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VII ZR 152/13

Bundesgerichtshof, Entscheidung vom

ZivilrechtBundesgericht
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Entscheidungsgründe
BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL V I I Z R 1 5 2 / 1 3 Verkündet am: 5. Juni 2014 Seelinger-Schardt, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja BGB § 133 C, § 157 Ga Wird ein Grundstück, dessen Schmutzwasser zuvor einer auf dem Grundstück be- findlichen Kleinkläranlage mit einem an das öffentliche Abwassernetz angeschlosse- nen Überlauf zugeführt wurde, an eine neu errichtete öffentliche Schmutzwasserlei- tung angeschlossen, kann hierfür nach den Allgemeinen Entsorgungsbedingungen für Abwasser ein Baukostenzuschuss für einen "Anschluss an die öffentlichen Ent- wässerungsanlagen" geschuldet sein. BGH, Urteil vom 5. Juni 2014 - VII ZR 152/13 - OLG Dresden LG Leipzig - 2 - Der VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 5. Juni 2014 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Kniffka, die Richter Dr. Eick, Halfmeier und Prof. Dr. Jurgeleit und die Richterin Graßnack für Recht erkannt: Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 28. Mai 2013 wird zurückgewie- sen. Die Beklagten haben die Kosten des Revisionsverfahrens zu tra- gen. Von Rechts wegen Tatbestand: Die Klägerin begehrt von den Beklagten die Zahlung eines Baukostenzu- schusses für den Anschluss an das öffentliche Abwassersystem sowie die Er- stattung der Kosten für die Herstellung des Grundstücksanschlusses (An- schlusskanal). Die klagende GmbH ist gemäß § 3 Abs. 2 der Satzung des Zweckver- bandes für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Leipzig-Land für die öffentliche Abwasserbeseitigung und für die Grundstücksentwässerung (Ab- wassersatzung - AbwS) vom 23. September 2010 (SächsABl. AAz. 2010, S. A 410 f.) Betreiber der dem Zweckverband übertragenen Aufgabe der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung für Leipzig-Land. Nach § 3 Abs. 3 AbwS bestimmen sich der Anschluss an das öffentliche Abwassernetz 1 2 - 3 - und die Entsorgung des Abwassers nach den Allgemeinen Entsorgungsbedin- gungen für Abwasser (AEB-A). § 2 Abs. 1 AEB-A (2008) lautet: "Der Anschlussnehmer hat bei Anschluss an die öffentlichen Ent- wässerungsanlagen oder bei einer wesentlichen Erhöhung seiner Leistungsanforderungen einen Zuschuss zu den Kosten der öf- fentlichen Entwässerungsanlagen (Baukostenzuschuss) an die Gesellschaft zu zahlen." § 3 AEB-A lautet: "§ 3 Grundstücksanschlüsse (Anschlusskanal), Anschlusskanal- kosten (1) Grundstücksanschlüsse (Anschlusskanäle) nach § 2 Nr. 7 der Abwasserentsorgungssatzung gehören zu den Betriebs- anlagen der Gesellschaft. (2) Die Herstellung des Grundstücksanschlusses (Anschlusska- nal) erfolgt durch die Gesellschaft. Die Gesellschaft kann sich eines Dritten bedienen. (3) Der Grundstücksanschluss (Anschlusskanal) beginnt am öf- fentlichen Kanal oder Schacht und endet am Übergabe- schacht auf dem Grundstück. Ist kein Übergabeschacht vor- handen, endet der Anschlusskanal an der Grundstücksgren- ze. … (5) Der Anschlussnehmer zahlt der Gesellschaft die Kosten nach der jeweils zum Zeitpunkt der Leistungserbringung gül- tigen 'Regelung der Kostenerstattung durch Anschlussneh- mer für Abwasser' für die Herstellung, Veränderung oder Be- seitigung des Grundstücksanschlusses (Anschlusskanal), die durch eine Änderung oder Erweiterung seiner Anlage erfor- derlich sind oder aus anderen Gründen von ihm veranlasst werden. …" 3 4 - 4 - Die Beklagten sind jeweils zur Hälfte Eigentümer eines Grundstücks in S. Jedenfalls bis zur Durchführung der streitgegenständlichen Baumaßnahmen wurde das