chen Be­hand­lung – eine vor­zei­ti­ge Rück­zah­lungs­mög­lich­keit be­stand. Rich­tig ist auch, dass der Pro­dukt­fly­er hie­rü­ber nicht auf­klärt. Al­ler­dings ist die Be­klag­te im Rah­men des Be­ra­tungs­ver­tra­ges nicht ver­pflich­tet, über jede Ein­zel­heit des An­la­ge­pro­duk­tes auf­zu­klä­ren. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass hin­sicht­lich der we­sent­li­chen Ein­zel­hei­ten der Funk­ti­ons­wei­se eine ver­ständ­li­che Er­läu­te­rung er­folgt, die es dem Kun­den er­mög­licht, die mit der An­la­ge ver­bun­de­nen Ri­si­ken ein­schät­zen zu kön­nen. Dies ist hier der Fall; die Mög­lich­keit der Ein­stel­lung des Index oder der Än­de­rung der steuer­recht­li­chen Be­hand­lung waren theo­re­ti­sche Mög­lich­kei­ten; das Ri­si­ko ihres Ein­tritts war zum Zeit­punkt der Be­ra­tung (und ist auch heute noch) zu ver­nach­läs­si­gen. Daher be­steht hie­rü­ber auch keine Auf­klä­rungs­pflicht der Be­klag­ten. Eine in jede Ein­zel­heit ge­hen­de Er­läu­te­rung konn­te die Klä­ge­rin weder in einer zu­sam­men­fas­sen­den Pro­dukt­in­for­ma­tion noch in einer münd­li­chen Be­ra­tung er­war­ten (vgl. für die Rück­zah­lungs­mo­da­li­tä­ten LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 04.10.2010, Az.: 9 U 13/10). 73 hh) 74 Auch so­weit die Klä­ge­rin unter der Über­schrift „ Kom­ple­xi­tät der Schuld­ver­schrei­bungs­be­din­gun­gen “ gel­tend macht, dass die Kon­s­t­ruk­ti­on des emp­foh­le­nen Zer­ti­fi­kats so kom­plex und kom­pli­ziert sei, dass selbst die Emit­ten­tin in ihrem Pros­pekt da­rauf hin­wei­se, dass po­ten­tiel­le In­ves­to­ren Er­fah­run­gen mit der An­la­ge in De­ri­va­te und im Be­son­de­ren in Op­tio­nen und mit Op­ti­ons­ge­schäf­ten haben und die damit ver­bun­de­nen Ri­si­ken ken­nen soll­ten, ist ein Be­ra­tungs­feh­ler im vor­lie­gen­den Fall nicht er­kenn­bar. Der Pro­dukt­fly­er ent­hält in kom­pri­mier­ter Form alle we­sent­li­chen Funk­ti­ons­merk­ma­le und Ri­si­ken des Zer­ti­fi­kats. Wie dar­ge­stellt war eine in jede Ein­zel­heit ge­hen­de Er­läu­te­rung nicht ge­schul­det; viel­mehr war es in­so­fern der Klä­ge­rin und dem Ze­den­ten zu­zu­mu­ten, bei Ver­ständ­nis­prob­le­men Rück­fra­gen zu stel­len oder die Über­mitt­lung des Ver­kaufs­pros­pekts zu ver­lan­gen. Dies gilt ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund, dass so­wohl die Klä­ge­rin als auch der Ze­dent als pro­mo­vier­te Aka­de­mi­ker in der Lage ge­we­sen sein dürf­ten, die Dar­stel­lun­gen im Pro­dukt­fly­er nach­zu­voll­zie­hen bzw. Fra­gen zu for­mu­lie­ren. 75 ii) 76 So­weit die Klä­ge­rin ge­rügt hat, es sei kein Hin­weis da­rauf er­folgt, dass der Aus­ga­be­wert des Zer­ti­fi­kats mög­li­cher­wei­se über dem tat­säch­li­chen Markt­wert am Aus­ga­be­tag lie­gen könn­te, fehlt es in­so­fern schon an subs­tan­tiier­tem Vor­trag eines Be­ra­tungs­feh­lers. Zum Einen hat die Klä­ge­rin nicht vor­ge­tra­gen, dass im vor­lie­gen­den Fall Aus­ga­be- und tat­säch­li­cher