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Beschluss

29 W (pat) 25/21

Bundespatentgericht, Entscheidung vom

PatentrechtBundesgerichtECLI:DE:BPatG:2024:150124B29Wpat25.21.0
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BPatG:2024:150124B29Wpat25.21.0 BUNDESPATENTGERICHT 29 W (pat) 25/21 _______________ (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 30 2020 117 049.8 hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 15. Ja- nuar 2024 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Mittenberger-Huber, die Richterin Lachenmayr-Nikolaou und den Richter Posselt beschlossen: - 2 - 1. Der Beschluss der Markenstelle für Klasse 35 vom 13. August 2021 wird aufgehoben, soweit die Anmeldung der Marke 30 2020 117 049.8 hin- sichtlich der nachfolgend genannten Waren zurückgewiesen wurde: Klasse 29: Fisch; Weichtiere; Waren und Gerichte aus den vorstehend genannten Produkten, soweit in dieser Klasse enthalten. 2. Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen. G r ü n d e I. Die Bezeichnung Fruitdealer ist am 30. November 2020 zur Eintragung als Wortmarke in das beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geführte Markenregister für nachfolgende Waren und Dienstleistungen angemeldet worden: Klasse 29: Fleisch; Fleischersatz; Fisch; Meeresfrüchte; Weichtiere; Geflügel; Wild; Fleischextrakte; konserviertes, getrocknetes und gekochtes Obst und Gemüse; Gallerten [Gelees]; Konfitüren; Kompotte; Fruchtaufstriche; Gemüseaufstriche; Eier; Eierersatzstoffe; Milch; Milchprodukte und deren Ersatzprodukte; Speiseöle und -fette; Brü- hen [Suppen]; Desserts auf der Basis von künstlicher Milch; Des- serts aus Milchprodukten; Fertiggerichte, vorwiegend aus Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Kartoffeln, Molkereiprodukten und deren Ersatzprodukten, Nüssen, Eiern und/oder Brühe [Oden]; - 3 - Fertigsuppen; Fruchtsnacks; Nuss-Snacks; Snacks auf der Basis von Gemüse; Snacks auf Fleischbasis; Snacks auf Tofubasis; verar- beitete Kartoffeln; verarbeitetes Obst und Gemüse [einschließlich Nüsse, Hülsenfrüchte] sowie verarbeitete Pilze; Wurst [Bratwurst, Brühwurst]; zubereitete Salate; Waren und Gerichte aus den vorste- hend genannten Produkten, soweit in dieser Klasse enthalten: Klasse 30: Brot; feine Backwaren; Dessertpuddings; Dessertsoufflees; Des- sertmousses [Süßwaren]; verzehrfertige Desserts [feine Backwa- ren]; Eis; Eiscreme; gefrorener Joghurt; Sorbets; Fertiggerichte und Snacks auf der Basis von Getreidekörnern, Mehl, Sesam, Reis, Teigwaren, Süßspeisen und/oder Konfekt; Getränke auf der Basis von Tee; Kaffeegetränke; getrocknete und frische Teigwaren, Nu- deln und Klöße; Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel; Kuchenmi- schungen [pulverförmig]; Mehl; Mehlspeisen; pikante Saucen, Chutneys und Pasten; Pizzafertiggerichte; Reis; Sandwiches; Sau- cen; Speisesalz, Würzmittel, Gewürze, Aromastoffe für Getränke; Teig, Backteig und Backmischungen hierfür; verarbeitetes Ge- treide und Stärken für Nahrungsmittel sowie Waren hieraus, Back- zubereitungen und Hefe; Zucker, natürliche Süßungsmittel, süße Glasuren und Füllungen sowie Bienenprodukte zu Speisezwecken; Karamellen; Kandiszucker; Malzbiskuits; Kaugummi; Süßwaren mit Gelee; Pastillen; Lakritze [Süßwaren]; Gummisüßwaren; Chips auf Getreidebasis; salziges Kleingebäck; Kaubonbons; Waren und Gerichte aus den vorstehend genannten Produkten, soweit in die- ser Klasse enthalten; Klasse 31: Frisches Obst und Gemüse; frische Nüsse; frische Kräuter; Futter- mittel und Tiernahrung; Kartoffeln; Land-, garten- und forstwirt- schaftliche Erzeugnisse sowie Erzeugnisse der Aquakultur; - 4 - Klasse 32: Bier und Brauereiprodukte; Radler; Mineralwässer und kohlensäu- rehaltige Wässer; Alkoholfreie, milchähnliche Getränke, ausge- nommen Milchersatz; nichtalkoholische Getränke; Fruchtge- tränke; Fruchtsäfte; Sirupe und andere Präparate für die Zuberei- tung von Getränken; Klasse 35: Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroar- beiten; Groß- und Einzelhandelsdienstleistungen, insbesondere Versandhandelsdienstleistungen [auch online] mit Lebensmitteln und nichtalkoholischen Getränken, landwirtschaftlichen Erzeug- nissen, gartenwirtschaftlichen Erzeugnissen und forstwirtschaftli- chen Erzeugnissen. Mit Beschluss vom 13. August 2021 hat die Markenstelle für Klasse 35 des DPMA die Anmeldung hinsichtlich der oben fett gedruckten Waren und Dienstleistungen unter Bezugnahme auf den Beanstandungsbescheid vom 12. Februar 2021 wegen fehlender Unterscheidungskraft gemäß §§ 8 Abs. 2 Nr. 1, 37 Abs. 1, Abs. 5 Mar- kenG zurückgewiesen. Zur Begründung ist ausgeführt, der angesprochene Verkehr werde das angemel- dete Zeichen „Fruitdealer“ im Zusammenhang mit den Waren und Dienstleistungen, die Gegenstand der Zurückweisung seien, dahingehend verstehen, dass es sich um solche handele, die ein Händler mit Obst oder Früchten bzw. Produkten, die Be- standteile davon enthalten, anbiete oder erbringe. Die angemeldete Marke bestehe aus dem Wort des englischen Grundwortschatzes „Fruit“, das dem deutschen Wort „Frucht“ sehr ähnlich sei, und dem englischen Wort „dealer“, das für „Händler“ be- reits in die deutsche Sprache eingegangen sei und auch nicht mehr nur im Zusam- menhang mit Drogendealern verwendet werde. Die