auf diesem Grundstück anfallende häusliche Schmutzwasser zu- nächst einer auf dem Grundstück der Beklagten befindlichen Kleinkläranlage zugeführt. Deren Überfluss war an eine Abwasserleitung der Klägerin in Form einer Freigefälleleitung angeschlossen, die in das teilweise verrohrte öffentliche Gewässer B. mündete. Die in der Grube der Kleinkläranlage aufgefangenen Feststoffe wurden regelmäßig durch die Klägerin abgepumpt. Im Zuge der Erschließung eines benachbarten Baugebietes errichtete die Klägerin eine neue öffentliche Abwasserdruckleitung als Schmutzwasserleitung und - soweit erforderlich, so auch auf dem Grundstück der Beklagten - öffentli- che Anschlusskanäle, die ebenfalls als Druckleitungen ausgeführt waren. Teil- weise vorhandene Abwasserkanäle wurden in das neue System integriert und die Anlage insgesamt an ein zentrales Klärwerk angeschlossen. Die bereits vorhandene Freigefälleleitung wird nunmehr ausschließlich für die Sammlung und Abführung von Niederschlagswasser verwendet (Trennsystem). Unter dem 12. Dezember 2008 bot die Klägerin den Beklagten den Ab- schluss eines auf die Nutzung dieser neuen Anlagen gerichteten privat- rechtlichen Nutzungsvertrages an, dem Exemplare der AEB-A 2008, der Rege- lungen über die Kostenerstattung, des aktuell gültigen Preisblattes sowie eine Kalkulation des Baukostenzuschusses und der Hausanschlusskosten beigefügt waren. Seit dem 26. April 2011 nutzen die Beklagten die Abwasserentsor- gungsanlage. Das Landgericht hat die Klage auf Zahlung von 4.252,42 € nebst Zinsen und vorgerichtliche Kosten abgewiesen. Die Berufung der Klägerin ist erfolg- 5 6 7 8 - 5 - reich gewesen. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision möchten die Beklagten die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils erreichen. Entscheidungsgründe: Die Revision der Beklagten hat keinen Erfolg. I. Das Berufungsgericht geht davon aus, dass zwischen den Parteien spä- testens mit dem Beginn der Abwassereinleitung der Beklagten am 26. April 2011 ein wirksamer Abwasser-Entsorgungsvertrag mit gleichzeitiger Übernah- me der Verpflichtung zur Baukostenzuschusszahlung unter Geltung der AEB-A (2008) zustande gekommen sei. Bei den Baumaßnahmen der Klägerin handele es sich um einen Anschluss des Grundstücks der Beklagten an die öffentliche Entwässerungsanlage der Klägerin im Sinne des § 2 Abs. 1 AEB-A. Der Begriff "Entwässerungsanlage" sei ebenso zu verstehen wie derjenige der öffentlichen "Abwasseranlage" in § 2 Nr. 2 AbwS. Hiernach seien als öffentliche Abwasser- anlage definiert das öffentliche Abwassernetz und die öffentlichen Abwasserbe- handlungsanlagen. Die Verpflichtung zur Zahlung eines Baukostenzuschusses gemäß § 2 AEB-A beziehe sich nicht nur auf einen erstmaligen Anschluss an das öffentli- che Abwassernetz, sondern auch auf den erstmaligen Anschluss an die öffentli- che Abwasserbehandlungsanlage. Hierunter sei gemäß § 2 Nr. 4 der Satzung 9 10 11 - 6 - des Zweckverbandes die Anlage zur Behandlung des gesammelten Abwassers bzw. Abwasserschlamms einschließlich der Ableitung zum Gewässer zu ver- stehen. An diese öffentliche zentrale Abwasserbehandlungsanlage sei das Grundstück der Beklagten durch die Errichtung des Trennsystems erstmals an- geschlossen worden. Die Höhe der beiden separat geltend gemachten Forderungen sei jeweils schlüssig dargelegt und hinsichtlich ihrer Berechnungsparameter den Rechts- grundlagen in nachvollziehbarer Weise entnommen. Der Baukostenzuschuss betrage hiernach die geforderten 4.066,48 € und der Erstattungsanspruch für die Herstellung des neuen grundstücksbezogenen öffentlichen Anschlusskanals 185,94 €. Weitere von den Beklagten erhobene Einwendungen seien von dem - wirksamen - Einwendungsausschluss des § 15 AEB-A erfasst, der dazu führe, dass sie in einem Rückforderungsprozess geltend gemacht werden müssten. II. Das hält der revisionsrechtlichen Überprüfung stand. 