Markt­wert dif­fe­rier­ten. Zum An­de­ren dürf­te selbst eine tat­säch­li­che Dis­kre­panz zwi­schen Aus­ga­be- und tat­säch­li­chem Markt­wert nicht zu einem Scha­den des An­le­gers füh­ren. Denn die ge­plan­te Rück­zah­lung des Zer­ti­fi­kats hätte sich je­weils nach dem Aus­ga­be­wert und nicht nach dem Markt­wert ge­rich­tet. Ein An­le­ger hätte dort also kei­nen Ver­lust ge­macht. Zu wel­chem Preis er das Zer­ti­fi­kat bei Be­darf auf dem Zweit­markt hätte ver­äu­ßern kön­nen, hätte sich nach ver­schie­dens­ten Kri­te­rien ge­rich­tet; ob es auch da­rauf an­ge­kom­men wäre, dass der Aus­ga­be­wert des Zer­ti­fi­kat mög­li­cher­wei­se über dem Markt­wert am Aus­ga­be­tag lag, ist un­wahr­schein­lich. 77 jj) 78 Schließ­lich liegt auch kein Be­ra­tungs­feh­ler darin, dass die Klä­ge­rin und der Ze­dent nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin nicht da­rauf hin­ge­wie­sen wur­den, dass aus­weis­lich des Pros­pek­tes ein Han­del auf dem Se­kun­där­markt nicht ge­währ­leis­tet wer­den konn­te. Tat­säch­lich ent­hält auch der Flyer auf S.7 den Hin­weis, dass T In­ter­na­tio­nal (Eu­ro­pe) bör­sen­täg­lich „nach bes­tem Be­mü­hen“ einen so­ge­nann­ten Se­kun­där­markt­preis für das Zer­ti­fi­kat stel­len würde. Hie­raus er­gibt sich be­reits, dass das Be­ste­hen eines Se­kun­där­mark­tes nicht zwin­gend war. Da­rü­ber hi­naus waren die Zer­ti­fi­ka­te auch nach dem ei­ge­nen Vor­trag der Klä­ge­rin tat­säch­lich han­del­bar, so­dass sich das im Pros­pekt ge­schil­der­te Ri­si­ko gar nicht rea­li­siert hat. 79 c) 80 Die Klä­ge­rin kann sich auch nicht da­rauf be­ru­fen, dass die streit­ge­gen­ständ­li­che Be­ra­tung gegen­über ihr oder dem Ze­den­ten nicht an­le­ger­ge­recht ge­we­sen sei. 81 So­wohl die Klä­ge­rin als auch der Ze­dent waren ent­ge­gen ihren An­ga­ben in der Kla­ge­schrift keine rein kon­ser­va­ti­ven An­le­ger. Sie ver­füg­ten über Er­fah­run­gen im Wert­papier­ge­schäft. Die Ri­si­ko­pro­fi­le wie­sen als An­la­ge­stra­te­gie „Er­trag“ (Ze­dent) bzw. „aus­ge­wo­gen“ (Klä­ge­rin) aus. Die im Ri­si­ko­pro­fil ent­hal­te­nen Fra­gen sind ent­spre­chend der je­wei­li­gen Stra­te­gie nicht rein si­cher­heits­orien­tiert be­ant­wor­tet. 82 aa) 83 Ins­be­son­de­re der Ze­dent hat bei den Aus­sa­gen „ Bei mei­nen An­la­gen steht aus­schließ­lich die Si­cher­heit im Vor­der­grund“, „In Geld­an­ge­le­gen­hei­ten gehe ich nur un­gern Ri­si­ken ein “, „ Auch kurz­fris­ti­ge Ver­lust­mög­lich­kei­ten möch­te ich auf jeden Fall ver­mei­den “ und „ Auch wenn nur ein Teil mei­nes Ver­mö­gens ver­lo­ren geht, würde mich das stark be­las­ten “ die je­weils ri­si­ko­freu­digs­te Ant­wort „ stim­me gar nicht zu “ ge­ge­ben. Die Aus­sa­ge „ Ich möch­te gerne hö­he­re Ren­di­ten er­zie­len und bin dafür be­reit, Ri­si­ken zu ak­zep­tie­ren “ hat er mit „ stim­me voll zu “ be­ant­wor­tet. Auch bei den Ren­di­te­mög­lich­kei­ten hat er die ri­si­ko­freu­digs­te Ren­di­te von -20 bis 