Beschluss
33 W (pat) 37/07
Bundespatentgericht, Entscheidung vom
PatentrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BPatG 152 08.05 BUNDESPATENTGERICHT 33 W (pat) 37/07 (Aktenzeichen) B E S C H L U S S In der Beschwerdesache betreffend die Markenanmeldung 306 58 474.3 _______________________ … r Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Bender owie der Richter Kätker und Knoll eschlossen: hat der 33. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts in der Sitzung vom 21. Oktober 2008 unte s b - 2 - Die Beschwerde der Anmelderin wird zurückgewiesen. - 3 - G r ü n d e I. Die Wortfolge Der Nutzen: Alle tun das RICHTIGE zur richtigen Zei t ist am 21. September 2006 u. a. für folgende, noch verfahrensgegenständliche Dienstleistungen zur Eintragung in das Markenregister angemeldet worden: Klasse 35: nstleistungen und For- schungsarbeiten und diesbezügliche Designerdienstleistungen; eine Werbeaussage allgemeiner Art sehen. Denn die sprachregelgerecht gebil- Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroar- beiten; Klasse 42: Wissenschaftliche und technologische Die industrielle Analyse- und Forschungsdienstleistungen; Entwurf und Entwicklung von Computerhardware und -software; Rechtsbera- tung und -vertretung. Die Markenstelle für Klasse 35 des Deutschen Patent- und Markenamts hat durch Beschluss eines Beamten des höheren Dienstes die Markenanmeldung teilweise, nämlich in Bezug auf sämtliche angemeldeten Dienstleistungen der Klassen 35 und 42, wegen fehlender Schutzfähigkeit zurückgewiesen. Die angemeldete Marke sei insoweit nicht unterscheidungskräftig. Erhebliche Teile des Verkehrs würden im Zusammenhang mit den beanspruchten Dienstleistungen in der angemeldeten Wortfolge keinen betrieblichen Herkunftshinweis, sondern - 4 - dete Wortfolge rücke ein Wertversprechen in den Vordergrund, mit dem auf die Qualität der angebotenen Leistungen hingewiesen und zur Inanspruchnahme die- ses Angebots aufgefordert werde. Sie erschöpfe sich in dem Verständnis, dass derart gekennzeichnete Dienstleistungen von einem Anbieter stammten, der über esondere Fähigkeiten und Kompetenzen in den Bereichen Wissen und (strategi- igen eitpunkt in zutreffender Art und Weise zum Nutzen der Kunden tätig würden. ehlende Kürze, Originalität und Prägnanz führten zusätzlich von einem Ver- ständnis als betrieblicher Herkunftshinw weg. Der Umstand, dass der Slogan inen gewissen Bedeutungsspielraum in sich trage, führe zu keiner anderen Be- gt, erde. Diese Voraussetzungen lägen hier nicht angemeldeten Wortfolge sei äußerst diffus und lasse nicht b sches) Handeln verfüge, indem er bzw. alle seine Mitarbeiter zum jeweils richt Z F eis e urteilung. Gegen die Teilzurückweisung der Anmeldung richtet sich die Beschwerde der Anmelderin, die sinngemäß beantra den Beschluss der Markenstelle aufzuheben, soweit die Anmel- dung zurückgewiesen worden war. Die Anmelderin ist der Auffassung, dass die angemeldete Wortmarke schutzfähig sei. Die Unterscheidungskraft könne nur solchen Marken abgesprochen werden, die eine für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen im Vordergrund ste- hende Sachaussage aufwiesen oder die unmittelbar beschreibend seien. Außer- dem könne die Unterscheidungskraft fehlen, wenn es sich um eine Angabe han- dele, die sich auf Umstände beziehe, die die Waren oder Dienstleistungen nicht unmittelbar betreffe, durch die aber ein enger sachlicher Bezug zu den Waren oder Dienstleistungen hergestellt w vor. Die Aussage der erkennen, wer mit „alle“ gemeint sei, bzw. welcher Personenkreis das Richtige zur richtigen Zeit tun könne. Ebenso diffus bleibe, was konkret das „Richtige“ zur „richtigen Zeit“ sein könne. Die Bedeutung, die die Markenstelle der Wortfolge ge- geben habe, könne ihr nicht entnommen werden. Soweit die Markenstelle auf die - 5 - Länge der Wortfolge abstelle und deshalb die Unterscheidungskraft verneine, könne dem nicht gefolgt werden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Länge eines Slogans oder aber dessen Kürze, Originalität und Prägnanz ein zulässiges Kriterium bei der Beurteilung der Unterscheidungskraft sein könne. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt Bezug genommen. II. Die zulässige Beschwerde der Anmelderin hat in der Sache keinen Erfolg. Die an- gemeldete Marke ist wegen fehlender Unterscheidungskraft nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG von der Eintragung als Marke für die noch verfahrensgegenständlichen Dienstleistungen ausgeschlossen. Bei der Beurteilung von Schutzhindernissen ist maßgeblich auf die Auffassung der beteiligten inländischen Verkehrskreise abzustellen, wobei dies alle Kreise sind, in enen die fragliche Marke Verwendung finden oder Auswirkungen haben kann. ren und Dienstleistungen zu gewährleisten (vgl. u. a. EuGH GRUR 2004, 428, d Dabei kommt es auf die Sicht des normal informierten und angemessen aufmerk- samen und verständigen Durchschnittsverbrauchers im Bereich der einschlägigen Waren und Dienstleistungen an (vgl. Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8 Rdn. 23 ff.). Bei den streitgegenständlichen Dienstleistungen der Klassen 35 und 42 werden je nach Produkt unterschiedliche Verkehrskreise angesprochen, zum größten Teil spezielle Fachverkehrskreise; im Übrigen kann aber auch der allgemeine Verkehr angesprochen sein, etwa in Bezug auf die Dienstleistungen „Rechtsberatung und -vertretung“. Unterscheidungskraft ist die einer Marke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als betrieblicher Herkunftshinweis aufgefasst zu werden. Denn die Haupt- funktion einer Marke liegt darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Wa- - 6 - 429 f. (Nr. 30, 31) „Henkel“; GRUR 2004, 943, 944 (Nr. 23, 24) „SAT.2“; BGH GRUR 2006, 850, 854 (Nr. 17) „FUSSBALL WM 2006“). Keine Unterscheidungs- raft besitzen insbesondere Bezeichnungen, denen der Verkehr im Zusammen- huss aufweisen (vgl. GH GRUR 2002, 1070, 1071 - Bar jeder Vernunft). Gleichwohl ist zu berücksich- k hang mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen lediglich einen im Vor- dergrund stehenden beschreibenden Begriffsinhalt zuordnet (vgl. BGH 2006, 850, 854 (Nr. 19) „FUSSBALL WM 2006“; EuGH GRUR 2004, 674, 678 (Nr. 86) „Postkantoor“). Darüber hinaus fehlt der Unterscheidungskraft auch solche Anga- ben, die sich auf Umstände beziehen, welche die beanspruchte Ware oder Dienstleistung zwar nicht unmittelbar betreffen, mit denen aber ein enger be- schreibender Bezug zu dem betreffenden Produkt hergestellt wird (BGH - FUSSBALL WM 2006 a. a. O.). Die Eignung, Waren und Dienstleistungen ihrer Herkunft nach zu unterscheiden, kommt schließlich auch solchen Angaben nicht zu, die aus gebräuchlichen Wörtern oder Wendungen der deutschen Sprache be- stehen, die etwa wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung oder in den Medien stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (BGH - FUSSBALL WM 2006 a. a. O.; GRUR 2001, 1043, 1044 - Gute Zeiten - Schlechte Zeiten). Werbeslogans und sonstige spruchartige Wortfolgen - wie die vorliegend angemel- dete Wortfolge - sind bei der Beurteilung der Unterscheidungskraft wie andere Wortmarken zu behandeln. Sie unterliegen keinen strengeren Schutzvorausset- zungen und müssen insbesondere keine zusätzliche Originalität aufweisen (vgl. Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8 Rdn. 115 m. w. N.). Es ist auch nicht er- forderlich, dass sie einen selbständig kennzeichnenden Bestandteil enthalten oder in ihrer Gesamtheit einen besonderen phantasievollen Übersc B tigen, dass der Verkehr in Slogans regelmäßig dann keinen Herkunftshinweis sieht, wenn der Slogan eine Werbefunktion ausübt, die z. B. darin besteht, die Qualität der betreffenden Waren oder Dienstleistungen anzupreisen, es sei denn, dass die Werbefunktion im Vergleich zu ihrer behaupteten Herkunftsfunktion of- - 7 - fensichtlich von untergeordneter Bedeutung ist (vgl. EuGH GRUR 2004, 1027, 1029 (Nr. 35) DAS PRINZIP DER BEQUEMLICHKEIT). Die Markenstelle hat die Schutzfähigkeit der angemeldeten Marke mit zutreffender Begründung verneint. Bei der angemeldeten Wortfolge steht der werbend be- schreibende Sinngehalt im Sinne einer auf das Dienstleistungsangebot bezogenen Qualitätsanpreisung mit dem konkreten Hinweis auf eine „optimale Teamleistung“ des Leistungserbringers derart im Vordergrund, dass der Verkehr schon deshalb darin keinen betrieblichen Herkunftshinweis erkennt. Soweit die zurückgewiese- nen Dienstleistungen im Verkehr im Zusammenhang mit der angemeldeten Wort- folge angeboten werden, ergibt sich hinreichend deutlich, dass mit der Wortfolge auf den „Nutzen“ für den Kunden hingewiesen wird, der mit der Inanspruchnahme der Dienstleistung verbunden ist. Dieser Nutzen besteht für den Kunden darin, dass „alle das Richtige zur richtigen Zeit tun“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Anbieter der jeweiligen Dienstleistung über ein Team von Personen ver- fügt, die perfekt zusammenarbeiten, d. h. die bei optimalem Timing das Richtige tun. Gerade bei komplexeren Dienstleistungen kann es auf ein solches gutes Zu- sammenspiel eines Teams ankommen. Da sämtliche zurückgewiesenen Dienst- leistungen auch komplexer Natur sein können, kann diese Aussage auch im Zu- sammenhang mit sämtlichen zurückgewiesenen Dienstleistungen eine Rolle spie- n. Dies gilt auch für die Dienstleistung „Rechtsberatung und -vertretung“, weil ichtige Rolle pielen können, wenn es um komplizierte Angelegenheiten geht, zu deren Lösung ehrere Spezialisten benötigt werden (z. B. bei gesellschafts- und steuerrechtli- blemstellungen im internatio sammenhang). Entgegen der Auffassung der Anmelderin ist die in der angemeldeten Marke e haltene Werbeaussage nach der Erkenntnis des Senats auch nicht diffus, insbe- sondere auch nicht in dem Sinne, dass eine schutzbegründende Mehrdeutigkeit gegeben wäre. In diesem Zusammenhang darf die Verständnisfähigkeit des Ver- kehrs nicht zu gering veranschlagt werden (vgl. Ströbele/Hacker, MarkenG, le inzwischen auch im Rechtsberatungsbereich Teamleistungen eine w s m cher Pro nalen Zu nt- - 8 - 8. Aufl., § 8 Rdn. 62 - 65 mit weiteren zahlreichen Rechtsprechungsnachweisen), zumal er daran gewöhnt ist, Werbebotschaften schlagwortartig vermittelt zu be- kommen (siehe dazu auch Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8 Rdn. 66). Auch wenn bei der angemeldeten Wortfolge die sachbezogene Werbebotschaft nicht im Einzelnen ausformuliert ist, dass nämlich „der Nutzen für den angesprochenen Kunden darin besteht, dass der Anbieter der Dienstleistungen über ein Team von Leuten verfügt, die optimal zusammenarbeiten“, wird genau diese Werbebotschaft durch die Wortfolge kurz und prägnant vermittelt, ohne dass hierfür größere Überlegungen oder eingehende Analysen notwendig wären. Die Auffassung der Anmelderin, dass bei der Wortfolge bereits unklar sei, welche Personen mit „Alle“ gemeint seien, hält der Senat nicht für zutreffend. Ob insoweit eine schutzbegrün- dende Bedeutungsvielfalt vorliegt, darf nicht abstrakt beurteilt werden, sondern muss im Zusammenhang mit den beanspruchten Waren und Dienstleistungen ge- sehen werden (siehe dazu auch Ströbele/Hacker, MarkenG, 8. Aufl., § 8 Rdn. 56). Im Zusammenhang mit dem Angebot der vorliegenden Dienstleistungen wird der Verkehr angesichts der anpreisenden Gesamtaussage der Wortfolge nicht auf die Idee kommen, dass der Anbieter solcher Dienstleistungen als Verwender des Werbeslogans mit dem Wort „Alle“ etwa die Kunden selbst oder irgendwelche dritten Personen bezeichnen will. Dies ergibt keinen Sinn. Angesichts der Ge- samtumstände liegt ein solches Verständnis außerhalb der Wahrscheinlichkeit. Nach alledem war die Beschwerde der Anmelderin zurückzuweisen. Bender Kätker Knoll Cl