1. Rechtsfehlerfrei und von der Revision auch nicht angegriffen geht das Berufungsgericht davon aus, dass zwischen den Parteien ein Abwasserentsor- gungsvertrag unter Einbeziehung der Allgemeinen Entsorgungsbedingungen für Abwasser in der Fassung 2008 zustande gekommen ist. 2. Die Klägerin hat gegen die Beklagten aus dem Vertrag einen An- spruch auf Zahlung eines Baukostenzuschusses in der geltend gemachten Hö- he gemäß § 2 Abs. 1 AEB-A. 12 13 14 15 16 - 7 - a) Die Auslegung dieser Vertragsklausel ist vom Revisionsgericht nach § 545 Abs. 1 ZPO uneingeschränkt vorzunehmen. Denn Allgemeine Geschäfts- bedingungen sind wie revisible Rechtsnormen zu behandeln, da bei ihnen un- geachtet der Frage, ob sie über den räumlichen Bezirk eines Berufungsgerichts hinaus Verwendung finden, ein Bedürfnis nach einheitlicher Handhabung be- steht (BGH, Urteile vom 13. November 2012 - XI ZR 500/11, BGHZ 195, 298 Rn. 15; vom 20. Juni 2013 - VII ZR 82/12, BauR 2013, 1673 Rn. 12 = NZBau 2013, 567, jeweils m.w.N.). Allgemeine Geschäftsbedingungen sind - ausgehend von den Verständnismöglichkeiten eines rechtlich nicht vorgebilde- ten durchschnittlichen Vertragspartners - einheitlich so auszulegen, wie sie von verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Kreise verstanden werden (BGH, Urteil vom 20. Juni 2013 - VII ZR 82/12, aaO Rn. 12 m.w.N.; st. Rspr.). b) Nach diesen Maßstäben fällt unter die öffentlichen Entwässerungsan- lagen im Sinne von § 2 Abs. 1 AEB-A jedenfalls das öffentliche Abwassernetz. Mangels einer näheren Definition in den Allgemeinen Entsorgungsbedin- gungen Abwasser hat das Berufungsgericht zu Recht zur Auslegung des Be- griffs der öffentlichen Entwässerungsanlagen auf die zur Zeit des Vertragsab- schlusses gültige Satzung des Zweckverbandes zurückgegriffen. Hiernach um- fasst eine öffentliche Abwasseranlage das öffentliche Abwassernetz und die öffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen (§ 2 Nr. 2 AbwS). Das öffentliche Abwassernetz (Kanalnetz) ist die leitungsgebundene Anlage zur Aufnahme und zum Transport von Abwasser ab Grundstücksgrenze bzw. ab Übergabeschacht auf dem Grundstück bis zu einer öffentlichen Abwasserbehandlungsanlage oder einem Vorfluter (Gewässer). Es umfasst die Abwasserkanäle und An- schlusskanäle (§ 2 Nr. 3 AbwS). 17 18 19 - 8 - Es muss nicht entschieden werden, ob die Auffassung des Berufungsge- richts zutrifft, ein Anschluss an die öffentlichen Entwässerungsanlagen liege auch bei einem erstmaligen Anschluss an eine öffentliche (zentrale) Abwasser- behandlungsanlage vor, selbst wenn zuvor bereits ein Anschluss an das öffent- liche Abwassernetz bestand. Denn das Grundstück der Beklagten ist durch die in Rede stehenden Baumaßnahmen hinsichtlich der Schmutzwasserentsorgung erstmalig an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen worden. Das reicht aus, um die Pflicht zur Zahlung eines Baukostenzuschusses auszulösen. aa) Im Ansatz zutreffend geht die Revision zwar davon aus, dass von ei- nem Anschluss an die öffentlichen Entwässerungsanlagen im Sinne von § 2 Abs. 1 AEB-A nur auszugehen ist, wenn das Grundstück nicht bereits zuvor an eine öffentliche Entwässerungsanlage angeschlossen war und der (neu herge- stellte) Anschluss an eine öffentliche Entwässerungsanlage den bereits vorhan- denen Anschluss nicht lediglich ersetzte. Denn der Anschlussnehmer geht bei verständiger Würdigung des Wortlautes und Sinnes von § 2 Abs. 1 AEB-A da- von aus, dass er einen Baukostenzuschuss grundsätzlich