in Frage stehenden Waren könnten aus Früchten bestehen oder Bestandteile davon bzw. einen Fruchtge- schmack enthalten, dies gelte auch für Ei- oder Milchspeisen sowie Gemüse oder - 5 - etwa Nussmischungen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Waren und Dienstleistun- gen in personifizierter Form angeboten würden. Die angesprochenen breiten Ver- kehrskreise sähen daher in dem angemeldeten Begriff insoweit keinen Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen, sondern einen unmittelbaren, glatt beschreibenden Hinweis auf Art und Beschaffenheit der in Frage stehenden Waren, nämlich, dass sie Fruchtbestandteile enthalten würden bzw. aus Früchten bestünden, bzw. Dienst- leistungen, nämlich dahingehend, dass sie von einem Fruchthändler erbracht wür- den. Hinsichtlich der übrigen Waren und Dienstleistungen, die nicht Gegenstand der Zurückweisung seien, könne demgegenüber ein Schutzhindernis nicht festgestellt werden, da diese in der Regel keine Früchte oder Fruchtbestandteile enthalten oder von einem Fruchthändler erbracht würden. Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelderin, die sinngemäß beantragt, den Beschluss der Markenstelle für Klasse 35 vom 13. August 2021 aufzu- heben. Zur Begründung trägt die Beschwerdeführerin vor, dass die Ausdrücke „Fruit“ und „Dealer“ umfassende angemeldete Zeichen sei ein Neologismus, dem ein beschrei- bender Bedeutungsgehalt nicht ohne weitere analysierende Gedankenschritte bei- gemessen werden könne. Das angemeldete Zeichen lasse keinen für den Verbrau- cher einleuchtenden und zwingenden Schluss auf die angemeldeten Waren oder Dienstleistungen zu. Das englische Wort „Fruit“ sei mit „Obst; Frucht; Ergebnis; Wir- kung; Nutzen“ zu übersetzen. Entgegen der Auffassung des DPMA sei unter den Begriff „Fruit“ bzw. „Frucht“ lediglich Obst und nicht auch Gemüse zu fassen. Wenn überhaupt, so würde der Durchschnittsverbraucher den Ausdruck „Fruitdealer“ mit einem Früchteverkauf verbinden, nicht jedoch mit einem Gemüseverkauf. Der eng- lische Begriff für „Gemüse“ laute „vegetables“ und nicht „Fruit“. Bereits Grundschul- kindern werde der Unterschied zwischen Obst und Gemüse vermittelt, so dass der angesprochene Durchschnittsbürger die Begriffe „Frucht“ bzw. „Obst“ nicht mit Ge- - 6 - müse „gleichsetzen“ würde. Möglicherweise könne bei einem beschränkten Perso- nenkreis, der sich professionell mit dem Thema „Frucht“ befasse, auch ein weiter- gehendes Verständnis zugrunde gelegt werden, bei dem laut dem Hinweis des Se- nats unter den Begriff „Fruit“ neben unverarbeitetem Obst auch unverarbeitetes Ge- müse, Hülsenfrüchte etc. gefasst würden. Dies gelte aber nicht für die in erster Linie angesprochenen Verbraucher, die unter den Begriff „Fruit“ bzw. „Frucht“ ausschließ- lich „Obst“ fassen würden. Auch Meeresfrüchte könnten nur bei einer analytischen Betrachtungsweise, die die angesprochenen Verkehrskreise nicht vornehmen wür- den, unter den Begriff „Fruit“ bzw. „Frucht“ subsumiert werden, zumal „Meeres- früchte“ im Englischen mit „Seafood“ bezeichnet würden. Daneben sei dem ange- sprochenen Verkehr der Begriff „Frucht“ im juristischen Kontext bekannt. Das Wort „Dealer“ werde in der deutschen Sprache in der Bedeutung von „Drogen- dealer“ oder „Börsendealer“ verwendet. Die angesprochenen Verkehrskreise ver- stünden diesen daher im Sinne seiner feststehenden Bedeutung im Deutschen, ins- besondere als „Drogenhändler“, nicht jedoch allgemein als Händler. Dies sei wie bei dem Wort „Handy“, das in Deutschland stets nur im Sinne von „Mobiltelefon“ ver- standen werde und nicht in seiner ursprünglichen englischen Bedeutung „praktisch“. Die Begriffe „Fruit“ (in der Bedeutung Frucht/Obst) und „Dealer“ (im Sinne von Dro- genhändler) stünden in einem Spannungsfeld, da für den Körper gesunde Lebens- mittel mit für den Körper schädlichen Drogen bzw. deren Händler in Verbindung gebracht würden. Diese Mischung aus Gegensätzen mache das Zeichen phanta- sievoll und merkfähig. Demgegenüber verstehe der Durchschnittsverbraucher unter „Fruitdealer“ keinesfalls einen Obsthändler und die Bezeichnung „Fruitdealer“ finde auch bislang nicht zur Bezeichnung des Geschäftsbetriebs eines Obsthändlers Ver- wendung. Die angemeldete Bezeichnung sei für die beanspruchten Waren und Dienstleistun- gen daher auch nicht beschreibend. Beispielsweise hätten Fisch, Milch oder Eier und auch Meeresfrüchte nichts mit Obst zu tun, so dass die Bezeichnung „Fruitdea- ler“ für die in Klasse 29 angemeldeten „Milch-, Fisch- und Eierwaren“ einzutragen - 7 - sei, ebenso wie – aufgrund ihres Phantasiegehalts – für die weiteren Waren der Klasse 29. Auch für die Waren der Klassen 30 und 32 sei die Bezeichnung „Fruit- dealer“ nicht beschreibend, da diese Waren nicht auf der Basis von Früchten her- gestellt seien und es sich zudem um verarbeitete Produkte handele, die mit „Frucht“ nichts mehr zu tun hätten. Die Zurückweisung könne nicht damit begründet werden, dass diese Produkte in irgendeiner Weise einen „Fruchtgeschmack“ aufweisen könnten. Insbesondere werde Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, wodurch sich der Zusatz von Fruchtaromen verbiete. Ebenso weise Mineralwasser keine Früchte auf, sondern entspringe einer Quelle. Als Phantasiebegriff sei das Zeichen „Fruitdealer“ schließlich in Bezug auf die Waren der Klasse 31 und Dienst- leistungen der Klasse 35 schutzfähig. Insbesondere sei in Bezug auf die in Klasse 35 beanspruchten Dienstleistungen „Werbung, Geschäftsführung, Unternehmens- verwaltung“ auch unter Berücksichtigung der Ausführungen des Senats in seinem Hinweis von einer Schutzfähigkeit auszugehen. Andernfalls müssten beispielsweise die angesprochenen Verkehrskreise ein Unternehmen, das unter der Bezeichnung „Autohändler“ auftrete, als Anbieter dieser Dienstleistungen für die Kfz-Branche an- sehen, was jedoch mehr als fernliegend sei. Die in Klasse 31 beanspruchten Waren „Futtermittel und Tiernahrung“ seien zudem in der Regel tierischer Natur, der Zusatz von Früchten in Hunde- und Katzenfutter sein völlig untypisch. Jedenfalls hinsicht- lich aller Waren und Dienstleistungen, die nicht unmittelbar unverarbeitetes Obst beträfen, sei zwingend von einer Schutzfähigkeit der angemeldeten Bezeichnung auszugehen. Zur Ergänzung des Tatbestands wird auf den am 15. November 2023 versandten Hinweis des Senats (einschließlich der im Parallelverfahren 29 W (pat) 24/21 ver- sandten Recherchebelege zum dortigen Hinweis) und den übrigen Akteninhalt Be- zug genommen. - 8 - II. Die zulässige, insbesondere nach § 66 Abs. 1 MarkenG statthafte und gem. § 66 Abs. 2 MarkenG fristgerecht eingelegte Beschwerde hat in der Sache nur in gerin- gem Umfang Erfolg. Der Eintragung der angemeldeten Wortkombination „Fruitdealer“ als Marke steht im Zusammenhang mit dem Großteil der beschwerdegegenständlichen Waren und Dienstleistungen das absolute Schutzhindernis der fehlenden Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG entgegen, so dass die Markenstelle der angemel- deten Bezeichnung gem. § 37 Abs. 1, Abs. 5 MarkenG insoweit zu Recht die Ein- tragung versagt hat. Demgegenüber sind im Zusammenhang mit den im Tenor Ziff. 1. genannten Waren Eintragungshindernisse nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 Mar- kenG nicht festzustellen, so dass der angegriffene Beschluss der Markenstelle in- soweit aufzuheben war. I. Der angemeldeten Bezeichnung „Fruitdealer“ fehlt im Umfang der Zurück- weisung der Beschwerde die erforderliche Unterscheidungskraft. 1. § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG schließt von der Eintragung als Marke Zeichen aus, denen für die in der Anmeldung beanspruchten Waren und Dienstleistungen jegli- che Unterscheidungskraft fehlt. Unterscheidungskraft ist die einem Zeichen zukom- mende Eignung, die von der Anmeldung erfassten Waren bzw. Dienstleistungen als von einem bestimmten Unternehmen stammend zu kennzeichnen und so diese Wa- ren und Dienstleistungen von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden (EuGH MarkenR 2012, 304 Rn. 23 – Smart Technologies/HABM [WIR MACHEN DAS BESONDERE EINFACH]; GRUR 2010, 228 Rn. 33 – Audi AG/HABM [Vor- sprung durch Technik]; GRUR 2008, 608 Rn. 66 f. – Eurohypo AG/HABM [EUROHYPO]; BGH GRUR 2020, 411 Rn. 10 – #darferdas? II; GRUR 2018, 301 Rn. 11 – Pippi-Langstrumpf-Marke; GRUR 2016, 934 Rn. 9 – OUI; GRUR 2014, 569 - 9 - Rn. 10 – HOT; GRUR 2013, 731 Rn. 11 – Kaleido; GRUR 2012, 1143 Rn. 7 – Star- sat). Denn die Hauptfunktion der Marke besteht darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren und Dienstleistungen zu gewährleisten (EuGH a. a. O. – Audi AG/HABM [Vorsprung durch Technik]; BGH a. a. O. – #darferdas? II; a. a. O. – OUI). Da allein das Fehlen jeglicher Unterscheidungskraft ein Eintragungshinder- nis begründet, ist ein großzügiger Maßstab anzulegen, so dass jede auch noch so geringe Unterscheidungskraft genügt, um das Schutzhindernis zu überwinden (BGH a. a. O. – Pippi-Langstrumpf-Marke; a. a. O. – OUI). Ebenso ist zu berück- sichtigen, dass der Verkehr ein als Marke verwendetes Zeichen in seiner Gesamt- heit mit allen seinen Bestandteilen so aufnimmt, wie es ihm entgegentritt, ohne es einer analysierenden Betrachtungsweise zu unterziehen (EuGH GRUR 2004, 428 Rn. 53 – Henkel; BGH a. a. O. Rn. 15 – Pippi Langstrumpf-Marke; a. a. O. Rn. 10 – OUI; GRUR 2014, 872 Rn. 13 – Gute Laune Drops). Maßgeblich für die Beurteilung der Unterscheidungskraft zum relevanten Anmelde- zeitpunkt (BGH GRUR 2013, 1143 Rn. 15 – Aus Akten werden Fakten) sind einer- seits die beanspruchten Waren oder Dienstleistungen und andererseits die Auffas- sung der beteiligten inländischen Verkehrskreise, wobei auf die Wahrnehmung des Handels und/oder des normal informierten, angemessen aufmerksamen und ver- ständigen Durchschnittsverbrauchers der fraglichen Waren oder Dienstleistungen abzustellen ist (EuGH GRUR 2019, 1194 Rn. 20 – AS/DPMA [#darferdas?]; a. a. O. 67 – Eurohypo; GRUR 2006, 411 Rn. 24 – Matratzen Concord AG/Hukla Germany SA [MATRATZEN]; BGH GRUR 2014, 376 Rn. 11 – grill meister). Keine Unterscheidungskraft besitzen insbesondere Zeichen, die einen beschreiben- den Begriffsinhalt enthalten, der für die in Frage stehenden Waren oder Dienstleis- tungen ohne Weiteres und ohne Unklarheiten als solcher erfasst wird (EuGH GRUR 2004, 674 Rn. 86 – Koninklijke KPN Nederland NV/Benelux-Merkenbureau [Post- kantoor]; BGH a. a. O. Rn. 14 – HOT). Auch Angaben, die sich auf Umstände be- ziehen, die die Ware oder die Dienstleistung selbst nicht unmittelbar betreffen, fehlt die Unterscheidungskraft, wenn