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Entscheidung

VI ZR 453/17

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

ZivilrechtBundesgerichtECLI:DE:BGH:2018:230118BVIZR453
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Entscheidungsgründe
ECLI:DE:BGH:2018:230118BVIZR453.17.0 BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS VI ZR 453/17 vom 23. Januar 2018 in dem Rechtsstreit - 2 - Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 23. Januar 2018 durch den Vorsitzenden Richter Galke, den Richter Offenloch, die Richterinnen Dr. Roloff und Müller und den Richter Dr. Allgayer beschlossen: Der Antrag des Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Be- schluss des Oberlandesgerichts Bamberg vom 4. Oktober 2017 in Verbindung mit dem Urteil des Landgerichts Hof vom 7. März 2017 einstweilig einzustellen, wird zurückgewiesen. Gründe: I. Der Beklagte ist durch Urteil des Landgerichts zur Zahlung von 161.191,46 € nebst Zinsen verurteilt worden. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Beklagten durch Beschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO zurückge- wiesen, das Urteil des Landgerichts gemäß § 708 Nr. 10 ZPO ohne Sicherheits- leistung für vorläufig vollstreckbar erklärt und dem Beklagten Abwendungsbe- fugnis gemäß § 711 Satz 1 ZPO eingeräumt. Nach fristgerechter Einlegung und Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde hat der Beklagte beantragt, die Zwangsvollstreckung aus dem Beschluss des Oberlandesgerichts in Verbin- dung mit dem landgerichtlichen Urteil einstweilig einzustellen. 1 - 3 - II. Der Antrag hat keinen Erfolg. Eine Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO kommt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichthofs nicht in Betracht, wenn der Schuldner es im Berufungsverfahren versäumt hat, einen Vollstreckungs- schutzantrag (§ 712 ZPO) zu stellen oder bei einem Übergehen eines derarti- gen Antrags durch das Berufungsgericht eine Ergänzung der Entscheidung gemäß §§ 716, 321 ZPO zu beantragen (BGH, Beschlüsse vom 16. Juli 2013 - VIII ZR 34/13, GuT-W 2013, 108; vom 30. Juni 2008 - VIII ZR 98/08, WuM 2008, 613; vom 24. November 1999 - XII ZR 69/99, NJW-RR 2000, 746). So liegt der Fall hier. Zwar hatte der Beklagte bereits in der Berufungs- begründung beantragt, ihm Vollstreckungsschutz gemäß § 712 ZPO zu gewäh- ren. Das Berufungsgericht hat jedoch nur über den zugleich gestellten Antrag auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung gemäß § 719 Abs. 1 ZPO entschieden (Beschluss vom 9. August 2017), nicht aber über den Antrag ge- mäß § 712 ZPO, der, anders als der Antrag nach § 719 Abs. 1 ZPO, auf Voll- streckungsschutz gegenüber der Berufungsentscheidung abzielt (BGH, Be- schlüsse vom 21. Januar 2016 - V ZB 175/13, juris Rn. 7 mwN; vom 2. Juli 2014 - XII ZR 65/14, MDR 2014, 926 Rn. 4). Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit in dem die Berufung zurückweisenden Beschluss vom 4. Ok- tober 2017 ist auf §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO gestützt, der Antrag des Beklagten gemäß § 712 ZPO wird nicht erwähnt. Eine Ergänzung der Entscheidung ge- mäß §§ 716, 321 ZPO, die auch möglich ist, wenn wie hier das Berufungsge- richt durch Beschluss nach § 522 Abs. 2 ZPO entschieden hat (BGH, Beschluss vom 4. Juli 2017 - VIII ZR 101/17, WuM 2017, 607 Rn. 4) und die auch den Fall erfasst, dass ein Antrag nach § 712 ZPO übergangen wurde (vgl. BGH, Be- 2 3 4 - 4 - schlüsse vom 16. Juli 2013 - VIII ZR 34/13, GuT-W 2013, 108; vom 30. Juni 2008 - VIII ZR 98/08, WuM 2008, 613; vom 24. November 1999 - XII ZR 69/99, NJW-RR 2000, 746; Götz in MünchKomm-ZPO, 5. Aufl., § 712 Rn. 2 und § 716 Rn. 1; Lackmann in Musielak/Voit, ZPO, 14. Aufl., § 716 Rn. 1; Giers in Kindl/Meller-Hannich/Wolf, Gesamtes Recht der Zwangsvollstreckung, 3. Aufl., § 716 Rn. 2, 5; Herget in Zöller, ZPO, 32. Aufl., § 716 Rn. 1; Kroppenberg in Prütting/Gehrlein, ZPO, 9. Aufl., § 716 Rn. 1; Seiler in Thomas/Putzo, ZPO, 38. Aufl., § 716 Rn. 1), hat der Beklagte beim Berufungsgericht nicht beantragt. Galke Offenloch Roloff Müller Allgayer Vorinstanzen: LG Hof, Entscheidung vom 07.03.2017 - 11 O 351/14 - OLG Bamberg, Entscheidung vom 04.10.2017 - 1 U 24/17 -