30% an­ge­kreuzt. Da­rü­ber hi­naus hat er an­ge­ge­ben, dass seine Auf­trä­ge in jedem Fall (auch bei Ab­wei­chung vom Ri­si­ko­pro­fil) aus­ge­führt wer­den sol­len. 84 Aus­ge­hend von die­sem Ri­si­ko­pro­fil war die Emp­feh­lung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­ka­te ver­tret­bar. Der Vor­trag der Klä­ge­rin, die Fra­gen seien nur des­we­gen so ri­si­ko­freu­dig be­ant­wor­tet wor­den, weil man zum Einen dem Ri­si­ko­pro­fil keine Be­deu­tung bei­ge­mes­sen habe und zum An­de­ren nur so die te­le­fo­ni­sche Order von Wert­pa­pie­ren mög­lich ge­we­sen sei, fin­det in der Zu­sam­men­set­zung des De­pots keine Ent­spre­chung. Hätte der Ze­dent die Fra­gen tat­säch­lich nur des­we­gen ri­si­ko­freu­dig be­ant­wor­tet, weil er auch te­le­fo­nisch Wert­pa­pie­re er­wer­ben woll­te, wäre zu er­war­ten ge­we­sen, dass sein Depot kon­ser­va­tiv zu­sam­men­ge­setzt wäre. Dies ist je­doch nicht der Fall. Die Tat­sa­che, dass der Ze­dent einen an­de­ren Teil sei­nes Ver­mö­gens in Fest­geld in­ves­tiert hatte, spricht nicht gegen eine ri­si­ko­freu­di­ge Ein­stel­lung hin­sicht­lich des Teils sei­nes Ver­mö­gens, das in Wert­pa­pie­ren an­ge­legt war. Viel­mehr kann man aus die­ser Art der An­la­ge­men­ta­li­tät schlie­ßen, dass ihm der Unter­schied zwi­schen Fest­geld und Wert­papier­an­la­gen durch­aus be­wusst war. 85 bb) 86 Auch die Klä­ge­rin selbst hat im Ri­si­ko­pro­fil ri­si­ko­freu­di­ge An­ga­ben ge­macht, al­ler­dings nicht ganz so ri­si­ko­freu­dig wie der Ze­dent. So hat sie die zwar bei den Aus­sa­gen „ Auch kurz­fris­ti­ge Ver­lust­mög­lich­kei­ten möch­te ich auf jeden Fall ver­mei­den “ und „ Ich möch­te gern hö­he­re Ren­di­ten er­zie­len und bin dafür be­reit, Ri­si­ken zu ak­zep­tie­ren “ je­weils mit der ri­si­ko­freu­digs­ten Mög­lich­keit be­ant­wor­tet, bei den an­de­ren Aus­sa­gen hat sie je­doch etwas de­fen­si­ve­re Ant­wor­ten als der Ze­dent ge­wählt. Eben­so wie er hat auch die Klä­ge­rin an­ge­ge­ben, dass ihre Auf­trä­ge in jedem Fall (auch bei Ab­wei­chung vom Ri­si­ko­pro­fil) aus­ge­führt wer­den soll­ten. 87 Zu­nächst ist da­rauf hin­zu­wei­sen, dass die Tat­sa­che, dass das Ri­si­ko­pro­fil der Klä­ge­rin eine vor­sich­ti­ge­re An­la­ge­stra­te­gie aus­weist als das des Ze­den­ten den Vor­trag wi­der­legt, man habe die ri­si­ko­freu­di­gen Ant­wor­ten nur des­we­gen ge­ge­ben, um auch te­le­fo­nisch Wert­pa­pie­re or­dern zu kön­nen. Denn of­fen­sicht­lich konn­te auch die Klä­ge­rin te­le­fo­ni­sche Order aus­ge­ben, ob­wohl ihr Ri­si­ko­pro­fil als An­la­ge­stra­te­gie „nur“ aus­ge­wo­gen aus­wies. 88 So­wohl die An­la­ge­stra­te­gie als auch die De­pot­struk­tur der Klä­ge­rin er­laub­te es grund­sätz­lich, ihr das streit­ge­gen­ständ­li­che Zer­ti­fi­kat zu emp­feh­len. Al­ler­dings war der ma­xi­ma­le Ri­si­ko­an­teil von 55% be­reits vor der Zeich­nung der Alpha Ex­press Zer­ti­fi­ka­te er­heb­lich über­schrit­ten (näm­lich bei 79,4%) und stieg durch den Kauf