durch die Angabe ein enger beschreibender Bezug - 10 - zu den angemeldeten Waren oder Dienstleistungen hergestellt wird und deshalb die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Verkehr den beschreibenden Begriffsinhalt als solchen ohne Weiteres und ohne Unklarheiten erfasst und in der Bezeichnung nicht ein Unterscheidungsmittel für die Herkunft der angemeldeten Waren oder Dienst- leistungen sieht (BGH a. a. O. Rn. 15 – Pippi-Langstrumpf-Marke; a. a. O. Rn. 10 – HOT; a. a. O. Rn. 9 – Starsat; GRUR 2009, 952 Rn. 10 – DeutschlandCard). Ferner kommt die Eignung, Waren oder Dienstleistungen ihrer Herkunft nach zu unter- scheiden, solchen Angaben nicht zu, die aus gebräuchlichen Wörtern oder Wen- dungen der deutschen oder einer bekannten Fremdsprache bestehen, die vom Ver- kehr – etwa auch wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung – stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (BGH a. a. O. Rn. 11 – #darferdas? II; a. a. O. Rn. 12 – OUI; a. a. O. Rn. 21 – Gute Laune Drops; a. a. O. Rn. 26 – HOT; a. a. O. Rn. 9 – Starsat; GRUR 2012, 270 Rn. 11 – Link economy; GRUR 2010, 640 Rn. 13 – hey!). 2. Nach diesen Grundsätzen ist die Unterscheidungskraft des angemeldeten Zei- chens im vorgenannten Waren- und Dienstleistungszusammenhang zu verneinen, da die angesprochenen inländischen Verkehrskreise die Wortkombination „Fruit- dealer“ in diesem Umfang nur als beschreibende Sachaussage, nicht jedoch als betrieblichen Herkunftshinweis verstehen werden. a) Die beanspruchten Dienstleistungen der Klasse 35 „Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung“ sowie die ebenfalls in Klasse 35 beanspruchten Groß- handelsdienstleistungen wenden sich in erster Linie an Geschäftskunden und ge- werbliche Abnehmer, während sich die Einzelhandelsdienstleistungen und die be- schwerdegegenständlichen Waren der Klassen 29, 30, 31 und 32 an die allgemei- nen Verkehrskreise und insbesondere an den Endverbraucher wenden. b) Die angemeldete Wortfolge „Fruitdealer“ setzt sich aus den englischen Substan- tiven „Fruit“ und „dealer“ zusammen. Bei solchen aus mehreren Bestandteilen kom- binierten Zeichen ist es zulässig, zunächst die Bestandteile getrennt zu betrachten, - 11 - sofern die Beurteilung des Schutzhindernisses auf einer sich anschließenden Prü- fung der Gesamtheit dieser Bestandteile beruht (vgl. EuGH GRUR 2004, 943 – SAT.2; GRUR 2006, 229 – BioID; BGH, Beschluss vom 10.09.2020, I ZB 13/20 – Lichtmiete). aa) Dem englischen Wort „fruit“ kommt im Deutschen die Bedeutung „Obst, Frucht, Ergebnis“ zu (vgl. Anlage A zum Hinweis des Senats vom 15. November 2023, Bl. 33 d. A.). Im Hinblick auf die klangliche Ähnlichkeit des Anfangsbestandteils „Fruit“ des angemeldeten Zeichens mit dem deutschen Begriff „Frucht“ liegt dabei für die angesprochenen Verkehrskreise eine Übersetzung mit „Frucht“ besonders nahe. Mit dem Wort „Frucht“ wird im Deutschen in erster Linie ein aus dem Samen und seiner Hülle bestehendes pflanzliches Produkt, besonders Obst, das vorzugsweise der menschlichen Ernährung dient, benannt; daneben wird der Begriff landschaftlich zur Bezeichnung von Getreide (Feldfrucht), in der Rechtssprache im Sinne von Er- trag, Ergebnis und veraltend als Bezeichnung der Leibesfrucht verwendet (vgl. Hin- weis des Senats vom 15. November 2023 unter Bezugnahme auf die Anlagen 1 und 2 zum Hinweis im Parallelverfahren 29 W (pat) 25/21, Bl. 37 und 38 d. A.). In der Bedeutung eines meist essbaren Pflanzenteils ist der deutsche Begriff „Frucht“ dabei entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht gleichbedeu- tend mit Obst. Bei Obst handelt es sich um die essbaren Früchte oder Samen von Bäumen und Sträuchern. Es gibt aber auch Früchte, die nicht dem Obst, sondern dem (Frucht-) Gemüse zugeordnet werden wie beispielsweise Tomaten, Aubergi- nen, Paprika, Kürbisse, Gurken oder Zucchini, oder auch Hülsenfrüchte sowie Nuss- und Schalenfrüchte (vgl. Anlagen 3 bis 7, Bl. 40-46 d. A. im Parallelverfah- ren). Dabei stimmen die botanische Definition von Obst und Gemüse und das wa- renkundliche Begriffsverständnis des Handels nicht vollständig überein (vgl. Anlage 8, Bl. 47 d. A. im Parallelverfahren) und auch dem Verbraucher fällt die Unterschei- dung zwischen Frucht und Obst schwer (vgl. Anlage 9, Bl. 48 d. A. im Parallelver- fahren). Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass auch andere Früchte als Obst - 12 - die Bezeichnung „Frucht“ in ihrem Namen tragen wie beispielsweise „Hülsen- früchte“, ist den allgemeinen Verkehrskreisen bewusst, dass sich „Früchte“ nicht auf „Obst“ beschränken. Da der Bestandteil „Fruit“ sowohl mit „Obst“ als auch mit „Frucht“ übersetzt werden kann, ist bei der Ermittlung seiner Bedeutung die Übersetzung mit dem – wie dar- gelegt weiter gefassten – Begriff „Frucht“ zu berücksichtigen. bb) Der zweite Bestandteil „dealer“ der angemeldeten Wortmarke stammt aus dem Englischen, wird allgemein mit „Händler“ übersetzt und im Deutschen laut Duden zur Bezeichnung einer Person, die mit Drogen (Drogendealer) oder an der Börse (Börsendealer) handelt, verwendet (vgl. Anlage 10, Bl. 49 f. d. A. im Parallelverfah- ren). Über diese Verwendung in den Bereichen des Drogen- und Börsenhandels hinaus wird das Wort „dealer“ aber auch im Deutschen zunehmend allgemein im Sinne von „Händler“ verwendet (vgl. BPatG, Beschluss vom 20.02.2013, 28 W (pat) 614/11 – Schlossdealer; Beschluss vom 19.11.2014, 29 W (pat) 66/13 – Fandealer), beispielsweise in den Wortkombinationen „Gemüsedealer“, „Weindealer“, „Online- Dealer“, „Bierdealer“ oder „Brotdealer“ (vgl. Interview Anlage 11, Bl. 53 d. A. im Pa- rallelverfahren, mit der Passage „… geht man zum Gemüsedealer seines Vertrau- ens“; Rezeptvorschlag Anlage 12, Bl. 52 d. A. im Parallelverfahren: „In Sachen Kür- bis beim Gemüsedealer Deines Vertrauens zum Hokkaido greifen …“; Instagram- Auftritt Anlage 13, Bl. 51 d. A. im Parallelverfahren: „Heute bei wunderschönem Sonnenschein eine kleine Velofahrt zu meinem lieblings Gemüsedealer … ge- macht.