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Entscheidung

6 StR 528/23

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2024:070224B6STR528
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2024:070224B6STR528.23.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 6 StR 528/23 vom 7. Februar 2024 in der Strafsache gegen wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge u.a. - 2 - Der 6. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 7. Februar 2024 beschlossen: Auf die Revisionen der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Regensburg vom 7. Juli 2023 im Maßregelausspruch aufgehoben, wobei die zugehörigen Feststel- lungen Bestand haben. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Die weitergehenden Revisionen werden verworfen. Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Handeltreibens mit Betäu- bungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Erwerb von Betäubungs- mitteln und wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten ver- urteilt, eine Einziehungsentscheidung getroffen und die Unterbringung des Ange- klagten in einer Entziehungsanstalt bei einem Vorwegvollzug der Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten angeordnet. Das auf die allgemeine Sachrüge gestützte Rechtsmittel des Angeklagten und die vom Generalbundesanwalt über- wiegend vertretene, wirksam auf den Maßregelausspruch beschränkte Revision der Staatsanwaltschaft haben in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO) und sind im Übrigen unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. 1 - 3 - 1. Die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einer Entzie- hungsanstalt hält revisionsgerichtlicher Nachprüfung nicht stand. Das Landge- richt hat zwar rechtsfehlerfrei einen Hang des Angeklagten, einen symptomati- schen Zusammenhang zwischen dem Hang und den abgeurteilten Betäubungs- mitteldelikten und die Gefahr bejaht, dass der Angeklagte infolge seines Hanges weitere erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird. Die Urteilsgründe belegen aber nicht die nach der Neufassung des § 64 Satz 2 StGB erforderliche Erfolgs- aussicht, die eine durch Tatsachen belegte Wahrscheinlichkeit höheren Grades verlangt (vgl. BGH, Beschluss vom 16. November 2023 – 6 StR 452/23). Der Generalbundesanwalt hat dazu ausgeführt: „Der Umstand, dass die gegen den Angeklagten durch Urteil des Landgerichts Weiden in der Oberpfalz vom 27. Juli 2016 (BZR Zif- fer 6) angeordnete Unterbringung in der Entziehungsanstalt, nach- dem deren Abbruch wegen erneuter Straffälligkeit aus der Maßre- gel heraus im Raum stand, fortgesetzt und schließlich zur Bewäh- rung ausgesetzt wurde (UA S. 27), stellt keine Tatsache dar, die eine erhöhte Erfolgswahrscheinlichkeit zu begründen vermag. Denn der Angeklagte beging bereits während der sich daran an- schließenden Lockerungen die Tat II.1, welche ein nicht unerheb- liches Maß an Planung und Koordination erforderte. Die Ausset- zung zur Bewährung erfolgte zudem zu einem Zeitpunkt, als die Begehung der einschlägigen Tat II.1 der Urteilsgründe noch nicht bekannt war. Bei bestehender Kenntnis liegt es nahe, dass die Maßregel − wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Revisionsbegrün- dung zutreffend ausgeführt hat (RB S. 6) − nach § 67d Abs. 5 Satz 1 StGB durch das Gericht für erledigt erklärt und der Strafvollzug fortgesetzt worden wäre. Auch die erklärte Therapiebereitschaft und das Vorhandensein der für die Therapie erforderlichen kogni- tiven Fähigkeiten (UA S. 27) lassen den Erfolg der Maßregel nicht mit einer Wahrscheinlichkeit höheren Grades erwarten. Der Annahme einer positiven Erfolgsaussicht steht bereits entge- gen, dass der Angeklagte in der Vergangenheit nach absolvierter Therapie umgehend wieder Betäubungsmittel konsumierte − im Anschluss an eine therapeutische Maßnahme nach § 35 BtMG 2 3 - 4 - (BZR Ziffer 5) bereits am Tag der Entlassung (UA S. 5). Auch nachdem die später angeordnete Maßregel nach § 64 StGB (BZR Ziffer 6) zur Bewährung ausgesetzt wurde, konsumierte der Ange- klagte Spice und seit einer entsprechenden Verschreibung Can- nabis … Er trat zudem jeweils erneut mit massiven einschlägigen Straftaten in Erscheinung, die er zum Teil aus dem Maßregelvoll- zug heraus und zum Teil unter (zweifacher) laufender Bewährung beging (UA S. 5, 24 f.).“ Dem schließt sich der Senat an. 2. Der Entscheidung über die Anordnung des Vorwegvollzugs ist damit die Grundlage entzogen. Das neue Tatgericht wird insoweit § 67 Abs. 5 Satz 1 StGB zu beachten haben. Die rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen sind von dem Wertungsfehler nicht betroffen; sie können Bestand haben (§ 353 Abs. 2 StPO) und um ihnen nicht widersprechende ergänzt werden. Sander Tiemann Wenske Fritsche Arnoldi Vorinstanz: Landgericht Regensburg, 07.07.2023 - 5 KLs 507 Js 26499/22 4 5