Beschluss
26 W (pat) 514/21
Bundespatentgericht, Entscheidung vom
PatentrechtBundesgerichtECLI:DE:BPatG:2022:180722B26Wpat514.21.0
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BPatG:2022:180722B26Wpat514.21.0 BUNDESPATENTGERICHT 26 W (pat) 514/21 _______________________ (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 30 2020 106 515.5 hat der 26. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts am 18. Juli 2022 unter Mitwirkung der Vorsitzenden Richterin Kortge sowie der Richter Kätker und Dr. von Hartz beschlossen: Die Beschwerde wird zurückgewiesen. - 2 - G r ü n d e I. Die Wortfolge Ei, Ei, Ei, Ei, Ei ist am 18. Mai 2020 unter der Nummer 30 2020 106 515.5 zur Eintragung als Marke in das beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geführte Register angemel- det worden für Waren und Dienstleistungen der Klasse 32: Biere; alkoholfreie Getränke; Mineralwässer; kohlensäurehal- tige Wässer; Fruchtgetränke; Fruchtsäfte; Sirupe für die Zube- reitung von Getränken; alkoholfreie Präparate für die Zuberei- tung von Getränken; Klasse 33: Alkoholische Getränke [ausgenommen Biere]; alkoholische Präparate für die Zubereitung von Getränken; Alkoholische Essenzen; Alkoholische Extrakte; Alkoholhaltige Fruchtex- trakte; Spirituosen; Liköre; Branntwein; Rum; Whisky; Kräuter- liköre; Akvavit; Wodka; Gin; Obstbrand; Klasse 43: Dienstleistungen zur Verpflegung von Gästen, insbesondere mit Getränken. Mit Beschluss vom 2. März 2021 hat die mit einem Beamten des gehobenen Diens- tes besetzte Markenstelle für Klasse 32 des DPMA die Anmeldung wegen fehlender Unterscheidungskraft gemäß §§ 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG zurückgewie- sen. Zur Begründung hat sie ausgeführt, die reine Wortwiederholung des Wortes „Ei“ sei ausweislich des Dudens und des Internetlexikons „wiktionary“ ein Ausdruck - 3 - der Überraschung, der Besorgnis, des Erstaunens oder der Verwunderung und könne für sich keine Originalität in Anspruch nehmen (vgl. BPatG 27 W (pat) 84/94 – PRO‘S PRO; EUIPO R 1216/2007-4 – auto-auto). Das Anmeldezeichen stelle eine im Vordergrund stehende werbeübliche Anpreisung in dem Sinne dar, dass der Ver- zehr der Produkte den angesprochenen Verkehr erstaunen lasse oder das Publikum vom Ambiente der Lokalität überrascht sei. Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelderin. Sie ist der Ansicht, die Nachweise der Markenstelle bezögen sich nur auf das Wort „ei“ in Kleinschreibung. Eine Verdoppelung des Wortes „ei“ weise der Duden nur für den kindersprachlichen Ausdruck der Zärtlichkeit beim Streicheln und Liebkosen aus. Laut Duden werde der Ausdruck der Verwunderung nicht in der Wortwiederholung formuliert. Eine drei- fache Wiederholung finde sich im Internetlexikon „wiktionary“ nur in dem Ausdruck der Besorgnis „Ei, ei, ei! Das wird brenzlig“ oder in dem erstaunten Ausruf „Ei, ei, ei Frau Zimmermann“. Eine fünffache Aneinanderreihung des Wortes „Ei“ in Groß- schreibung, getrennt durch Komma und Leerzeichen sei ungewöhnlich, werde weder als Zutatenangabe noch als werbeübliche Produktanpreisung aufgefasst und sei daher aufgrund seiner Originalität schutzfähig. Die von der Markenstelle zitierten Entscheidungen bezögen sich nur auf Begriffsverdoppelungen. Die Anmelderin beantragt sinngemäß, den Beschluss der Markenstelle für Klasse 32 des DPMA vom 2. März 2021 aufzuheben. Mit gerichtlichem Hinweis vom 30. Mai 2022 ist die Beschwerdeführerin unter Bei- fügung von Recherchebelegen (Anlagen 1 bis 14, Bl. 20 – 89 GA) auf die Schutzun- fähigkeit des Anmeldezeichens hingewiesen worden. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt Bezug genommen. - 4 - II. Die gemäß §§ 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 MarkenG statthafte Beschwerde ist zulässig, aber unbegründet. Der Eintragung der angemeldeten Wortfolge „Ei, Ei, Ei, Ei, Ei“ als Marke steht für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen das Schutzhindernis der fehlenden Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG entgegen. Die Markenstelle hat die Anmeldung daher zu Recht zurückgewiesen (§ 37 Abs. 1 MarkenG). 1. a) Unterscheidungskraft im Sinne von § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist die einer Marke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel aufgefasst zu werden, das die in Rede stehenden Waren oder Dienstleistungen als von einem bestimmten Unternehmen stammend kennzeichnet und diese Waren oder Dienstleistungen somit von denjenigen anderer Unternehmen unterscheidet (EuGH GRUR 2015, 1198 Rdnr. 59 f. – Nestlé/Cadbury [Kit Kat]; BGH GRUR 2018, 932 Rdnr. 7 – #darferdas? I; GRUR 2018, 301 Rdnr. 11 – Pippi-Langstrumpf-Marke; GRUR 2016, 934 Rdnr. 9 – OUI). Denn die Hauptfunktion der Marke besteht darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen zu ge- währleisten (EuGH GRUR 2010, 228 Rdnr. 33 – Audi AG/HABM [Vorsprung durch Technik]; BGH a. a. O. – #darferdas? I; a. a. O. – OUI). Da allein das Fehlen jegli- cher Unterscheidungskraft ein Eintragungshindernis begründet, ist ein großzügiger Maßstab anzulegen, so dass jede auch noch so geringe Unterscheidungskraft ge- nügt, um das Schutzhindernis zu überwinden (BGH a. a. O. – Pippi-Langstrumpf- Marke). Ebenso ist zu berücksichtigen, dass der Verkehr ein als Marke verwendetes Zeichen in seiner Gesamtheit mit allen seinen Bestandteilen so aufnimmt, wie es ihm entgegentritt, ohne es einer analysierenden Betrachtungsweise zu unterziehen (EuGH GRUR 2004, 428 Rdnr. 53 – Henkel; BGH a. a. O. Rdnr. 15 – Pippi-Langs- trumpf-Marke). - 5 - Maßgeblich für die Beurteilung der Unterscheidungskraft zum relevanten Anmelde- zeitpunkt (BGH GRUR 2013, 1143 Rdnr. 15 – Aus Akten werden Fakten) sind einerseits die beanspruchten Waren oder Dienstleistungen und andererseits die Auffassung der beteiligten inländischen Verkehrskreise, wobei auf die Wahrneh- mung des Handels und/oder des normal informierten, angemessen aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers der fraglichen Waren oder Dienstleis- tungen abzustellen ist (EuGH GRUR 2006, 411 Rdnr. 24 – Matratzen Concord/Hukla; BGH GRUR 2014, 376 Rdnr. 11 – grill meister). Ausgehend hiervon besitzen Wortzeichen dann keine Unterscheidungskraft, wenn ihnen die angesprochenen Verkehrskreise lediglich einen im Vordergrund stehen- den beschreibenden Begriffsinhalt zuordnen (EuGH GRUR 2004, 674, Rdnr. 86 – Postkantoor; BGH a. a. O. Rdnr. 8 – #darferdas? I; GRUR 2012, 270 Rdnr. 11 – Link economy) oder wenn diese aus gebräuchlichen Wörtern oder Wendungen der deutschen Sprache oder einer bekannten Fremdsprache bestehen, die vom Verkehr – etwa auch wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung – stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (BGH a. a. O. – #darferdas? I; a. a. O. Rdnr. 12 – OUI; GRUR 2014, 872 Rdnr. 21 – Gute Laune Drops). Darüber hinaus besitzen keine Unterscheidungskraft vor allem auch Angaben, die sich auf Umstände beziehen, die die beanspruchte Ware oder Dienst- leistung zwar selbst nicht unmittelbar betreffen, durch die aber ein enger beschrei- bender Bezug zu diesen hergestellt wird und deshalb die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Verkehr den beschreibenden Begriffsinhalt ohne weiteres erfasst und in der Bezeichnung kein Unterscheidungsmittel für deren Herkunft sieht (BGH a. a. O. – #darferdas? I; a. a. O. – Pippi-Langstrumpf-Marke). Hierfür reicht es aus, dass ein Wortzeichen, selbst wenn es bislang für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen nicht beschreibend verwendet wurde oder es sich gar um eine sprachliche Neuschöpfung handelt, in einer seiner möglichen Bedeutungen ein Merkmal dieser Waren und Dienstleistungen bezeichnen kann (EuGH GRUR 2004, 146 Rdnr. 32 – DOUBLEMINT; BGH GRUR 2014, 569 Rdnr. 18 – HOT); dies gilt auch für ein zusammengesetztes Zeichen, das aus mehreren Begriffen besteht, die - 6 - nach diesen Vorgaben für sich genommen schutzunfähig sind. Der Charakter einer Sachangabe entfällt bei der Zusammenfügung beschreibender Begriffe jedoch dann, wenn die beschreibenden Angaben durch die Kombination eine ungewöhnli- che Änderung erfahren, die hinreichend weit von der Sachangabe wegführt (EuGH MarkenR 2007, 204 Rdnr. 77 f. – CELLTECH; BGH GRUR 2014, 1204 Rdnr. 16 – DüsseldorfCongress). b) Diesen Anforderungen an die Unterscheidungskraft im Sinne des § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG genügt die beanspruchte Wortfolge „Ei, Ei, Ei, Ei, Ei“ nicht. Denn die angesprochenen inländischen Verkehrskreise haben sie zum maßgeblichen Anmel- dezeitpunkt, dem 18. Mai 2020, in erster Linie als einen verstärkten Ausdruck des Erstaunens aufgefasst, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf die beanspruch- ten Waren und Dienstleistungen lenken soll und damit wie eine werbliche Anprei- sung wirkt. Bei vielen Produkten haben sie das Anmeldezeichen auch als werblich anpreisenden Sachhinweis auf einen entsprechenden Inhaltsstoff verstehen kön- nen. Ein Mittel zur betrieblichen Herkunftsindividualisierung haben sie in der ange- meldeten Wortfolge jedoch nicht erkannt. aa) Von den Waren der Klassen 32 und 33 und den Dienstleistungen der Klasse 43 werden breite Verkehrskreise angesprochen, nämlich sowohl der normal infor- mierte, angemessen aufmerksame und verständige Durchschnittsverbraucher als auch der Getränkefachhandel, der Gastronomiefachverkehr sowie gewerbliche Kunden (BPatG 26 W (pat) 56/20 – Brauhaus Garmisch; 26 W (pat) 1/20 – Fami- lienwein; 26 W (pat) 508/19 – Ulmer Hell; 26 W (pat) 554/18 – HERZBLATT; 26 W (pat) 561/16 – Schwaben Bräu). bb) Das Anmeldezeichen besteht aus dem der deutschen Alltagssprache entstam- menden Begriff „Ei“, der, jeweils getrennt durch ein Komma und ein Leerzeichen, fünfmal wiederholt wird. - 7 - aaa) Das Substantiv „Ei“ bezeichnet u. a. eine „befruchtete oder nicht befruchtete weibliche, tierische oder menschliche Keimzelle“, ein „(von bestimmten Tieren, be- sonders Vögeln, gelegtes) von einer Schale umschlossenes, die Eizelle und meist Dotter und Eiweiß enthaltendes kugeliges, oft