nur einmal, nämlich dann zu leisten hat, wenn er erstmalig an die öffentlichen Entwässerungsanla- gen angeschlossen wird. Insoweit gilt Vergleichbares wie zur Regelung des § 9 AVBWasserV. Hiernach kann ein Trinkwasserversorger lediglich bei einem Neuanschluss eines Objektes an die Trinkwasserverteilungsanlagen einen Baukostenzuschuss erheben. Dagegen hat er die Kosten für die Unterhaltung und etwaige spätere Erneuerung der Verteilungsanlagen über die Preise abzu- decken (BGH, Urteil vom 23. November 2011 - VIII ZR 23/11, NJW-RR 2012, 351 Rn. 21 m.w.N.). bb) Indes handelt es sich hier nicht um die bloße Erneuerung der Ent- wässerungsanlagen. Die Beklagten waren vor den Baumaßnahmen noch nicht (voll) an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen. Anders als bei der 20 21 22 - 9 - Trinkwasserversorgung, wo es lediglich um die Frage gehen kann, ob ein Ob- jekt bereits an die einheitlichen Trinkwasserverteilungsanlagen angeschlossen ist, ist bei der Abwasserentsorgung zu differenzieren. Denn im Gegensatz zur Trinkwasserversorgung kommen hier mehrere verschiedene Leistungen der Abwasserentsorgung in Betracht. Es gibt unterschiedliche Arten von Abwasser. In § 2 Nr. 1 AbwS wird unterschieden zwischen Schmutzwasser, Nieder- schlagswasser und sonstigem in Abwasseranlagen mit Schmutzwasser oder Niederschlagswasser fließenden Wasser. Es ist deshalb möglich, nur hinsicht- lich der Beseitigung bestimmter Abwässer an die öffentlichen Entwässerungs- anlagen angeschlossen zu sein, hinsichtlich anderer jedoch (noch) nicht. So liegt der Fall hier. Die neu errichtete Abwasserdruckleitung ist zur Aufnahme von Schmutzwasser bestimmt. Das Schmutzwasser der Beklagten war bis dahin nicht über das öffentliche Abwassernetz entsorgt worden. Vielmehr war es der Kleinkläranlage zugeführt und dort behandelt worden. § 2 Nr. 13 AbwS definiert solche Kleinkläranlagen (Grundstückskläranlagen) ausdrücklich als Abwasser- behandlungsanlage, die auf einem Grundstück betrieben wird. Der dort anfal- lende Abwasserschlamm, den die Klägerin regelmäßig abgepumpt hat, wird als Entsorgungsgut bezeichnet (§ 2 Nr. 9 AbwS). Auch aus § 3 AbwS ergibt sich die Unterscheidung zwischen einer sol- chen Entsorgung über eine Kleinkläranlage und dem Anschluss an öffentliche Abwasseranlagen. In § 3 Abs. 1 AbwS werden einerseits die Ableitung und Be- handlung des Abwassers in einer öffentlichen Abwasserbehandlungsanlage und andererseits die Entnahme und der Transport des Entsorgungsguts aus Kleinkläranlagen und seine Behandlung in einer öffentlichen Abwasserbehand- lungsanlage, "wenn das Grundstück nicht an eine öffentliche Abwasseranlage angeschlossen ist", genannt. Hiernach stellt die Zuführung und Behandlung von 23 24 - 10 - Schmutzwasser in einer Kleinkläranlage gerade keinen Anschluss an die öffent- liche Abwasseranlage (hinsichtlich des anfallenden Schmutzwassers) dar. Zu- gleich ist danach auch ein Verständnis, wie es die Revision in Betracht zieht, dahin ausgeschlossen, dass bereits die Abfuhr der in der Kleinkläranlage aufge- fangenen Feststoffe durch die Klägerin und die Weiterbehandlung in einer Ab- fallanlage der Klägerin einen Anschluss auch hinsichtlich dieser zu entsorgen- den Stoffe (als Teil des Schmutzwassers) an die öffentlichen Abwasseranlagen und damit die öffentlichen Entwässerungsanlagen im Sinne der Allgemeinen Entsorgungsbedingungen begründet. Vielmehr bedarf es hierfür einer gegen- ständlichen, baulichen Verbindung des Grundstücks mit den Entwässerungsan- lagen. Eine solche lag hinsichtlich des Schmutzwassers nicht vor. Sie wird auch nicht dadurch begründet, dass der Überlauf der Kleinkläranlage an die öffentli- chen Entwässerungsanlagen in