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Leitsatz

XII ZB 667/14

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

ZivilrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS X I I Z B 6 6 7 / 1 4 vom 22. Juli 2015 in der Familiensache Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja ZPO §§ 574, 406; FamFG § 30 Ein Beschluss, durch den die Ablehnung eines Sachverständigen (hier: in einem die Regelung der elterlichen Sorge betreffenden Verfahren) für begründet erklärt worden ist, kann vom Gegner nicht mit der Rechtsbeschwerde angefochten werden. Das gilt auch dann, wenn die Rechtsbeschwerde in der betreffenden Entscheidung zugelas- sen worden ist. BGH, Beschluss vom 22. Juli 2015 - XII ZB 667/14 - Kammergericht Berlin AG Berlin-Schöneberg - 2 - Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 22. Juli 2015 durch den Vorsitzenden Richter Dose, die Richterin Weber-Monecke und die Richter Schilling, Dr. Nedden-Boeger und Guhling beschlossen: Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 25. Zivilsenats - Senat für Familiensachen - des Kammergerichts in Berlin vom 24. November 2014 wird auf Kosten der weiteren Beteiligten zu 2 verworfen. Beschwerdewert: 1.000 € Gründe: I. Der Vater begehrt die alleinige, hilfsweise die gemeinsame elterliche Sor- ge für die nichtehelich geborene Tochter der beteiligten Eltern. Das Amtsgericht hat mit Beschluss vom 8. Oktober 2013 die Beweiser- hebung durch Einholung eines familienpsychologischen Sachverständigengut- achtens zu der Frage angeordnet, welcher Elternteil zur alleinigen Ausübung der elterlichen Sorge, hilfsweise des Aufenthaltsbestimmungsrechts, für das Kind besser geeignet sei. Der Sachverständige ist in seinem schriftlichen Gut- achten zu dem Ergebnis gelangt, dass unter näher dargestellten Voraussetzun- gen die Mutter (Beteiligte zu 2) derzeit besser geeignet sei, die elterliche Sorge allein auszuüben. Daraufhin hat der Vater den Sachverständigen wegen Be- sorgnis der Befangenheit abgelehnt. 1 2 - 3 - Das Amtsgericht hat den Befangenheitsantrag zurückgewiesen. Auf die hiergegen gerichtete Beschwerde des Vaters hat das Kammergericht den ange- fochtenen Beschluss abgeändert und das Ablehnungsgesuch für begründet erklärt. Mit der vom Kammergericht zugelassenen Rechtsbeschwerde erstrebt die Mutter die Wiederherstellung der erstinstanzlichen Entscheidung. II. Die Rechtsbeschwerde ist unzulässig. 1. Da das Amtsgericht durch Beweisbeschluss vom 8. Oktober 2013 die Einholung eines schriftlichen Sachverständigengutachtens angeordnet und da- mit entschieden hat, die entscheidungserheblichen Tatsachen durch eine förm- liche Beweisaufnahme festzustellen, sind auf die Erhebung des betreffenden Beweises gemäß § 30 Abs. 1 FamFG die Vorschriften der Zivilprozessordnung entsprechend anwendbar (Senatsbeschlüsse vom 16. November 2011 - XII ZB 6/11 - FamRZ 2012, 293 Rn. 8 und vom 15. September 2010 - XII ZB 383/10 - FamRZ 2010, 1726 Rn. 11, 18; Bork/Jacoby/Schwab/Jacoby FamFG 2. Aufl. § 30 Rn. 10; Keidel/Sternal FamFG 18. Aufl. § 30 Rn. 1). Diese Verweisung ist umfassend; sie erstreckt sich deshalb auch auf die gegen Entscheidungen in Beweisverfahren statthaften Rechtsmittel (Bork/Jacoby/Schwab/Jacoby FamFG 2. Aufl. § 30 Rn. 10). 2. Nach dem somit anwendbaren § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist zwar gegen einen Beschluss die Rechtsbeschwerde statthaft, falls das Beschwerdegericht, das Berufungsgericht oder das Oberlandesgericht im ersten Rechtszug sie in dem Beschluss zugelassen hat. Trotz des weit gefassten Gesetzeswortlauts gilt dies indessen nicht für alle derartigen Beschlüsse. Eine Rechtsbeschwerde ist 3 4 5 6 - 4 - vielmehr gleichwohl unzulässig, wenn das Gesetz eine Anfechtung der Ent- scheidung ausschließt (BGH Beschlüsse vom 12. September 2002 - III ZB 43/02 - NJW 2002, 3554 und vom 13. November 2008 - IX ZB 231/07 - FamRZ 2009, 223 Rn. 5). Denn die Zulassung der Rechtsbeschwerde hat keine Ausweitung der Rechtsschutzmöglichkeiten über die gesetzlichen Zulässig- keitsvoraussetzungen hinaus zur Folge. Dementsprechend macht die Zulas- sung der Rechtsbeschwerde durch das Beschwerdegericht die Prüfung der sonstigen Zulässigkeitsvoraussetzungen nicht entbehrlich, zu denen unter an- derem die Feststellung gehört, ob der Rechtsmittelführer durch die angegriffene Entscheidung überhaupt beschwert ist oder ob ihm hiergegen ein Beschwerde- recht zusteht. Vielmehr wird einem Beschwerdeführer durch die Rechtsmittelzu- lassung die Einlegung einer Rechtsbeschwerde nur ermöglicht, wenn und so- weit sie nach dem Gesetz statthaft und auch sonst zulässig ist (Senatsbe- schluss vom 26. September 2012 - XII ZB 664/10 - FamRZ 2013, 213 Rn. 7; BGH Beschluss vom 13. November 2008 - IX ZB 231/07 - FamRZ 2009, 223 Rn. 6). 3. Das ist hier nicht der Fall. Denn nach dem gemäß § 30 Abs. 1 FamFG entsprechend anwendbaren § 406 Abs. 5 ZPO findet gegen den Beschluss, durch den die Ablehnung eines Sachverständigen - wie im vorliegenden Fall - für begründet erklärt wird, kein Rechtsmittel statt. Die Anfechtbarkeit der Ent- scheidung ist nach der genannten Bestimmung auf den Fall der Zurückweisung eines Ablehnungsgesuchs begrenzt. Daher vermag auch eine positive Zulas- sungsentscheidung den Rechtsmittelzug gegen den einem Ablehnungsgesuch stattgebenden Beschluss nicht zu eröffnen, weil eine nach dem Gesetz 7 - 5 - unanfechtbare Entscheidung nicht mit Hilfe einer Zulassung der Anfechtung unterworfen werden kann (Senatsbeschluss vom 26. September 2012 - XII ZB 664/10 - FamRZ 2013, 213 Rn. 7; BGH Beschluss vom 13. November 2008 - IX ZB 231/07 - FamRZ 2009, 223 Rn. 6). Dose Weber-Monecke Schilling Nedden-Boeger Guhling Vorinstanzen: AG Berlin-Schöneberg, Entscheidung vom 12.08.2014 - 80 F 19/13 - KG Berlin, Entscheidung vom 24.11.2014 - 25 WF 111/14 -