länglich ovales Gebilde“ oder ein „Hühnerei (als Nahrungsmittel)“ (https://www.duden.de/rechtschreibung/Ei). Das Nomen „Ei“ ist ferner Bestandteil zahlreicher Redensarten, u. a. „jemanden mit [faulen] Eiern bewerfen (als Ausdruck starken Missfallens)“, „jemanden, etwas wie ein rohes Ei (sehr vorsichtig) behandeln“ oder „ach, du dickes Ei! (umgangssprach- lich: Ausruf der Überraschung)“ (https://www.duden.de/rechtschreibung/Ei). (1) In Alleinstellung ist dieses Wort für eine große Anzahl der beanspruchten Waren ein schlagwortartiges Beschaffenheitsmerkmal, weil Eier, Eibestandteile oder Eier- produkte schon vor dem maßgeblichen Anmeldezeitpunkt, dem 18. Mai 2020, Be- standteil alkoholfreier und alkoholischer Getränke gewesen sind, wie eine Internet- recherche des Senats ergeben hat: - „FÜNF! DRINKS MIT EIERN - Cocktails mit Ei sind noch immer nicht selbst- verständlich. … RAMOS GIN FIZZ … CLYDE COMMON EGGNOG … SLOE GIN SILVER FIZZ …“ (5. April 2015, https://mixology.eu/cocktails-mit- ei-rezept/, Anlage 1 zum gerichtlichen Hinweis; auch alle folgenden Anlagen beziehen sich auf den gerichtlichen Hinweis); - „Heidelbeer-Eierlikör-Drink“ (5.8.2009, https://www.koch- bar.de/rezept/216522/Heidelbeer-Eierlikoer-Drink.html, Anlage 2); - „Milch Eier Getränke Rezepte … Ziegenmilcheierlikör … Eier-Mandel-Milch … Orangen-Eierlikör mit Vanille … Eierbier … Eierlikör mit Wodka und Rum …“ (mit Nachweisen von 2008 bis 2015, https://www.chef- koch.de/rs/s0/milch+eier+getr%C3%A4nk/Rezepte.html, Anlagenkon- volut 3); - 8 - - „Getränke mit rohen Eiern … Eier-Grog … Eier-Limonade … Eier-Kognak … Eier-Wein …“ (21. Juni 2012, https://doazmol-rezepte.ch/archive/6896, Anlage 4); - „Rohes Ei und Wodka: Die besten Kater-Cocktails“ (30.12.2019, https://kurier.at/freizeit/essen-trinken/rohes-ei-und-wodka-die-besten-kater- cocktails/400713387, Anlage 5). (2) Einen zumindest engen beschreibenden Bezug stellt das Wort „Ei“ in Alleinstel- lung zu den Dienstleistungen der Klasse 43 her, weil die vorgenannten Getränke bei der Verpflegung von Gästen angeboten werden können. bbb) Die Interjektion „ei“ wird oft in der Kindersprache als Ausdruck der Verwunde- rung oder Überraschung, wie z. B. „ei, wo kommst du denn her?“ bzw. „Ei, der Daus“ oder als „Ausdruck der Zärtlichkeit“, wie z. B. „ei [ei] machen (streicheln, liebkosen)“ verwendet (https://www.duden.de/rechtschreibung/ei; https://de.wiktio- nary.org/wiki/ei). ccc) Neben der vorgenannten lexikalisch nachgewiesenen Doppelstellung des Aus- rufewortes „ei“ in einem der Kindersprache entstammenden Ausdruck der Zärtlich- keit ist eine Verdoppelung des Substantivs „Ei“ vor dem Anmeldezeitpunkt auch im einschlägigen Produktbereich festgestellt worden, wie z. B. „Ei, Ei, Eierlikör – ein sicheres Produkt?“ (27. Dezember 2018, https://eatsmarter.de/blogs/die- getraenkepruefer/ei-ei-eierlikoer-ein-sicheres-produkt, Anlage 13) oder „Ei, Ei: Kleines Frühstücksbrevier“ (1. August 2017, THE BRITISH SHOP – Blog, zweiter Screenshot auf Seite 6 des gerichtlichen Hinweises). Die unmittelbare Verdoppelung eines Wortes oder einer Wortgruppe, sog. Geminatio, ist ein rhetorisches Stilmittel, das der Rede Nachdruck verleihen soll (https://de.wikipedia.org/wiki/Geminatio) und seit langem in der modernen Werbe- psychologie verwendet wird, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und