die­ser Pa­pie­re wei­ter, näm­lich auf 89,3% (vgl. Wert­papier­sam­mel­or­der, An­la­ge B13, Bl.162 d.A.). Es ist dem­nach frag­lich, ob es an­le­ger­ge­recht war, der Klä­ge­rin den Kauf die­ser Zer­ti­fi­ka­te zu emp­feh­len. Selbst wenn man hier aber einen Be­ra­tungs­feh­ler sehen würde, könn­te sich die Klä­ge­rin nicht auf ihn be­ru­fen. Sie ist, dies ist unter b) aus­führ­lich dar­ge­stellt, ord­nungs­ge­mäß über Funk­ti­ons­wei­se und Ri­si­ken der An­la­ge auf­ge­klärt wor­den. Da­rü­ber hi­naus hat sie in ihrem Ri­si­ko­pro­fil an­ge­ge­ben, ihre Auf­trä­ge soll­ten in jedem Fall aus­ge­führt wer­den, auch dann, wenn sie mit der An­la­ge­stra­te­gie nicht über­ein­stim­men. Ent­schei­det sich der An­le­ger in Kennt­nis der Ri­si­ken für eine An­la­ge und hat er zuvor auf einen be­ste­hen­den „Warn­me­cha­nis­mus“, näm­lich die - nach dem Ri­si­ko­pro­fil auch mög­li­che - An­wei­sung, Auf­trä­ge nur in Über­ein­stim­mung mit dem Ri­si­ko­pro­fil aus­zu­füh­ren, aus­ge­schal­tet, so kann er sich im Nach­hi­nein nicht mehr da­rauf be­ru­fen, dass die An­la­ge nicht an­le­ger­ge­recht war. Je­den­falls im Rah­men eines über § 254 BGB zu be­rück­sich­ti­gen­den Mit­ver­schul­dens wäre ein Scha­dens­er­satz­an­spruch auf Null re­du­ziert. 89 d) 90 Die Be­haup­tung der Klä­ge­rin, die Zeu­gin R habe ihnen genau ge­sagt, wie sie die te­le­fo­ni­schen Ab­fra­gen zu be­ant­wor­ten hät­ten und nur aus die­sem Grund hät­ten beide an­ge­ge­ben, die Zeich­nung ge­sche­he auf ei­ge­nen Wunsch und nicht nach Be­ra­tung durch die Be­klag­te , führt be­reits des­we­gen nicht zu einer Scha­dens­er­satz­pflicht, weil die Be­ra­tung selbst nach dem Oben ge­nann­ten nicht feh­ler­haft war. Eine dies­be­züg­li­che Be­weis­auf­nah­me konn­te daher unter­blei­ben. 91 III. 92 Schließ­lich be­steht auch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin gegen die Be­klag­te auf­grund einer unter­las­se­nen Ver­kaufs­emp­feh­lung im Sep­tem­ber 2008. 93 1. 94 Es be­steht ge­ne­rell keine Be­ob­ach­tungs­pflicht der Be­klag­ten hin­sicht­lich der im Depot ihrer Kun­den be­find­li­chen Wert­pa­pie­re. Allein die Tat­sa­che, dass es im Som­mer/ Früh­herbst 2008 ver­stärkt ne­ga­ti­ve Pres­se hin­sicht­lich T gab, führ­te somit nicht zu einer Hand­lungs­pflicht der Be­klag­ten gegen­über der Klä­ge­rin oder dem Ze­den­ten. Frag­lich ist al­lein, ob der Be­klag­ten (bzw. der Zeu­gin R) an­läss­lich des per­sön­li­chen Ge­sprächs mit dem Ze­den­ten An­fang Sep­tem­ber 2008 ein schuld­haf­tes Fehl­ver­hal­ten vor­zu­wer­fen ist. Hier­bei ist zu be­to­nen, dass die­ses Ge­spräch al­lein zwi­schen dem Ze­den­ten und der Zeu­gin R statt­fand; ob der Ze­dent auch die In­te­res­sen der Klä­ge­rin ver­trat, ist von die­ser nicht vor­ge­tra­gen wor­den. Soll­te dies je­doch der Fall ge­we­sen sein (wovon bei Ehe­leu­ten grund­sätz­lich aus­ge­gan­gen wer­den kann), muss sich die Klä­ge­rin das Wis­sen des sie ver­tre­te­nen Ze­den­ten zu­rech­nen las­sen. 95 2. 