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Entscheidung

3 StR 304/25

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2025:030925B3STR304
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2025:030925B3STR304.25.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 3 StR 304/25 vom 3. September 2025 in der Strafsache gegen wegen gefährlicher Körperverletzung u.a. - 2 - Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesan- walts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 3. September 2025 gemäß § 349 Abs. 2 und 4, § 354 Abs. 1 analog StPO einstimmig beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landge- richts Oldenburg vom 30. Januar 2025 im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte der gefährlichen Körperverlet- zung schuldig ist. 2. Die weitergehende Revision wird verworfen. 3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwen- digen Auslagen zu tragen. Gründe: Das Landgericht hatte den Angeklagten mit Urteil vom 27. Oktober 2022 wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt und Einziehungsentscheidungen getroffen. Dieses Urteil hatte der Senat mit Beschluss vom 30. April 2024 (3 StR 90/23, NStZ 2025, 505) mit den Feststellungen aufgehoben. Im zweiten Rechts- gang hat das Landgericht den Angeklagten nunmehr wegen gefährlicher Körper- verletzung in Tateinheit mit Bedrohung unter Einbeziehung der Einzelstrafen einer Vorverurteilung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt und Einziehungsentscheidungen getroffen. Hiergegen wendet sich der Be- 1 - 3 - schwerdeführer mit seiner auf die Verletzung materiellen Rechts gestützten Re- vision. Das Rechtsmittel hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO. I. Nach den vom Landgericht getroffenen Feststellungen suchte der Ange- klagte in Tötungsabsicht die Wohnung der Nebenklägerin auf. Nachdem er die Tür eingetreten hatte, trat er der im Badezimmer befindlichen Nebenklägerin ent- gegen, richtete frontal vor ihr stehend eine Schusswaffe auf sie und drückte ab. In seiner Erregung verzog er den Schuss, sodass das Projektil die Nebenklägerin verfehlte. Mit fortbestehendem Tötungswillen schlug der Angeklagte sodann mit der Waffe mehrfach auf den Kopf der Nebenklägerin ein, ließ jedoch nach einigen Schlägen, nicht ausschließbar aus autonomen Motiven, von ihr ab. Das Landgericht hat die Tat rechtlich gewertet als gefährliche Körperver- letzung in Tateinheit mit Bedrohung, strafbar gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2 Alterna- tive 2, Nr. 5, § 241 Abs. 2, § 52 StGB. II. 1. Die auf die allgemeine Sachrüge veranlasste umfassende Überprüfung des Urteils führt zu der aus der Beschlussformel ersichtlichen Änderung des Schuldspruchs; im Übrigen hat sie keine weiteren Rechtsfehler zu Ungunsten des Angeklagten ergeben. Während die Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung rechtlicher Überprüfung standhält, unterliegt der Schuldspruch in Bezug auf die angenom- mene tateinheitliche Strafbarkeit wegen Bedrohung mit einem Verbrechen der Aufhebung. Der Generalbundesanwalt hat in seiner Antragsschrift hierzu ausge- führt: 2 3 4 5 - 4 - „Soweit die Kammer hingegen eine tateinheitliche Begehung wegen Be- drohung gemäß § 241 Abs. 2 StGB angenommen hat, indem der Ange- klagte die geladene Schusswaffe bewusst auf die Nebenklägerin richtete (UA Bl. 79), begegnet diese Annahme durchgreifenden rechtlichen Beden- ken. Die Feststellungen belegen nicht, dass der Angeklagte die Geschä- digte im Sinne des § 241 Absatz 2 StGB bedroht hat. Unerheblich ist daher auch, ob durch einen strafbefreienden Rücktritt des Angeklagten die grundsätzlich auf Konkurrenzebene verdrängte Bedrohung wieder auflebt (UA Bl. 80). aa) Eine Bedrohung im Sinne des § 241 Abs. 2 StGB setzt das ausdrück- lich erklärte oder konkludent zum Ausdruck gebrachte Inaussichtstellen der Begehung eines Verbrechens gegen den Drohungsadressaten oder eine ihm nahestehende Person voraus (vgl. BGH, Beschluss vom 15. Ja- nuar 2015 - 4 StR 419/14, NStZ 2015, 394 Rn. 9 m.w.N.; BGH, Urteil vom 19. Dezember 1961 – 1 StR 288/61, BGHSt 16, 386; Fischer, StGB, 71. Aufl. 2024, § 241 Rn. 4). Ein Drohen kann daher nur als ein Hinweis auf etwas noch Zukünftiges begriffen werden, sodass im Beginn der Ver- wirklichung eines Geschehens selbst - hier durch das Vorhalten der Schusswaffe und die gezielte Schussabgabe - nicht zugleich seine Ankün- digung liegen kann (BGH, Beschluss vom 4. Dezember 2018 - 4 StR 418/18, BeckRs 2018, 33703; Beschluss vom 8. Juni 1984 - 2 StR 293/84, NStZ 1984, 454; Fischer, StGB, 71. Aufl. 2024, § 241 Rn. 5; Schluckebier in: Leipziger Kommentar zum StGB, 13. Auflage, § 241 StGB Rn. 37). bb) Ein über die Begehung der versuchten Tötungshandlung hinausge- hendes Verhalten, in welchem möglicherweise eine Drohungshandlung liegen könnte, belegen die Feststellungen nicht. Den Feststellungen las- sen sich weder eine Äußerung des Angeklagten noch eine zeitlich länger andauernde Zäsur zwischen dem Vorhalt der Waffe und der Schussab- gabe entnehmen, die eine über die bloße Tatbegehung hinausgehende Handlung belegen könnten. Nach den Feststellungen ging der Angeklagte wortlos auf die Nebenklägerin zu und schoss - ebenfalls wortlos - auf die frontal vor ihm stehende Nebenklägerin (UA Bl. 14).“ Dem schließt sich der Senat unter Berücksichtigung des vorliegend feh- lenden eigenständigen Unrechtsgehalts der Bedrohung an. Der Schuldspruch war in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO zu ändern. 6 - 5 - 2. Der Strafausspruch ist von dem Rechtsfehler nicht betroffen. Es ist aus den vom Generalbundesanwalt in der Antragsschrift zutreffend dargelegten Gründen auszuschließen, dass das Landgericht bei Wegfall der angenommenen Strafbarkeit nach § 241 Abs. 2 StGB auf eine niedrigere Einzelstrafe erkannt hätte. 3. Angesichts des geringen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO). Schäfer RinBGH Dr. Hohoff befindet sich im Urlaub und ist gehin- dert zu unterschreiben. Schäfer Anstötz Kreicker Voigt Vorinstanz: Landgericht Oldenburg, 30.01.2025 - 4 Ks 1203 Js 2521/22 (21/24) 7 8