den werbemäßig auffordernden Charakter zu unterstreichen, weshalb der Verkehr - 9 - sie nicht als betriebskennzeichnend wahrnimmt (BPatG 30 W (pat) 566/20 – My- My/MY-MY; 29 W (pat) 36/20 – Vino WEINLOFT; 27 W (pat) 65/09 – AUTOAUTO!; 29 W (pat) 148/95 – Leute LEUTE; 29 W (pat) 198/92 – FalzFalz). Der bloße Verdoppelungseffekt als solcher kann die Schutzfähigkeit nicht begründen (BPatG 30 W (pat) 23/00 – Äskulapstab in grünem Kreuz; 26 W (pat) 44/98 – KaufMarkt). ddd) Aber auch an eine unmittelbare dreifache Wiederholung des Begriffs „Ei“ bzw. „ei“, die der rhetorischen Stilfigur der Epizeuxis entspricht (https://de.wikipe- dia.org/wiki/Epizeuxis), in Liedern, Buch- und Veranstaltungstiteln, in Überschriften und sogar im einschlägigen Getränkebereich sind die angesprochenen inländischen Verkehrskreise bereits am Anmeldetag, dem 18. Mai 2020, gewöhnt gewesen: - „Tierlied: „Ei, ei, ei ihr Hühnerchen“ …“ (https://www.heilpaedagogik- info.de/tierlieder/102-ei-ei-ei-ihr-huehnerchen.html, Anlage 7); - „EI, EI, EI“ (vgl. file:///H:/Daten/13_ei-ei-ei.pdf, Anlage 8); - „Ei, ei, ei!“ (https://www.kinderbuch-couch.de/titel/2279-ei-ei-ei/, erschienen: Februar 2020, Anlage 10); - „Ei, ei, ei – Das Oster Backbuch“ (2019, https://www.amazon.de/Ei-Oster- Backbuch-Rezepte-Backen-Genie%C3%9Fen/dp/3960932758, Anlage 11); - „Ei, Ei, Ei wie schön … Proteinbombe … im Beauty-Bereich …“ (16.3.2019, https://www.gesundheit.com/beauty-pflege/1/ei-ei-ei-wie-schoen, Anlage 12); - „Ei-Ei-Ei Osterallerlei 2019“ (Screenshot auf Seite 5 Mitte des gerichtlichen Hinweises); - „Ei, Ei, Ei! – Carlsplatz – Der Markt“ (19.4.2019, Screenshot auf Seite 5 unten des gerichtlichen Hinweises); - 10 - - „Ei, Ei, Ei: Ostern im Forchheimer Pfalzmuseum“ (20.4.2019, Screenshot auf Seite 6 oben des gerichtlichen Hinweises); - „Ei, Ei, Ei! - Hersfelder Schützengilde 1252 e. V“. (28.4.2019, Screenshot auf Seite 6 unten des gerichtlichen Hinweises); - „Eieiei, jetzt wird‘s bunt – Bad Reichenhaller“ (30.3.2020, Screenshot auf Seite 6 unten des gerichtlichen Hinweises); - „Weilimdorfer Heimatkreis e. V. … Ei Ei Ei Ausstellung: Ei Ei Ei“ (03.03.2012 bis 14.04.2012) Kunst, die auch dem Papst gefällt …“ (Screenshot auf Seite 7 des gerichtlichen Hinweises); - „Ei, ei, ei – Verpoorten“, hervorgegangen aus dem Schlager „Ay ay ay Maria – Maria aus Bahia“, seit über 60 Jahren ein bekannter Werbespruch eines bedeutenden Eierlikörherstellers (https://de.wikipedia.org/wiki/Verpoorten, Anlage 6). cc) In der Gesamtheit haben die breiten inländischen Verkehrskreise der angemel- deten Wortfolge „Ei, Ei, Ei, Ei, Ei“ in Bezug auf die alkoholfreien und alkoholischen Getränke und -präparate der Klassen 32 und 33 sowie die Verpflegungsdienstleis- tungen zum maßgeblichen Anmeldezeitpunkt entweder eine fünffach wiederholte und daher besonders einprägsame schlagwortartige Zutatenangabe und/oder einen durch die Verfünffachung besonders eindringlich wirkenden Ausdruck des Erstau- nens entnommen, der nur der werbemäßigen Anpreisung der vorgenannten Waren und Dienstleistungen dient (vgl. BGH GRUR 2010, 640 Rdnr. 11, 13 – hey!; BPatG 26 W (pat) 37/95 – CIAO). Sie haben das Anmeldezeichen daher entweder als Be- schaffenheitsangabe oder als werbliche Anpreisung, aber nicht als Hinweis auf die Herkunft aus einem bestimmten Unternehmen aufgefasst. - 11 - dd) Dies gilt