OffeneUrteileSuche
Entscheidung

2 ARs 408/23

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2024:040424B2ARS408
7Zitate
1Normen
Originalquelle anzeigen

Zitationsnetzwerk

7 Entscheidungen · 1 Normen

VolltextNur Zitat
Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2024:040424B2ARS408.23.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 2 ARs 408/23 2 AR 170/23 vom 4. April 2024 in der Auslieferungssache gegen wegen Strafverfolgung an die Russische Föderation Antragstellerin: D. Az.: 2 AR 27/21 (S) Brandenburgisches Oberlandesgericht 53 AuslA 23/21 Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg - 2 - Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbun- desanwalts und der Beschwerdeführerin am 4. April 2024 beschlossen: Die Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen den Beschluss des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 19. Juli 2021 – Az. 2 AR 27/21 (S) – wird auf ihre Kosten als unzulässig verwor- fen. Gründe: Die Beschwerde, der das Oberlandesgericht mit Beschluss vom 31. Au- gust 2023 nicht abgeholfen hat, war als unzulässig zu verwerfen, weil Entschei- dungen des Oberlandesgerichts in einer Auslieferungssache unanfechtbar sind (§ 13 Abs. 1 Satz 2 IRG). Die in § 13 Abs. 1 Satz 1 IRG normierte sachliche Zuständigkeit der Ober- landesgerichte in Auslieferungssachen erfasst nicht nur Entscheidungen über die Zulässigkeit der Auslieferung und zum Erlass eines Auslieferungshaftbefehls, sondern erstreckt sich als Annexkompetenz auch auf die Anordnung von Maß- nahmen der Telekommunikationsüberwachung sowie des Einsatzes technischer Mittel zur Ermittlung des Aufenthaltsorts des Verfolgten zur Sicherung der Aus- lieferung (OLG Bremen, Beschluss vom 9. November 2018 – 1 AuslA 33/18, juris Rn. 7 ff. mwN; Böhm, NStZ 2019, 256, 258; BeckOK-StPO/Graf, 50. Ed., § 100a Rn. 104). Auch solche Annexentscheidungen sind gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 IRG der Anfechtung entzogen. 1 2 - 3 - Die in § 13 Abs. 1 Satz 2 IRG geregelte Unanfechtbarkeit von Entschei- dungen des Oberlandesgerichts, die für alle Entscheidungen im Auslieferungs- verfahren gilt (vgl. BGH, Beschluss vom 8. Oktober 1987 – 2 ARs 254/87, BGHR IRG § 13 Unanfechtbarkeit 1), beruht auf einer bewussten Entscheidung des Ge- setzgebers (BT-Drucks. 9/1338, S. 47, vgl. auch BT-Drucks. 14/8527, S. 44 zu § 7 IStGHG). Gegen § 13 Abs. 1 Satz 2 IRG werden im Schrifttum im Hinblick auf Art. 19 Abs. 4 GG verfassungsrechtliche Bedenken geltend gemacht (König/Voigt, in: Ambos/König/Rackow, Rechtshilferecht in Strafsachen, 2. Aufl., § 13 IRG Rn. 158; Leipold/Lochmann, ZRP 2018, 43, 45; Pieronczyk, AnwBl. On- line 2019, 362, 367; Schierholt, in Schomburg/Lagodny, Internationale Rechts- hilfe in Strafsachen, 6. Aufl., § 13 Rn. 5; Vogel/Burchard, in: Grützner/Pötz/ Kreß/Gazeas/Brodowski, IRG, § 13 Rn. 15 ff.), die der Senat nicht teilt. Die dort teilweise vorgeschlagene „verfassungskonforme Auslegung“, die dazu führen soll, über § 77 Abs. 1 IRG in entsprechender Anwendung des § 304 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 eine Beschwerde zum Bundesgerichtshof zuzulassen (Vogel/Burchard, aaO, Rn. 17; zustimmend König/Voigt, aaO), ist verfassungsrechtlich nicht gebo- ten und scheidet im Übrigen im Hinblick auf den Wortlaut und den klar erkennba- ren gesetzgeberischen Willen aus (zu den Grenzen verfassungskonformer Aus- legung vgl. etwa BVerfG, Beschlüsse vom 15. Oktober 1996 – 1 BvL 44, 48/92, 3 - 4 - BVerfGE 95, 64, 93; vom 16. Dezember 2014 – 1 BvR 2142/11, BVerfGE 138, 64, 93 f.; Jarass, in Jarass/Pieroth, GG, 17. Aufl., Art. 20 Rn. 68 mwN). Menges Grube Schmidt