“; Internetauftritt eines Weinhändlers Anlage 14, Bl. 54 f. d. A. im Parallelver- fahren: „Als euer Weindealer möchte ich euch …“, „Ihr wollt mehr über euren Wein- dealer, die angebotenen Weine oder Weinevents wissen?“; Anlage 15, Bl. 56 f. d. A. im Parallelverfahren „bierdealer“ + Liste von Bezugsquellen für Craft-Biere mit den Angaben „Online-Dealer“, „Dein Dealer ist noch nicht dabei?“; Anlage 16, Bl. 58 f. d. A. im Parallelverfahren, „Brotdealer“). Entsprechende Verwendungen des Wortes „dealer“ im Sinne von Händler sind auch bereits für den Zeitpunkt vor Anmeldung des beschwerdegegenständlichen Zeichens nachweisbar (vgl. Anlage 17, Bl. 60 - 13 - d. A. im Parallelverfahren, Rezeptvorschlag vom 1. Juli 2011: „… und mein BIO- Gemüsedealer hatte heute soooo tolle neue Kartoffeln …“; Anlage 18, Bl. 61 f. d. A. im Parallelverfahren, Blog-Eintrag vom 11. Juli 2014: „Mein Eier- und Beerendealer des Vertrauens macht jetzt auch in Pflaumen“; Anlage 19, Bl. 63 d. A. im Parallel- verfahren, faz.net-Video mit dem Titel „Der französische Gemüse-Dealer“; Anlage 20, Bl. 64 d. A. im Parallelverfahren, Website © 2020: „Wer sind wir? Wir sind Choco Dealer. Wir handeln seit 2015 mit feinsten Bean-To-Bar Schokoladen aus der gan- zen Welt“; Anlage 21, Bl. 65 d. A. im Parallelverfahren: Bericht vom 30. Januar 2013 mit dem Titel „Die Kartoffeldealer“; Anlage 22, Bl. 66 d. A. im Parallelverfahren: „hof- dealer“). Zudem wird auf die bereits von der Markenstelle in das Verfahren einge- führten Nachweise zu den Wortkombinationen „Buchdealer“, „Schmuckdealer“, „GummibaerenDealer“, „Peugeot-Fahrrad-Dealer“ und „modedealer“ Bezug genom- men. Eine beschreibende Verwendung des Begriffs „Fruchtdealer“ lässt sich bereits vor dem Zeitpunkt der Anmeldung der verfahrensgegenständlichen Marke nachweisen (vgl. Anlage 23, Bl. 67 d. A. im Parallelverfahren: „Unseren Smoothie orange gibt es jetzt auch in der 750 ml-Pulle! Du findest ihn ab sofort beim Fruchtdealer Deines Vertrauens oder in unserem Online-Shop unter true-fruits-shop.com….“). Nicht ent- scheidungserheblich ist demgegenüber, ob die Wortkombination „Fruchtdealer“ bzw. die angemeldete Bezeichnung „Fruitdealer“ bereits als Geschäftsbezeichnung eines Obsthändlers verwendet wurden oder werden. cc) In ihrer Gesamtheit ist die angemeldete Bezeichnung „Fruitdealer“ daher mit „Obsthändler“ bzw. „Fruchthändler“ zu übersetzen (vgl. Anlagen B, C, Bl. 34, 35 d. A.), wobei aufgrund der bereits erwähnten Ähnlichkeit des deutschen Wortes „Frucht“ zum englischen Wort „fruit“ insbesondere die Übersetzung „Fruchthändler“ naheliegt. Im Hinblick auf die dargelegte schwierige Abgrenzung von Früchten, Obst und Gemüse werden die angesprochenen Verkehrskreise unter einem „Fruitdealer“ bzw. „Fruchthändler“ dabei einen Händler von Früchten, Obst und Gemüse verste- hen werden. So bezieht sich der Begriff „Fruchthandel“ auf die Warengruppe Obst - 14 - und Gemüse (vgl. Wikipedia-Artikel Anlage 24, Bl. 68 d. A. im Parallelverfahren), dementsprechend vertritt auch der „Deutsche Fruchthandelsverband“ Deutschlands Obst- und Gemüsehandel (vgl. Anlage 25, Bl. 69 d. A. im Parallelverfahren) und die Online-Fachzeitschrift „fruchtportal.de“ hat den internationalen Handel mit Obst und Gemüse zum Gegenstand (vgl. Anlage 26, Bl. 70 d. A. im Parallelverfahren). So- wohl im Großhandel als auch in Ladengeschäften und auf Wochenmärkten erfolgt der Verkauf von Obst und Gemüse regelmäßig gemeinsam (vgl. beispielhaft Anla- gen 27, 28, Bl. 71, 72 d. A. im Parallelverfahren), oft auch unter Verwendung von Bezeichnungen wie „Fruchthandel“, „Früchte(markt)“ „Frucht-/ bzw. Früchtehaus“ (vgl. Anlagenkonvolut 29, Bl. 73 ff. d. A. im Parallelverfahren). Dies ist den ange- sprochenen Verkehrskreisen und insbesondere auch den Endverbrauchern be- kannt, so dass sie unabhängig von der oben unter Ziff. aa) dargelegten zutreffenden Bedeutung der Begriffe „Frucht“ bzw. „Obst“ unter „Fruitdealer“ einen Hinweis auf einen Fruchthändler im Sinne eines Obst- und Gemüsehändlers verstehen werden. c) Im Zusammenhang mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen, die Ge- genstand der Zurückweisung sind, entnehmen die angesprochenen Verkehrskreise dem angemeldeten Wortzeichen „Fruitdealer“ einen rein sachbeschreibenden Hin- weis auf den Vertreiber bzw. die Verkaufsstätte der Waren oder den Gegenstand der Dienstleistungen. In Bezug auf die Waren werden sie in dem Begriff einen Hinweis dahingehend se- hen, dass diese bei (irgendeinem) Fruchthändler bzw. Obst- und Gemüsehändler erworben werden