Entscheidung
6 StR 283/24
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2024:100724B6STR283
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2024:100724B6STR283.24.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 6 StR 283/24 (alt: 6 StR 242/23) vom 10. Juli 2024 in der Strafsache gegen wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln u.a. - 2 - Der 6. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 10. Juli 2024 beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landge- richts Dessau-Roßlau vom 8. Februar 2024 a) dahin geändert, dass er des bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in Tateinheit mit Besitz von Betäu- bungsmitteln schuldig ist, b) im Strafausspruch unter Aufrechterhaltung der zugehörigen Feststellungen aufgehoben. 2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhand- lung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmit- tels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückver- wiesen. 3. Die weitergehende Revision wird verworfen. Gründe: Das Landgericht hatte den Angeklagten im ersten Rechtszug wegen be- waffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in Tateinheit mit Besitz von Be- täubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ver- urteilt. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft änderte der Senat mit Urteil vom 18. Oktober 2023 den Schuldspruch dahin, dass der Angeklagte wegen bewaff- neten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in Tateinheit mit Besitz von Betäu- bungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig ist, und hob es im Strafausspruch auf. Im zweiten Rechtszug hat das Landgericht den Angeklagten auf Grundlage 1 - 3 - dieses Schuldspruchs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten hat in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. Auf Grundlage des am 1. April 2024 in Kraft getretenen Konsumcannabis- gesetzes (KCanG) ist der Schuldspruch entsprechend § 354 Abs. 1 i.V.m. § 354a StPO neuerlich zu ändern. Die tateinheitliche Verurteilung wegen Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge beruhte darauf, dass der Angeklagte (neben dem zum bewaffneten Handeltreiben bestimmten Heroin) 45,6 g Canna- bis (Wirkstoffmenge mindestens 4 g Tetrahydrocannabinol) und 14 g Kokain (Wirkstoffmenge 4,01 g Kokainhydrochlorid) in seiner Wohnung zum Eigenkon- sum aufbewahrte. Da Cannabis seit Inkrafttreten des KCanG nicht mehr vom Be- täubungsmittelgesetz erfasst wird, ist diese Droge für die Bestimmung der Straf- barkeit nach § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG nunmehr ohne Belang. Allein das sicher- gestellte Kokain genügt indes nicht, um schon von einer „nicht geringen Menge“ im Sinne dieser Vorschrift auszugehen (vgl. dazu BGH, Urteil vom 1. Feb- ruar 1985 – 2 StR 685/84, BGHSt 33, 133; Beschluss vom 15. Mai 2024 – 6 StR 73/24). Dies hat zur Folge, dass sich der Angeklagte insoweit allein nach § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BtMG strafbar gemacht hat. Eine etwaige tateinheitliche Verurteilung wegen Besitzes von Cannabis nach § 34 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b KCanG kommt nicht in Betracht, weil der Angeklagte lediglich 45,6 g Cannabis in seiner Wohnung und damit keine im Sinne des Gesetzes verbotene Menge auf- bewahrte. Die Rechtskraft des Schuldspruchs steht der Berücksichtigung der Geset- zesänderung im Revisionsverfahren nicht entgegen. Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, dass das Revisionsgericht eine nach der Entscheidung des Tatgerichts eingetretene, das angewendete Strafgesetz mildernde Gesetzesän- derung trotz Rechtskraft des Schuldspruchs zu berücksichtigen hat, wenn nur die Strafandrohung gemildert worden oder die Strafbarkeit entfallen ist (vgl. BGH, 2 3 - 4 - Urteil vom 1. Dezember 1964 – 3 StR 35/64, BGHSt 20, 116, 118; Beschlüsse vom 23. April 2024 – 5 StR 153/24; vom 29. April 2024 – 6 StR 117/24). Nichts anderes gilt, wenn eine Gesetzesänderung ein lediglich tateinheitlich verwirklich- tes Delikt betrifft. Denn dieses ist in aller Regel für die konkrete Bemessung der Strafe – hier für die Entscheidung, ob ein minder schwerer Fall im Sinne des § 30a Abs. 3 BtMG vorliegt – von Belang; insoweit liegt ein untrennbarer Zusam- menhang zwischen Schuld- und Strafausspruch vor. Der Änderung des Schuldspruchs steht § 265 StPO nicht entgegen, weil sich der geständige Angeklagte nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können. Die Änderung zieht die Aufhebung des Strafausspruchs nach sich. Es ist nicht auszuschließen, dass die Strafkammer auf Grundlage des geänderten Schuldspruchs einen minder schweren Fall im Sinne des § 30a Abs. 3 BtMG bejaht hätte und, wie bereits im ersten Rechtszug, zu einer milderen Strafe ge- langt wäre. Demgegenüber bedarf es bei dem hier allein vorliegenden Wertungs- fehler keiner Aufhebung von Feststellungen. Das neue Tatgericht kann ergän- zende Feststellungen treffen, die mit den bisherigen nicht in Widerspruch stehen. Feilcke Tiemann Fritsche von Schmettau Arnoldi Vorinstanz: Dessau-Roßlau, 08.02.2024 - 2 KLs 651 Js 14923/22 651 Js 14923/22 4