unabhängig davon, ob dem Publikum am Anmeldetag neben der zwei- und dreifachen auch die fünffache Wortwiederholung geläufig gewesen ist. Denn für die Beurteilung des Schutzhindernisses mangelnder Unterscheidungskraft kommt es nicht darauf an, ob sich eine Verwendung des Anmeldezeichens in der Werbung nachweisen lässt (EuGH GRUR 2004, 1027 Rdnr. 46 – DAS PRINZIP DER BEQUEMLICHKEIT; BGH GRUR 2010, 640 Rdnr. 13 – hey!). Andernfalls könnte der erstmalige Verwender einer als Werbeschlagwort zu verstehenden Be- zeichnung diese für sich monopolisieren, obwohl der Verkehr hierin kein Betriebs- kennzeichen sieht (BPatG 29 W (pat) 64/08 – hey!). ee) Die fünfmalige Wiederholung ein und desselben Wortes, durch Kommata und Leerzeichen getrennt, stellt auch keine semantische oder syntaktische Besonder- heit dar, die dem Anmeldezeichen einen betrieblichen Herkunftshinweis vermitteln könnte. Da den angesprochenen Verkehrskreisen die Verdreifachung des Wortes „Ei“ bzw. „ei“ bekannt ist, führen die vierte und fünfte Wiederholung nicht zu einer entscheidenden Änderung des Verkehrsverständnisses. Beide werden vielmehr nur als eine weitere Verstärkung des Aufmerksamkeitseffekts wahrgenommen. ff) Ferner kann die regelwidrige Großschreibung des jeweils ersten Buchstabens der zweiten bis fünften Interjektion „ei“ keine Schutzfähigkeit begründen, weil der Verkehr an die willkürliche und nicht den grammatikalischen Regeln folgende Groß- und Kleinschreibung von Wörtern in der Werbung gewöhnt ist (BGH GRUR 2008, 710 Rdnr. 20 – VISAGE; BPatG 25 W (pat) 69/17 – digitale zimmermappe; 30 W (pat) 562/17 – TRAVELNEWS; 26 W (pat) 528/17 – EASYQUICK; 24 W (pat) 8/14 – KIDZ ONLY; 30 W (pat) 56/12 – IRLAB; 26 W (pat) 2/09 – LINKRANK). 2. Da schon das Schutzhindernis nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG vorliegt, kann dahinstehen, ob die angemeldete Wortfolge für die in Rede stehenden Waren und Dienstleistungen zum maßgeblichen Anmeldezeitpunkt auch gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG freihaltebedürftig gewesen ist. - 12 - III. Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Beschluss ist das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde nur gegeben, wenn gerügt wird, dass 1. das beschließende Gericht nicht vorschriftsmäßig besetzt war, 2. bei dem Beschluss eine Richterin oder ein Richter mitgewirkt haben, die von der Ausübung des Richteramtes kraft Gesetzes ausgeschlossen oder wegen Besorgnis der Befangenheit mit Erfolg abgelehnt waren, 3. einer beteiligten Person das rechtliche Gehör versagt war, 4. eine beteiligte Person im Verfahren nicht nach Vorschrift des Gesetzes vertreten war, sofern sie nicht der Führung des Verfahrens ausdrücklich oder stillschweigend zugestimmt hat, 5. der Beschluss aufgrund einer mündlichen Verhandlung ergangen ist, bei der die Vorschriften über die Öffentlichkeit des Verfahrens verletzt worden sind, oder 6. der Beschluss nicht mit Gründen versehen ist. - 13 - Die Rechtsbeschwerdeschrift muss von einer beim Bundesgerichtshof zugelasse- nen Rechtsanwältin oder von einem beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechts- anwalt unterzeichnet und innerhalb eines Monats nach Zustellung des Beschlusses beim Bundesgerichtshof, Herrenstraße 45a, 76133 Karlsruhe eingereicht werden. Die Frist kann nicht verlängert werden. Kortge Kätker Dr. von Hartz