können, so dass sich die angemeldete Bezeichnung in einem Hin- weis auf eine Verkaufs- bzw. Vertriebsstätte erschöpft. Der durch das Wort „Fruit“ näher konkretisierte Begriff „dealer“ in der Bedeutung „Händler“ (vgl. BPatG, Be- schluss vom 15.02.2021, 28 W (pat) 66/19 – Mein Fahrradhändler) ist daher ver- gleichbar mit anderen Bezeichnungen von Verkaufsstätten wie „Markt“ (vgl. BPatG, Beschluss vom 16.07.2002, 27 W (pat) 64/01 – KLEIDERMARKT; Beschluss vom 2.07.2003, 29 W (pat) 249/01 – Creativmarkt; s. auch HABM, Beschluss vom 27.02.2013, R2110/12-4 – Schuhtempel, abrufbar über Pavis Proma), „Laden“ (vgl. - 15 - BPatG, Beschluss vom 16.07.2014, 29 W (pat) 99/12 – Erfinderladen) oder „Shop“ (BPatG, Beschluss vom 14.11.1995, 24 W (pat) 196/94 – FONT SHOP). Bei der Bezeichnung „Fruitdealer“ handelt es sich daher nicht um einen Hinweis auf eine bestimmte betriebliche Herkunft der beanspruchten Waren, sondern nur um eine gattungsmäßige Bezeichnung ihres Vertreibers bzw. des Ortes, an dem die Waren erworben werden können. aa) Dies gilt vollumfänglich in Bezug auf die beschwerdegegenständlichen Waren der Klasse 31. Im Zusammenhang mit den Waren „Frisches Obst und Gemüse; frische Nüsse; fri- sche Kräuter; Kartoffeln; Land-, gartenwirtschaftliche Erzeugnisse“ werden die an- gesprochenen allgemeinen Verkehrskreise die Wortfolge „Fruitdealer“ dahingehend auffassen, dass die Waren von einem Obst- und Gemüsehändler verkauft werden (vgl. zur beschreibenden Bedeutung des Wortes „Frucht“ in Bezug auf Gemüse, land- und gartenwirtschaftliche Erzeugnisse auch BPatG, Beschluss vom 07.02.2019, 28 W (pat) 571/17 – FRUCHTMEISTER). Auch bei Nüssen handelt es sich um Früchte, und zwar um Schalen- oder Nussfrüchte (vgl. Anlage 4, Bl. 42 d. A. im Parallelverfahren, sowie BPatG a. a. O. – FRUCHTMEISTER). Kräuter gehören zum typischen Sortiment eines Obst- und Gemüsehändlers. Soweit die Beschwer- deführerin vorträgt, dass Tiernahrung in der Regel tierischer Natur sei, so trifft dies auf die in der Landwirtschaft verwendeten Futtermittel nicht zu (vgl. Anlage 30, Bl. 83 d. A. im Parallelverfahren); aber auch bei der sonstigen Tiernahrung wie Hunde- futter finden sich Produkte mit Obst und Gemüse, wie beispielsweise „Gemüse- Frucht-Taler“ (vgl. Anlage 31, Bl. 84 d. A. im Parallelverfahren). Es ist vorstellbar, dass derartige Produkte von einem Obst- und Gemüsehändler vertrieben werden. Aber auch wenn die Waren „Futtermittel und Tiernahrung“ nicht zum typischen Sor- timent eines Obst- und Gemüsehändlers gehören, werden die angesprochenen Verkehrskreise in der Verwendung der angemeldeten Wortmarke „Fruitdealer“ ei- nen Hinweis auf den Händler dieser Produkte sehen, bei denen es sich um pflanz- liche Produkte und Früchte handeln kann bzw. die Früchte enthalten können. - 16 - bb) Im Zusammenhang mit einem Großteil der in Klasse 29 beanspruchten Waren fehlt dem angemeldeten Zeichen ebenfalls die erforderliche Unterscheidungskraft. Bei den in dieser Klasse beanspruchten Waren handelt es sich großteils um verar- beitetes Obst und Gemüse („konserviertes, getrocknetes und gekochtes Obst und Gemüse; Gallerten [Gelees]; Konfitüren; Kompotte; Fruchtaufstriche; Gemüseauf- striche; Fruchtsnacks; Nuss-Snacks; Snacks auf der Basis von Gemüse; verarbei- tete Kartoffeln; verarbeitetes Obst und Gemüse [einschließlich Nüsse, Hülsen- früchte] sowie verarbeitete Pilze; zubereitete Salate“) oder um Produkte, die Früchte, Obst oder Gemüse enthalten können („Milch; Milchprodukte und deren Er- satzprodukte; Desserts auf der Basis von künstlicher Milch; Desserts aus Milchpro- dukten; Fertiggerichte, vorwiegend aus Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Kartoffeln, Molkereiprodukten und deren Ersatzprodukten, Nüssen, Eiern und/oder Brühe [Oden]; Fertigsuppen; Waren und Gerichte aus den vorstehend genannten Produkten, soweit in dieser Klasse enthalten“). In Bezug auf verarbeitetes Obst, aber auch in Bezug auf andere Lebensmittel, die Obst oder Gemüse enthalten, ist unter Berücksichtigung der dargelegten Bedeutung des Wortes „Fruit“ bzw. „Frucht“ von einer beschreibenden Bedeutung desselben auszugehen (vgl. zur beschreiben- den Bedeutung des Begriffs „Frucht“ in Bezug u. a. auf verarbeitetes Obst und Milchprodukte BPatG, Beschluss vom 23.05.2013, 25 W (pat) 594/12 – GUTEN MORGEN FRUCHT; Beschluss vom 26.10.2011, 26 W (pat) 29/11 – FRUCHT VITAL; Beschluss vom 10.08.2005, 32 W (pat) 169/03 – Frucht Frisch). Im Zusam- menhang mit den in Klasse 29 beanspruchten Waren ist die angemeldete Bezeich- nung „Fruitdealer“ daher im Sinne von „Frucht- bzw. Obst- und Gemüsehändler“ als Hinweise auf den Verkäufer oder die Verkaufsstätte beschreibend, zumindest ist aber ein enger beschreibender Bezug der angemeldeten Bezeichnung zu diesen Waren zu bejahen. Auch im Zusammenhang mit der Ware „Meeresfrüchte“ kommt der angemeldeten Bezeichnung ein im Vordergrund stehender beschreibender Be- deutungsgehalt zu. Zwar werden Meeresfrüchte nicht regelmäßig von Obst- und - 17 - Gemüsehändlern verkauft und stehen auch nicht unmittelbar mit Obst in Zusam- menhang, wie die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdebegründung zutreffend ausführt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist es für die Vernei- nung der Unterscheidungskraft