Entscheidung
4 StR 346/22
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom
StrafrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2023:260423B4STR346
4Zitate
6Normen
Zitationsnetzwerk
4 Entscheidungen · 6 Normen
VolltextNur Zitat
Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2023:260423B4STR346.22.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS 4 StR 346/22 vom 26. April 2023 in der Strafsache gegen wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln u.a. - 2 - Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag und nach Anhörung des Generalbundesanwalts sowie nach Anhörung des Beschwerdeführers am 26. April 2023 gemäß § 349 Abs. 2 und 4, § 354 Abs. 1b StPO, § 354 Abs. 1 StPO analog beschlossen: 1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landge- richts Arnsberg vom 1. Februar 2022, soweit es ihn betrifft, a) aufgehoben aa) im Ausspruch über die Gesamtstrafe mit der Maß- gabe, dass eine nachträgliche gerichtliche Entschei- dung über die Gesamtstrafe nach § 460, § 462 StPO zu treffen ist; bb) in den Aussprüchen über die Anrechnung der auf die einbezogenen Geldstrafen erbrachten Zahlungen und über die Einziehung des sichergestellten Mobiltele- fons Samsung Galaxy A 50; diese Aussprüche entfal- len; b) hinsichtlich der verbleibenden Einziehungsentscheidung dahin klargestellt, dass gegen den Angeklagten als Ge- samtschuldner die Einziehung des Wertes von Taterträ- gen in Höhe von 3.250 € angeordnet ist. 2. Die weiter gehende Revision wird verworfen. 3. Die Entscheidung über die Kosten des Rechtsmittels bleibt dem für das Nachverfahren gemäß § 460, § 462 StPO zustän- digen Gericht vorbehalten. - 3 - Gründe: Das Landgericht hat den Angeklagten unter Freispruch im Übrigen wegen „gemeinschaftlichen unerlaubten“ bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungs- mitteln „in nicht geringer Menge“ in Tateinheit mit „unerlaubtem“ Besitz von Be- täubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen „gemeinschaftlichen uner- laubten“ Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unter Einbeziehung der Geldstrafen aus zwei Strafbefehlen zu einer Gesamtfreiheits- strafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt und angeordnet, dass „hierauf“ geleistete Zahlungen mit elf Tagen angerechnet würden. Ferner hat es eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die hiergegen gerichtete, auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten erzielt den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg und ist im Übrigen unbe- gründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO. 1. Während die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtferti- gung hinsichtlich des Schuldspruchs und der Zumessung der Einzelstrafen kei- nen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat, kann die Gesamt- strafe nicht bestehen bleiben. a) Das Landgericht hat die Gesamtstrafe aus den Einzelstrafen wegen der hier abgeurteilten Taten (Fälle 10 und 11, II.3.a) und b) der Urteilsgründe) unter nachträglicher Einbeziehung der Strafen aus einem Strafbefehl des Amtsgerichts Arnsberg vom 22. September 2020 und einem weiteren Strafbefehl desselben Amtsgerichts vom 18. Februar 2021 gebildet. Dies ist in mehrfacher Hinsicht rechtsfehlerhaft. Ausgehend von den mitgeteilten Erlasszeitpunkten der Strafbe- fehle – deren Rechtskraftdaten allerdings nicht ausdrücklich festgestellt sind – beging der Angeklagte die Tat 11 sicher und die Tat 10 nicht ausschließbar erst nach dem erstgenannten Strafbefehl, so dass die Voraussetzungen für eine 1 2 3 - 4 - nachträgliche Gesamtstrafenbildung nach § 55 Abs. 1 StGB insoweit nicht (si- cher) vorlagen. Zudem sind beide Strafbefehle untereinander nicht gesamt- strafenfähig, denn nach den Feststellungen war die dem Strafbefehl vom 18. Februar 2021 zugrundeliegende Straftat erst am 30. September 2020, mithin nach Erlass des zweiten Strafbefehls, beendet. Eine Benachteiligung des Angeklagten ist nicht auszuschließen, weil die einbezogene Geldstrafe aus dem ersten Strafbefehl die Gesamtfreiheitsstrafe als schwerere Strafart erhöht haben kann (vgl. BGH, Beschluss vom 27. Juli 2021 – 6 StR 322/21, juris Rn. 2). Da weitere Feststellungen zu dem Datum der Tat 10 sowie dem Rechtskraftdatum des ersten Strafbefehls möglich erscheinen und zudem feststeht, dass eine nachträgliche Gesamtstrafe jedenfalls zu bilden sein wird, macht der Senat von der Möglichkeit des § 354 Abs. 1b StPO Gebrauch und überlässt die neu zu treffende Entscheidung dem Beschlussverfahren nach § 460, § 462 StPO. b) Infolge der Aufhebung der Gesamtstrafe hat auch der Ausspruch über die Anrechnung von auf die Geldstrafen erbrachten Zahlungen zu entfallen. Er ist auch für sich genommen rechtsfehlerhaft, denn die Anrechnung von Zahlun- gen auf die einbezogenen Geldstrafen hat – nach Maßgabe des § 51 Abs. 2 und 4 StGB – im Rahmen der Strafvollstreckung und nicht durch das Tatgericht zu erfolgen (BGH, Beschluss vom 17. November 2015 – 4 StR 378/15). 2. Auch die Einziehungsentscheidung des Landgerichts weist durchgrei- fende Rechtsfehler auf. a) Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift zutreffend gel- tend gemacht hat, wird die angeordnete Einziehung des sichergestellten Mobil- 4 5 6 7 - 5 - telefons der Marke Samsung Galaxy A 50 von den Urteilsfeststellungen nicht ge- tragen. Diese ergeben insbesondere nicht, dass der Angeklagte das Telefon als Tatmittel zur Begehung einer der hier abgeurteilten Taten gebrauchte und des- halb die Voraussetzungen des vom Landgericht in der Liste der angewandten Vorschriften genannten § 74 StGB vorgelegen hätten. Der Senat schließt aus, dass diesbezüglich weitere Feststellungen möglich sind, und hebt die Einzie- hungsentscheidung daher insoweit in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO auf. b) Die angeordnete Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 3.250 € bedarf der Klarstellung dahin, dass es sich entgegen dem Urteilstenor nicht um eine erweiterte Einziehung handelt. Ausweislich der Urteilsgründe hat das Landgericht diesen Betrag als Wert von Erlösen aus den hier abgeurteilten Taten eingezogen und daher – zutreffend – auf § 73, § 73c StGB gestützt. Quentin Maatsch Messing Momsen-Pflanz Dietsch Vorinstanz: Landgericht Arnsberg, 01.02.2022 ‒ II-2 KLs-461 Js 159/20-5/21 8