Form der Freigefälleleitung angeschlossen war. Denn diese Leitung war nicht zur Aufnahme von Schmutzwasser, sondern - neben der Aufnahme von hier nicht interessierendem Niederschlagswasser - nur zur Aufnahme des überlaufenden Wassers aus der Kleinkläranlage be- stimmt. Damit handelt es sich um sonstiges in Abwasseranlagen fließendes Wasser im Sinne von § 2 Nr. 1 AbwS. Das Schmutzwasser selbst dagegen war in der Kleinkläranlage zu entsorgen. Dieser Differenzierung folgt auch § 10 Abs. 1 AbwS, wonach die Errichtung einer Kleinkläranlage dann genehmigt wird, wenn das häusliche Schmutzwasser keiner öffentlichen Abwasseranlage zugeführt werden kann. Unerheblich ist, in welchem Grad das Schmutzwasser durch die Klein- kläranlage tatsächlich gereinigt wurde und ob das überlaufende Wasser den Anforderungen entsprach, wie sie jedenfalls heute nach der Anlage 7 zu den AEB-A (2013) erforderlich sind. Denn unabhängig von einer etwaigen Verpflich- 25 26 - 11 - tung, bestimmte Qualitätsmerkmale einzuhalten, ergibt sich aus der Erlaubnis, Überlaufwasser aus einer Kleinkläranlage einzuleiten, erkennbar nicht die Er- laubnis, ungereinigtes Schmutzwasser einzuleiten. Der Betrieb einer auf dem Grundstück befindlichen Kleinkläranlage dient gerade dazu, dies zu vermeiden. Entgegen der Auffassung der Revision kommt es ebenfalls nicht darauf an, in welcher Höhe Entgelt für die Abwasserbehandlung anfiel, als die Beklag- ten noch ihre Kleinkläranlage nutzten. cc) Eine ebensolche differenzierte Betrachtungsweise mit der Unter- scheidung verschiedenartiger Anschlüsse liegt auch der Beurteilung der öffent- lich-rechtlichen Verpflichtung zum Anschluss an Abwasseranlagen zu Grunde, was das dargestellte Verständnis ebenfalls bestätigt. In Fällen wie den vorlie- genden ist auch ein Anschluss- und Benutzungszwang an die neu geschaffene öffentliche Abwasseranlage in Form einer Schmutzwasserkanalisation zulässig. Ein solcher so genannter Vollanschluss kann für Grundstücke verlangt werden, die über eine Kleinkläranlage verfügen. Das Eigentumsrecht eines Grund- stückseigentümers, der auf seinem Grundstück eine private Kleinkläranlage betreibt, ist von vornherein dahin eingeschränkt, dass er seine Anlage nur so- lange benutzen darf, bis im öffentlichen Interesse ein Anschluss- und Benut- zungszwang angeordnet wird. Zu dessen Durchsetzung ist auch die Bestim- mung zulässig, eine vorhandene Kleinkläranlage außer Betrieb zu nehmen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass das Grundstück vollständig an die öffentliche Abwasseranlage anzuschließen ist (vgl. SächsOVG, DVBl 2013, 867 Rn. 27 m.w.N.). Unschädlich ist hierfür, dass das auf dem Grundstück anfallen- de Abwasser in der Kleinkläranlage nur vorgeklärt und sodann in einen Vorfluter eingeleitet wird (vgl. SächsOVG, aaO, Rn. 2). Das Verlangen eines so genann- ten Vollanschlusses auch für solche Grundstücke, die über eine Kläranlage ver- fügen, dient neben dem Gewässerschutz im Übrigen auch einer gleichmäßigen 27 28 - 12 - Verteilung der entstehenden Kosten auf möglichst alle Grundstücke (SächsOVG, Urteil vom 16. Oktober 2007 - 4 B 507/05, juris Rn. 27; vgl. auch BVerwG, NVwZ 1998, 1080, 1081). 3. Die Klägerin kann darüber hinaus Erstattung der Kosten für die Her- stellung des Grundstücksanschlusses nach § 3 Abs. 5 AEB-A verlangen. Aus denselben Erwägungen handelt es sich auch bei der Herstellung des Grund- stücksanschlusses für das Schmutzwasser nicht lediglich um die Erneuerung oder den Ersatz eines bereits vorhandenen Grundstücksanschlusses. 