96 Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me steht nicht fest, dass die Be­klag­te Pflich­ten gegen­über dem Ze­den­ten oder der Klä­ge­rin ver­letzt hat. 97 a) 98 Be­reits nach der Aus­sa­ge des Ze­den­ten kam die­ser An­fang Sep­tem­ber 2008 nicht mit einer kon­kre­ten Ver­kaufs­ab­sicht zur Be­klag­ten. Viel­mehr be­riet er sich auf­grund der ne­ga­ti­ven Ent­wick­lung der Zer­ti­fi­ka­te und der ne­ga­ti­ven Pres­se­nach­rich­ten mit der Zeu­gin R hin­sicht­lich der wei­te­ren Vor­ge­hens­wei­se. Die Zeu­gin R habe dann, so die Aus­sa­ge des Ze­den­ten, von einem Ver­kauf ab­ge­ra­ten, da dies mit einem hohen Ver­lust ver­bun­den ge­we­sen wäre und hin­zu­ge­fügt, dass, soll­te etwas pas­sie­ren mit T, diese Bank auf­ge­kauft wer­den würde. Diese An­sicht hat sich im Nach­hi­nein als falsch he­raus­ge­stellt. Sie war je­doch aus einer ex-ante Pers­pek­ti­ve ver­tret­bar; wie be­reits oben unter dd) dar­ge­stellt, rech­ne­te in Deutsch­land bis zur tat­säch­li­chen In­sol­venz der T trotz der ne­ga­ti­ven Pres­se nie­mand damit, dass die­ser Fall tat­säch­lich ein­tre­ten würde. Nach An­sicht der Kam­mer kann daher das Ri­si­ko, dass sich der von der Zeu­gin R nach der Aus­sa­ge des Ze­den­ten er­teil­te Rat als falsch he­raus­stellt, der Be­klag­ten nicht auf­er­legt wer­den. 99 Bei Be­ra­tungs­ge­sprä­chen An­fang Sep­tem­ber 2008 be­stand auf Sei­ten der Be­klag­ten die Pflicht, einen be­sorg­ten An­le­ger auf die ne­ga­ti­ve Pres­se be­züg­lich T hin­zu­wei­sen. Da­rü­ber hi­naus mag frag­lich sein, ob das Ab­ra­ten von einer kon­kre­ten Ver­kaufs­ab­sicht pflicht­ge­mäß ge­we­sen wäre. Im vor­lie­gen­den Fall be­stand aber nach sei­ner ei­ge­nen Aus­sa­ge keine feste Ver­kaufs­ab­sicht beim Ze­den­ten; viel­mehr woll­te er dies mit der Be­klag­ten bzw. der Zeu­gin R be­spre­chen. Der Ze­dent wuss­te auch nach sei­ner ei­ge­nen Aus­sa­ge um die ne­ga­ti­ve Be­richt­er­stat­tung und den Wert­ver­fall der Zer­ti­fi­ka­te und traf dann, nach der Be­spre­chung mit der Zeu­gin R, selbst die Ent­schei­dung, die Zer­ti­fi­ka­te nicht zu ver­kau­fen. Dass sich diese Ent­schei­dung spä­ter als falsch he­raus­stellt, ist das Ri­si­ko des An­le­gers. 100 Die Ar­gu­men­ta­tion der Klä­ge­rin, dass im Rah­men der Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens davon aus­zu­ge­hen sei, dass sie bei ent­spre­chen­den Hin­wei­sen auf die Pres­se­be­rich­te die Zer­ti­fi­ka­te ver­äu­ßert hätte, ist durch die An­ga­ben des Ze­den­ten wi­der­legt. Der Ze­dent hat aus­ge­sagt, er habe die ne­ga­ti­ven Pres­se­be­rich­te ge­kannt; den­noch hat er sich für ein Be­hal­ten der Pro­duk­te ent­schie­den. Die Klä­ge­rin selbst hat keine ei­ge­nen Nach­fra­gen bei der Be­klag­ten ge­stellt und es be­stand keine Pflicht der Be­klag­ten, sie un­ge­fragt über die ne­ga­ti­ve Pres­se zu in­for­mie­ren; wenn sie sich von dem Ze­den­ten ver­tre­ten las­sen woll­te, muss sie sich des­sen Kennt­nis­se auch zu­rech­nen las­sen (s.o.). Oh­ne­hin ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Ehe­leu­te die An­ge­le­gen­heit un­ter­ei­nan­der be­spro­chen haben. 