jedoch nicht erforderlich, dass ein Zeichen auf die angemeldeten Waren oder Dienstleistungen schließen lässt. Entscheidend ist nicht, ob der Verbraucher, wenn er mit dem Begriff „Fruitdealer“ konfrontiert ist, an Mee- resfrüchte denken würde. Hiervon kann insbesondere im Hinblick auf die englische Bezeichnung „seafood“ für Meeresfrüchte tatsächlich nicht ausgegangen werden. Vielmehr ist maßgeblich, was der Verbraucher denkt, wenn ihm der Begriff „Fruit- dealer“ im Zusammenhang mit der Ware Meeresfrüchte begegnet. In diesem Falle wird er an (irgendeinen) Händler von Meeresfrüchten denken, da er den Bestandteil „Fruit“ der angemeldeten Bezeichnung mit dem Wort „Frucht“ übersetzen wird, das Bestandteil der Bezeichnung „Meeresfrüchte“ ist. cc) Ebenso kommt dem angemeldeten Zeichen ein im Vordergrund stehender be- schreibender Begriffsinhalt zu im Zusammenhang mit den in Klasse 30 beanspruch- ten Waren „Brot; feine Backwaren; Dessertpuddings; Dessertsoufflees; Dessert- mousses [Süßwaren]; verzehrfertige Desserts [feine Backwaren]; Eis; Eiscreme; gefrorener Joghurt; Sorbets; Fertiggerichte und Snacks auf der Basis von Getreide- körnern, Mehl, Sesam, Reis, Teigwaren, Süßspeisen und/oder Konfekt; Getränke auf der Basis von Tee; Kaffeegetränke; getrocknete und frische Teigwaren und Klöße; Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel; Kuchenmischungen [pulverförmig]; Mehlspeisen; pikante Saucen, Chutneys und Pasten; Pizzafertiggerichte; Sandwi- ches; Saucen; Würzmittel, Gewürze, Aromastoffe für Getränke; Teig, Backteig und Backmischungen hierfür; verarbeitetes Getreide und Stärken für Nahrungsmittel so- wie Waren hieraus, Backzubereitungen; Zucker, natürliche Süßungsmittel, süße Glasuren und Füllungen sowie Bienenprodukte zu Speisezwecken; Karamellen; Kandiszucker; Malzbiskuits; Kaugummi; Süßwaren mit Gelee; Pastillen; Lakritze [Süßwaren]; Gummisüßwaren; Chips auf Getreidebasis; Kaubonbons; Waren und Gerichte aus den vorstehend genannten Produkten, soweit in dieser Klasse enthal- - 18 - ten“. Alle diese Waren können Früchte bzw. Obst oder Gemüse enthalten oder ei- nen Fruchtgeschmack aufweisen. Dies liegt für einen Großteil dieser Waren auf der Hand und gilt insbesondere auch für Brot (z.B. Früchtebrot, vgl. Anlage 32, Bl. 85 d. A. im Parallelverfahren), Kaffee, pulverförmige Kuchenmischungen, Zucker, Lak- ritze oder Chips auf Getreidebasis (vgl. Anlagen 33 – 38, Bl. 86-91 d. A. im Paral- lelverfahren; vgl. auch zur beschreibenden Bedeutung des Wortes „Frucht“ in Bezug auf u. a. Brot, feine Backwaren, Tee, Bonbons, Kaugummis etc. BPatG, Beschluss vom 23.05.2013, 25 W (pat) 594/12 – GUTEN MORGEN FRUCHT; Beschluss vom 26.10.2011, 26 W (pat) 29/11 – FRUCHT VITAL; Beschluss vom 24.09.2008, 26 W (pat) 81/07 – FRUTA PLUS; Beschluss vom 18.04.2007, 32 W (pat) 68/05 – Fruits d´été). Im Zusammenhang mit sämtlichen in Klasse 30 beschwerdegegenständli- chen Waren weist die Bezeichnung „Fruitdealer“ auf den Händler derselben hin. Dies kann ein typischer Obst- und Gemüsehändler sein, dies ist jedoch nicht zwin- gend. Auch wenn es sich um verarbeitete Produkte handelt, die Früchte lediglich als Bestandteil oder Geschmacksrichtung aufweisen können, so werden die ange- sprochenen Verkehrskreise die Bezeichnung „Fruitdealer“, also „Fruchthändler“, im Zusammenhang mit diesen Waren lediglich sachbeschreibend dahingehend auffas- sen, dass sie Früchte enthalten oder ein Fruchtaroma aufweisen und von einem Händler derartiger Waren mit Fruchtgeschmack etc. vertrieben werden. Im Übrigen vertreiben auch Obst- und Gemüsehändlern neben ihrem Kernsortiment oft weitere Waren aus dem Lebensmittel- und Getränkebereich (vgl. nur beispielhaft die Anla- gen 39 und 40, Bl. 92-94 d. A. im Parallelverfahren). Selbst wenn man der ange- meldeten Wortkombination im Zusammenhang mit den in Klasse 30 beanspruchten Waren keine unmittelbar beschreibende Sachaussage entnehmen wollte, so ist je- denfalls ein enger beschreibender Bezug der angemeldeten Bezeichnung zu diesen Waren zu bejahen. dd) Entsprechendes gilt für die in Klasse 32 beanspruchten Waren „Bier und Brau- ereiprodukte; Radler; Mineralwässer und kohlensäurehaltige Wässer; Alkoholfreie, milchähnliche Getränke, ausgenommen Milchersatz; nichtalkoholische Getränke; Fruchtgetränke; Fruchtsäfte; Sirupe und andere Präparate für die Zubereitung von - 19 - Getränken“, die entweder aus Früchten hergestellt werden oder ein Fruchtaroma aufweisen können wie beispielsweise Bier oder Mineralwasser (vgl. Anlagen 41, 42, Bl. 95, 96 d. A. im Parallelverfahren). ee) Im Zusammenhang mit den in Klasse 35 beanspruchten Groß- und Einzelhan- delsdienstleistungen („Groß- und Einzelhandelsdienstleistungen, insbesondere Versandhandelsdienstleistungen [auch online] mit Lebensmitteln und nichtalkoholi- schen Getränken, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, gartenwirtschaftlichen Er- zeugnissen“) werden die angesprochenen Verkehrskreise, und zwar sowohl die Endverbraucher als auch die Händler und sonstigen Geschäftskunden, in der Be- zeichnung „Fruitdealer“ einen Hinweis auf (irgendeinen) Fruchthändler als Erbringer dieser Dienstleistungen sehen, während es sich im Zusammenhang mit den Dienst- leistungen „Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung“ um eine