4. Soweit sich die Revision gegen die Auffassung des Berufungsgerichts wendet, die weiteren Einwendungen der Beklagten gegen Grund und Höhe des Baukostenzuschusses seien von dem Einwendungsausschluss des § 15 AEB-A erfasst, hat dies ebenfalls keinen Erfolg. Die Revision ist insoweit unzulässig, weil das Berufungsgericht sie nicht zugelassen hat. Zwar hat das Berufungsgericht im Tenor die Revisionszulassung nicht eingeschränkt. Es entspricht jedoch ständiger Rechtsprechung des Bundesge- richtshofs, dass sich auch bei uneingeschränkter Zulassung des Rechtsmittels im Tenor eine wirksame Beschränkung aus den Entscheidungsgründen erge- ben kann (BGH, Beschlüsse vom 10. Februar 2011 - VII ZR 71/10, NJW 2011, 1228 Rn. 10 ff.; vom 10. September 2009 - VII ZR 153/08, NJW-RR 2010, 572 Rn. 4 f.; vom 14. Mai 2008 - XII ZB 78/07, NJW 2008, 2351 Rn. 15 ff., jeweils m.w.N.). Das bedeutet allerdings nicht, dass stets allein aus der Begründung der Rechtsmittelzulassung eine Beschränkung auf den Bereich der mitgeteilten Gründe entnommen werden kann. Eine Zulassungsbeschränkung kann viel- mehr nur angenommen werden, wenn aus den Gründen hinreichend klar her- vorgeht, dass das Berufungsgericht die Möglichkeit einer Nachprüfung im Revi- sionsverfahren nur wegen eines abtrennbaren Teils seiner Entscheidung eröff- 29 30 31 - 13 - nen wollte (BGH, Beschluss vom 14. Mai 2008 - XII ZB 78/07, NJW 2008, 2351 Rn. 16). Dies ist hier der Fall. Das Berufungsgericht hat eine grundsätzliche Be- deutung der Rechtssache angenommen, weil die Klägerin aufgrund ihrer um- fangreichen Erschließungstätigkeit in einer Vielzahl von Fällen Baukostenzu- schüsse verlange, die sie bei durchschnittlich 20 % der Fälle gerichtlich geltend machen müsse. Dabei werde regelmäßig der Einwand erhoben, Baukostenzu- schüsse könnten nicht erhoben werden, weil eine vorhandene Kleinkläranlage bereits einen Überlauf mit dem öffentlichen Abwassernetz gehabt habe und damit kein Neuanschluss vorliege. Außerdem diene die Zulassung auch der Fortbildung des Rechts zu der vom Bundesgerichtshof bereits in seinem Urteil vom 23. November 2011 (VIII ZR 23/11, NJW-RR 2012, 351) behandelten Fra- ge, wann von einer erstmaligen Herstellung eines Anschlusses an ein Ver- bzw. Entsorgungsnetz auszugehen sei. Beide Zulassungsgründe betreffen aus- schließlich das Vorliegen der Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 AEB-A bzw. § 3 Abs. 5 AEB-A. Eine Beschränkung mit diesem Inhalt ist zulässig. Zwar ist eine Revisi- onszulassung hinsichtlich einer bestimmten Rechtsfrage unzulässig. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann die Zulassung der Re- vision jedoch auf einen tatsächlich und rechtlich selbständigen Teil des Ge- samtstreitstoffs beschränkt werden, der Gegenstand eines selbständig anfecht- baren Teil- oder Zwischenurteils sein könnte oder auf den der Revisionskläger selbst seine Revision beschränken könnte (BGH, Beschlüsse vom 10. Februar 2011 - VII ZR 71/10, NJW 2011, 1228 Rn. 11; vom 22. Juni 2010 - VIII ZR 192/09, WuM 2010, 565 Rn. 1 f.; vom 10. September 2009 - VII ZR 153/08, NJW-RR 2010, 572 Rn. 5; vom 14. Mai 2008 - XII ZB 78/07, NJW 2008, 2351 Rn. 21 ff., jeweils m.w.N.). Das ist hier der Fall. Weitere Einwendungen 32 33 - 14 - zur grundsätzlichen Berechtigung zur Erhebung eines Baukostenzuschusses machen die Beklagten nicht geltend. Sie greifen nur die Höhe in mehrfacher Hinsicht an und bestreiten die Zulässigkeit der konkret durchgeführten Bau- maßnahmen, vor allem deren Erforderlichkeit. Dies sind abgrenzbare Teile des Streitgegenstandes, die sowohl rechtlich als auch tatsächlich selbständig sind. III. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Kniffka Eick Halfmeier Jurgeleit Graßnack Vorinstanzen: LG Leipzig, Entscheidung vom 30.11.2012 - 8 O 1127/12 - OLG Dresden, Entscheidung vom 28.05.2013 - 9 U 1991/12 - 34