101 Nach der wei­te­ren Aus­sa­ge des Ze­den­ten sagte die Zeu­gin R an­läss­lich des Ge­sprächs An­fang Sep­tem­ber 2008, sie wolle sich be­züg­lich T bei der Zent­ra­le noch­mals er­kun­di­gen und ihn in­for­mie­ren, wenn sich aus die­ser An­fra­ge etwas We­sent­li­ches er­ge­ben würde. Sie habe sich dann vor ihrem Urlaub nicht mehr ge­mel­det; das nächs­te Ge­spräch habe am 19.09.2008 (und damit nach der T In­sol­venz) statt­ge­fun­den; bei die­sem Ge­spräch habe die Zeu­gin R von einer Email der Zent­ra­le vom 04.09.2008 be­rich­tet, in wel­cher stün­de, dass mit T alles in Ord­nung sei. Diese Aus­sa­ge steht im Wi­der­spruch zu den An­ga­ben der Zeu­gin R, wo­nach diese Email vom 04.09.2008 Ge­gen­stand des per­sön­li­chen Ge­sprächs zwi­schen ihr und dem Ze­den­ten war und es keine wei­te­re Ver­ab­re­dung hin­sicht­lich eines Te­le­fo­nats gab. Selbst wenn man aber die Aus­sa­ge des Ze­den­ten al­lein zu­grun­de legt, führt dies nicht zu einer Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten. Wie oben aus­ge­führt, war die Wer­tung, dass eine In­sol­venz der T ab­ge­wen­det wer­den würde, ver­tret­bar, so­dass sich auch aus der Tat­sa­che, dass sich die Zeu­gin R nach dem per­sön­li­chen Ge­spräch nicht mehr bei dem Ze­den­ten mel­de­te, kein schuld­haf­tes Fehl­ver­hal­ten her­lei­ten lässt. 102 3. 103 Auch die wei­te­re Aus­sa­ge der Zeu­gin R führt nicht zur Be­grün­dung einer Pflicht­ver­let­zung sei­tens der Be­klag­ten. Sie hat die Aus­sa­ge des Ze­den­ten in­so­fern be­stä­tigt, als sie aus­führ­te, dass sie zum Zeit­punkt des Ge­sprächs je­den­falls die per­sön­li­che Ein­schät­zung ab­ge­ge­ben hätte, die Pa­pie­re nicht zu ver­kau­fen. Al­ler­dings hatte die Zeu­gin keine Er­in­ne­rung mehr daran, ob der Ze­dent kon­kret frag­te, ob er ver­kau­fen solle. Die Zeu­gin hat auch be­tont, dass sie, soll­te der Ze­dent ge­fragt haben, le­dig­lich eine per­sön­li­che Ein­schät­zung ab­ge­ge­ben hätte, da von der Be­klag­ten grund­sätz­lich keine Kauf- oder Ver­kaufs­emp­feh­lung ab­ge­ge­ben wer­den wür­den. 104 Die Klä­ge­rin konn­te dem­nach ein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten der Be­klag­ten auf­grund des Ge­sprächs An­fang Sep­tem­ber 2008 nicht be­wei­sen, so­dass ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ins­ge­samt nicht be­steht. 105 IV. 106 Man­gels Haupt­an­spruch konn­ten auch die gel­tend ge­mach­ten Zin­sen nicht zu­ge­spro­chen wer­den; eben­so be­stand kein An­nah­me­ver­zug hin­sicht­lich der Über­nah­me der streit­ge­gen­ständ­li­chen Zer­ti­fi­ka­te. 107 V. 108 Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 ZPO. 109 Die Ent­schei­dung über die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit folgt aus § 709 ZPO. 110 Streit­wert: 132.600,00 EUR