Be- zeichnung des Abnehmers bzw. der Branche handelt. Zwar werden im Bereich der Werbung Dienstleistungen nicht inhaltsbezogen angegeben. Üblich ist demgegen- über etwa eine Bezeichnung nach Art des Mediums oder der Branchen, auf die die Werbeleistungen bezogen sind (vgl. BGH, GRUR 2009, 949 Rn. 24 - My World). Es gibt speziell auf den Obst- und Gemüsehandel zugeschnittene Werbung und auch auf diese Branche spezialisierte Marketing-Agenturen (vgl. Anlagen 43, 44, Bl. 97- 99 d. A. im Parallelverfahren), so dass die angesprochenen Geschäftskunden die Wortfolge „Fruitdealer“ als Benennung der potentiellen Kunden und der Branche des Obst- und Gemüsehandels auffassen werden. Ob der Begriff „Autohändler“ an- ders zu beurteilen wäre, wie die Beschwerdeführer meint, kann dahingestellt blei- ben, da dieser nicht verfahrensgegenständlich ist. d) Eine Schutzfähigkeit der angemeldeten Bezeichnung ergibt sich des Weiteren nicht aus dem Vortrag der Beschwerdeführerin, dass es sich bei der Wortzusam- mensetzung „Fruitdealer“ um einen Neologismus handele, der auf einer Idee der Beschwerdeführerin beruhe. Für die Zurückweisung eines Wortzeichens wegen fehlender Unterscheidungskraft sind weder ein lexikalischer Nachweis noch eine gebräuchliche Verwendung erforderlich. Denn auch Wortneubildungen kann das - 20 - Schutzhindernis des § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG entgegenstehen, wenn sie sprach- üblich gebildet sind und ihr beschreibender Aussagegehalt so deutlich und unmiss- verständlich ist, dass sie ihre Funktion als Sachbegriff erfüllen können. Dies ist vor- liegend der Fall. Es kommt ferner nicht darauf an, ob die Beschwerdeführerin den Begriff „erfunden“ hat, wenn der angesprochene Verkehr in der in Frage stehenden Bezeichnung nur eine beschreibende Verwendung und nicht (auch) einen Hinweis auf die Herkunft der Dienstleistungen aus einem bestimmten Geschäftsbetrieb sieht. Der Aspekt der „Neuheit“ bzw. „erfinderischen Tätigkeit“ spielt im Markenrecht – anders als im Patentrecht – keine Rolle, da es zur Beurteilung der Schutzfähigkeit eines Zeichens lediglich auf die Unterscheidungskraft bzw. das Freihaltebedürfnis ankommt (vgl. BGH GRUR 2003, 436, 439 – Feldenkrais; BPatG, Beschluss vom 05.02.2020, 29 W (pat) 516/17 – Keramik komplett; Beschluss vom 14.05.2019, 25 W (pat) 76/17 – Paletas Berlin; Beschluss vom 30.04.2014, 29 W (pat) 113/11 – Schichtenmodell der Integration). Vor dem Hintergrund der dargelegten Verwendung des Wortes „dealer“ im Sinne von „Händler“ in der deutschen Sprache ist schließlich der Vergleich der Beschwer- deführerin mit der Verwendung des Wortes „Handy“ im Deutschen nicht überzeu- gend. Die vielfachen, oben unter Ziff. 2. b) bb) angeführten Verwendungsbeispiele zeigen, dass das Verständnis des Wortes „dealer“ im Deutschen gerade nicht auf den Drogendealer beschränkt ist. Vielmehr werden die angesprochenen Verkehrs- kreise ihrem Verständnis des Bestandteils „dealer“ – gerade aufgrund der Kombi- nation mit dem englischen Wort „Fruit“ – dessen Übersetzung aus dem Englischen („Händler“) zugrunde legen. Die Schutzfähigkeit des angemeldeten Zeichens ist dementsprechend auch nicht aufgrund des von der Beschwerdeführerin angenom- menen „Spannungsverhältnisses“ zwischen den Bestandteilen „Fruit“ (gesundes Lebensmittel) und „dealer“ (schädliche Drogen) anzunehmen. II. Demgegenüber hat die Beschwerde hinsichtlich der im Tenor Ziff. 1. genann- ten Waren der Klasse 29 „Fisch; Weichtiere; Waren und Gerichte aus den vorste- hend genannten Produkten, soweit in dieser Klasse enthalten“ Erfolg. In diesem - 21 - Umfang stehen der angemeldeten Bezeichnung „Fruitdealer“ Schutzhindernisse gem. § 8 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 MarkenG nicht entgegen. III. Der Senat konnte ohne mündliche Verhandlung entscheiden, da die Be- schwerdeführerin die Durchführung einer solchen nicht beantragt (§ 69 Nr. 1 Mar- kenG) und der Senat sie auch nicht für geboten erachtet hat (§ 69 Nr. 3 MarkenG). Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Beschluss steht den am Beschwerdeverfahren Beteiligten das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde zu. Da der Senat die Rechtsbeschwerde nicht zugelassen hat, ist sie nur statt- haft, wenn gerügt wird, dass 1. das beschließende Gericht nicht vorschriftsmäßig besetzt war, 2. bei dem Beschluss ein Richter mitgewirkt hat, der von der Ausübung des Richteramtes kraft Gesetzes ausgeschlossen oder wegen Besorgnis der Befangenheit mit Erfolg abgelehnt war, 3. einem Beteiligten das rechtliche Gehör versagt war, 4. ein Beteiligter im Verfahren nicht nach Vorschrift des Gesetzes vertreten war, sofern er nicht der Führung des Verfahrens ausdrücklich oder stillschweigend zugestimmt hat, 5. der Beschluss aufgrund einer mündlichen Verhandlung ergangen ist, bei der die Vorschriften über die Öffentlichkeit des Verfahrens verletzt worden sind, oder 6. der Beschluss nicht mit Gründen versehen ist. Die Rechtsbeschwerde ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des Beschlusses beim Bundes- gerichtshof, Herrenstr. 45 a, 76133 Karlsruhe durch eine beim Bundesgerichtshof zugelassene Rechtsanwältin oder durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt einzulegen. Mittenberger-Huber Lachenmayr-Nikolaou Posselt